Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2026
Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis 2026
Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2026
Nils Mohl erhält den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis der deutschen Bischofskonferenz für das im rotfuchs Verlag erschienene Buch „Engel der letzten Nacht“. Die Jury unter Vorsitz von Weihbischof Robert Brahm (Trier) hat das diesjährige Preisbuch aus 147 Titel ausgewählt.
Der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis wird in diesem Jahr zum 36. Mal vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert.
Preisträger:
Nils Mohl: Engel der letzten Nacht.
Rotfuchs 2025
Jurybegründung
Eine Abitur-Feier am Strand; eine nächtliche Autofahrt; ein Zeitlupenmoment. „Und das ist es dann auch schon gewesen.“
Am Beginn des Romans steht der Tod des Ich-Erzählers.
Doch: Kann das sein? Ist wirklich passiert, wovon dieses Ich erzählt?
Denn an dieser Stelle mischt sich eine andere Erzählstimme ein und fragt: „So!?“
Dient diese erste Szene also als eine Denkfigur, um ganz direkt und unvermittelt in die Welt eines Jugendlichen einzusteigen, dessen Leben sich gerade massiv verändert? Kester hat soeben bravourös das Abitur abgelegt – „Kester, immer Klassenbester“ – und stellt sich nun die Frage, was eigentlich danach kommt. Kann das Leben gelingen? Und „kann die Nacht der Nächte nur das eine sein: die letzte Nacht“?
Vor dem Hintergrund dieser jugendlichen Fragen setzt der Roman mehrfach neu an. Kester überlebt den Auto-Crash und gelangt nach Hamburg. Von da an spielt der Roman in drei Versionen in dieser einen Nacht rund um jenen Weltkriegsbunker, der mittlerweile begrünt, begehbar und mit Cafés und Clubs bestückt ist. In dieser Nacht wird zuallererst vom Leben erzählt. Der einsame, verkopfte Kester trifft immer wieder neu auf Menschen – auf Menschen in all ihren lauten und leisen und schrillen und bezaubernden Variationen. Kester erinnert dabei an Elija, der vor dem Leben in die Wüste flüchtet; der dort aber mehrfach von einer Botschaft berührt wird, der Brot und Wasser zugetragen bekommt und immer wieder aufs Neue gestärkt zu seiner Bestimmung zurückfindet.
Dieses Moment der Wiederholung greift Nils Mohl auf: Wenn der Roman neu ansetzt, werden Figuren und Szenen neu aufgegriffen und weitererzählt; Dialoge werden erweitert und intensiviert, Erzählzeit und erzählte Zeit werden immer deutlicher voneinander unterschieden. Die Ereignisse reichen einerseits immer weiter zurück, legen immer deutlicher die Vorgeschichte(n) dieser Nacht frei; andererseits schreitet die Nacht immer deutlicher voran. War Kesters anfängliche Absage ans Leben jugendlich-situativ bedingt, so weitet sich Stück für Stück sein Blick darauf, was das Leben an Möglichkeiten offenhält. Die Menschen, denen er begegnet, werden älter, stellen immer erwachsenere Fragen an ihn und sich selbst. Kester dringt zur zentralen Frage vor, was ihn eigentlich bewegt – oder wer ihn bewegt. Die Ereignisse beschleunigen sich und rücken näher an die Leserinnen und Leser heran, die sich schließlich fragen: Was passiert hier eigentlich?
Im Sinne eines literarischen Glücksfalls zeigt der Roman, dass die Bedeutung von Literatur nicht in ihrer raschen Konsumierbarkeit liegt, sondern im Sinne von Papst Franziskus erst dort Wurzeln schlägt, wo ein Text in seiner Gesamtheit erschlossen wird. Wo er zu Ende gelesen werden muss, um seinen Rhythmus, seine Komposition und Dramaturgie zu erfassen – so wie auch das Leben und der Glaube nicht fragmentarisch erfasst werden können, sondern nur in der Gesamtheit der Seins- und Sinnfragen. Dieserart zeigt sich erst vom Ende des Romans her dessen erstaunliches Gesamtbild und ermöglicht auf beeindruckende Weise die Gleichzeitigkeit unterschiedlichster Lesarten:
Linear gelesen erzählt der Roman von einem jugendlichen Identitätsfindungsprozess. Dabei wird ein diakonisches Moment zentral: allein schafft Kester den Übertritt in die neue Lebensphase nicht – sehr wohl aber in Gemeinschaft. Erst in ihr realisiert sich ein Glaube an Gott als Idee für „das Gute, das Absolute, das Unbekannte oder aber […] eine Stimme da oben, die in uns unermüdlich alles kommentiert und das Leben zu lauter Geschichten macht“. Denn diese „Geschichten“ werden als Glaubensbezeugung durch uns als Menschen in die Welt getragen.
Folgt man aber dem anfänglichen „Riss im Raumzeitgefüge“, lässt sich der Roman auch ganz anders lesen. Dann nämlich wird jene Figur von Bedeutung, die Kester am Eingang zu einem Club im Bunker trifft und die sich ihm als Engel vorstellt. Mit dieser Figur des Bruno als Folie dekliniert der Roman aus, was ein Engel sein könnte, und orientiert sich dabei an einer These von Carl Westermann: „Der Engel kommt ins Sein mit seinem Auftrag, er vergeht mit der Erfüllung seines Auftrags, denn seine Existenz ist seine Botschaft.“ Vom Ende des Romans her wird Kester selbst zu diesem Engel, denn nicht nur er wird durch die zahlreichen Begegnungen zurück ins Leben geholt, sondern auch er beeinflusst zentral die Leben jener, auf die er trifft.
Der vielschichtige Roman arbeitet mit metafiktionalen Einschreibungen, die herausgelesen werden können: Da ist Blanka, Kesters Freundin, die ihrer Krebserkrankung und ihren eigenen Fragen ans Leben mit einem Blog begegnet. Hat Kester recht, wenn er Blanka vorwirft, sie könnte ihn „auch einfach erfunden“ haben? Ist K. nur eine Chiffre, die sich mit Kester, aber auch mit Kunstgriff, Krankheit oder Kränkung auffüllen lässt? Mit „[e]iner Kämpferin. Einem Künstler. Einer Kapitalistin. Einem Komiker.“ Mit Kunstfiguren gleichermaßen wie deskriptiven Annäherungen an eine Lebens-Vielfalt, die Kester in dieser Nacht bewusst gemacht wird? Schließt sich damit der Kreis zur Denkfigur eines Erzählers / einer Erzählerin. Eines Lesers / einer Leserin?
Einfach ist es nicht, das Leben. Und auch Nils Mohls Roman verzichtet auf einfache Antworten. Doch schon die Vielfalt der Lektüremöglichkeiten zeigt die hohe Kunst der Komposition und die Prägnanz, mit der Nils Mohl einen Roman gestaltet, der (scheinbar) mit dem Tod eines Jugendlichen einsetzt. Der damit aber zeigt, dass weder der Autor tot ist, wie Roland Barthes in den Raum gestellt hat, noch der Glaube ans Lesen und ans Leben, an die Lust am Leben, die Intensität, mit der gelebt und geglaubt werden kann. Soll. Muss.
"Engel der letzten Nacht" war im April 2025 die Kröte des Monats. Zur Rezension geht es >>> hier.
Empfehlungsliste:
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Kim Fupz Aakeson und Signe Kjær: Maria bekommt ein Kind
Alter Stoff erfährt hier neue Akzentierung: Das Künstlerpaar liegt mit dieser Version der Bibelgeschichte ein Bilderbuchvor, das neue Denkrichtungen und Akzentierungen zulässt. Das Zusammenspiel von Bibelgeschichte, Naturwissenschaft und elterlicher Fürsorge fügt sich zu einem besonderen Ganzen zusammen, das alten Stoff neu erzählt, die religiöse wie gemeinschaftliche Dimension von Weihnachten herausstreicht und in bewegende Bilder verpackt. Und all das ganz ohne Kitsch, dafür aber mit viel Gefühl für Momentaufnahmen in der Menschwerdung Jesu.
Aus d. Dän. v. Friederike Buchinger.
Fischer Sauerländer 2025.
„Marie bekommt ein Kind“ war im Dezember 2025 Religiöses Buch des Monats. Zur Rezension von Alexandra Hofer geht es >>> hier.
Aaron Becker: Der letzte Hüter der Tiere
Der Mensch ist von der Bild(erbuch)fläche
verschwunden. Zurück bleiben Wasser
und Tiere, die in ehemals besiedeltem
Gebiet auf Rettung warten. Diese kommt
in Form eines Roboters, der sich energieautark
selbst versorgt und mit einer modernen
Arche Noah die Tiere vor dem Tod bewahrt.
Ohne Worte verknüpft der Erfolgsillustrator
einmal mehr klug und originell die alttestamentliche
Sintflut
Erzählung mit hochaktuellen
Themen des
Klimawandels und
verweist auf die Rolle
des Menschen, wenn es
um die (Für-)Sorge für
unseren Planeten geht.
Ohne erhobenen Zeigefinger
entsteht allein
durch die eindrückliche
Bildsprache eine großartig
inszenierte Dystopie,
in der zumindest
die Tiere gerettet werden.
Wo der Mensch bleibt, ist wohl eine andere
Geschichte.
Gerstenberg 2025.
„Der letzte Hüter der Tiere“ War im September 2025 Religiöses Buch des Monats. Zur Rezension von Alexandra Hofer geht es >>> hier.
Charles Berberian: Groß werden
Mutter und Kind im Wald. Ihre Mission: Einen Baum zur Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Großvater zu pflanzen.
Im raffinierten Wechsel zwischen dem klar
konturierten Mutter-Sohn-Duo inmitten
einer aquarellierten Waldwunderwelt und
reinen schwarz-weiß gestalteten Seiten
verweist der irakische Künstler auf die
dialogische Komponente, die das Buch
durchzieht und das Verhältnis von Mensch
und Natur, aber auch Fragen nach Vergänglichkeit
und Verantwortung auslotet.
Philosophische Passagen werden durch die
neugierigen Fragen des Kindes aufgelockert,
die die kindliche Lebensrealität mit Gedanken
und Vorstellungen über das „Danach“
verbinden.
Aus dem Französ. v. Anja Kootz.
Aladin 2025.
„Groß werden“ war im März 2025 Religiöses Buch des Monats. Zur Rezension von Alexandra Hofer geht es >>> hier.
Bea Davies: Super GAU
Über den halben Erdball und zwei Generationen
hinweg löst jener Tsunami, der
am 11. März 2011 auch das Kraftwerk
Fukushima zerstört hat, nicht nur eine
Umweltkatastrophe aus. Er schreibt sich
auch in die Biografie mehrere Figuren ein,
deren Schicksal wiederum mit jenem zahlreicher
anderer Menschen verknüpft ist.
In schwarz-weißen Panels folgt die Illustratorin
acht Figuren durch Berlin Kreuzberg,
lässt sie aufeinandertreffen, interagieren,
nebeneinander existieren.
Das Wasser, aber auch Telefonanrufe
gehören zu jenen motivischen Grundkonstanten,
die formal ausgeklügelte
Übergänge herstellen, wenn sich die
Lebenswege der acht Figuren – zum Teil
wortwörtlich – kreuzen. Es entsteht eine
ebenso komplexe wie grandios gestaltete
Geschichte über Herkunft, Verlust, Zugehörigkeit
und Lebensperspektiven.
Carlsen 2025.
Clare Furniss: The things we leave behind
Dystopie trifft Märchen: London in gar
nicht allzu ferner Zukunft, das politische
Klima ist gekippt. Eine Demonstration
gegen das Regime wird brutal niedergeschlagen,
und Protagonistin Clem
muss mit ihrer jüngeren Schwester Billie
fliehen. Clem gibt ihre abenteuerliche
Geschichte retrospektiv wieder und
fächert zugleich eine vielschichtige,
von Märchenelementen durchzogene
Erzählung auf, die sie ihre „Erinnerung“
nennt. Clare Furniss erzählt einfühlsam
und klug geschichtet von einer Realität,
die kaum zu ertragen ist. Fast nahtlos lullt
sie dabei die Lesenden in die geborgene
Atmosphäre der Märchen ein, die sie
zugleich endlos variiert und so den vermeintlich
geraden Weg verlässt, um das
tiefenpsychologische Dickicht ihrer jungen
Erzählerin zu erkunden.
Aus dem Engl. v. Anne Brauner.
Rotfuchs 2025.

Will Gmehling und Jens Rassmus: Der Sternsee
In ganz und gar nicht alltäglichem Erzählton
wird hier von scheinbar Alltäglichem
erzählt – obwohl der Ausgangspunkt der
Ereignisse jenseits des Normalen liegt: Der
See, der inmitten einer peripheren Hochhaussiedlung
liegt, friert zu – und zwar so
nachhaltig, dass die 27 cm dicke Eisschicht
selbst im Sommer nicht schmilzt. Ähnlich
den Schlittschuhspuren, die auf dem Eis
gezogen werden, wird – in ihrem je eigenen
Rhythmus – den Biografien der vier
Protagonist*innen nachgespürt. Würde es
sich um die Kür beim Eistanzen handeln,
wäre dem Miteinander von Text und
Bildern eine mehrfache Zehnkommanull
sicher. Auch und vor allem weil nicht die
meteorologische Anomalie das eigentliche
Wunder darstellt, sondern die Freundschaft
dieser vier so unterschiedlichen
Figuren.
Peter Hammer Verlag 2025.
„Der Sternsee“ war im Sommer 2025 dir Kröte des Monats. Zur Rezension von Heidi Lexe geht es >>> hier.
Heinz Janisch und Michael Roher: Das Buch der Anfänge
Jemand will eine Geschichte erzählen.
Doch wie anfangen? Diese Frage wird hier
umgekehrt. Denn hier stehen siebzehn
poetische Anfangssätze zur Verfügung, in
unterschiedlichen Schriftarten und mit
unterschiedlichen Schreibutensilien auf
Zettel und Linierungen aller Art gekritzelt.
Weitergedacht, weitergeschrieben, weitererzählt
können sie von jeder Leserin und
jedem Leser selbst werden. Oder aber man
greift jenes Lektüreangebot auf, das die
Illustrationen offerieren: Sie zeigen ein
assoziatives Bild zu jedem der Anfangssätze
– überraschend, wundersam, märchenhaft,
realistisch, verrätselt; und
immer als Einladung, die Gedanken auch
davon ausgehend weiterzuspinnen, zu
fabulieren, der Fantasie freien Lauf zu
lassen. Lust, anzufangen?
Tyrolia Verlag 2025.
„Das Buch der Anfänge“ war im Jänner 2026 das Religiöse Buch des Monats. Zur Rezension von Heidi Lexe und Alexandra Hofer geht es >>> hier.
Jenny Jordahl: Nur noch ein bisschen mehr
Pudding-Schnecken. Aber nicht eine, sondern gleich einen ganzen Sack voll davon isst Janne, wenn sie in der Schule wieder einmal wegen ihres Übergewichts gehänselt wurde. In einem ruhigen, fast unterkühlten Comic-Stil folgt die norwegische Künstlerin Jenny Jordahl einer jugendlichen Figur in Not. Denn anders als oft in der Jugendliteratur geht es hier nicht um ein naives Zelebrieren einer ungebrochenen Bodypositivity, sondern vielmehr um eine ehrliche wie einfühlsame Darstellung der seelischen Qualen, in die eine Ess-Störung Menschen bringen kann. Verdichtet werden sowohl das Körpergefühl als auch die Emotionen von Janne im Sinnbild eines Monsters, das immer unförmiger wird, je mehr sie mit den gesellschaftlichen Vorstellungen eines idealen Körpers konfrontiert wird. In dunklen Schattierungen von Grau und Schwarz spiegelt es Janne jene Abwertung, mit der sie, unterschwellig wie offen ausgesprochen, konfrontiert wird. Variantenreich gestaltete Panel-Seiten vollziehen nach, wie sie selbst, aber auch ihr liebevoll-bemühtes familiäres Umfeld versuchen, einen Weg zu finden, Monster wie Ess-Sucht in die Schranken zu weisen.
Atrium Verlag 2025.
„Nur noch ein bisschen mehr“ wurde von Heidi Lexe im Rahmen eines STUBE-Freitags vorgestellt. Zum Tagebuchbericht geht es >>> hier.
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Mareike Krügel und Anna Schilling: Inseltage mit Rosa
Ein Wochenende mit ihrer schrulligen
Großmutter auf einer abgelegenen Schäreninsel?
Ich-Erzählerin Lila ist nicht
begeistert. Doch seit ihre Freundin Rosa
nicht mehr da ist, findet Lila eigentlich nichts mehr schön. Wie gut, dass Rosa in
der Einsamkeit der Insel plötzlich wiederkommt
und für gemeinsame fantasievolle
Rollenspiele zur Verfügung steht. Doch
dann bricht ein Sturm los und das von
Anna Schilling mit zartem Strich in Szene
gesetzte Großmutter-Enkelin-Duo muss
näher zusammenrücken: Wenn es kaum
etwas zu tun gibt, bleibt die Kraft der
Kreativität. Die Intensität dieser Tage legt
nach und nach offen, was mit Rosa passiert
ist – und warum es für Lila nach deren
Tod sinnlos geworden ist, mit anderen
Menschen zu sprechen.
Beltz & Gelberg 2025.
„Inseltage mit Rosa“ war im Februar 2026 der Lektorix des Monats für die FURCHE. Zur Rezension von Kathrin Wexberg geht es >>> hier.
Alison McGhee: Das Telefon in der Birke
Es gibt es tatsächlich: Das Windtelefon –
eine aufgelassene Telefonzelle in einem
Garten in Japan –, das Menschen nützen,
um mit ihren verstorbenen Liebsten zu
sprechen. Davon ließ sich Alison McGhee
zu einer sensibel und berührend komponierten
Geschichte inspirieren, in der die
zehnjährige Ich-Erzählerin Ayla – behutsam
begleitet von ihren Eltern und ihrem
Großvater – lernt, den für sie lange unaussprechlichen
Verlust ihrer besten Freundin
Kiri, mit der sie geschwisterlich aufgewachsen
ist, zu benennen und in ihr Leben
zu integrieren. Denn da ist plötzlich dieses
Telefon in der Astgabel von Aylas Silberbirke,
das für sie zu einer ganz besonderen
(Erinnerungs-)Verbindung wird, die zugleich
einen (seelischen) Heilungsprozess
initiiert.
Aus dem Engl. v. Birgitt Kollmann.
dtv Reihe Hanse 2025.
„Das Telefon in der Birke“ war im Juni 2025 die Kröte des Monats. Zur Rezension von Kathrin Wexberg geht es >>> hier.
Verena Pavoni und Lena Raubaum: Schlich ein Puma in den Tag
Dass Leguane sich häuten, mag ein biologisches
Phänomen sein. Hier jedoch wird
dieser Prozess zum künstlerischen Grundgedanken: Schicht um Schicht werden
im illustratorischen Schaffensprozess
Tierfiguren freigelegt. Und als eine Art
lyrische Antwort darauf, Zeile für Zeile
Gedanken aufs Papier gebracht. Es entsteht
ein faszinierendes Miteinander von Bild,
Text, Tier und Buchgestaltung, durch das
schrittleise / pfotenweise Annäherungen
entstehen – an das Wesen von Puma,
Laubfrosch, Kugelfisch, Leguan und
Schleiereule; an das Laut und Leise im
Kopf und in der Seele. Die Schönheit
dieses Buches macht atemlos. Seine
besondere Ausdruckskraft und Klugheit
regen zum Philosophieren (mit Kindern),
zum Staunen und Weiterdenken an.
Kunstanstifter 2025.
„Schlich ein Puma in den Tag“ war im September 2025 die Kröte des Monats. Zur Rezension von Heidi Lexe geht es >>> hier.
Isabel Pin: Ada Blackjack
Im Jahr 1921 führt eine nur unzureichend vorbereitete und ausgestattete Expedition
vier Männer auf die Wrangelinsel im
arktischen Norden. Begleitet werden sie
von einer Ureinwohnerin, die für sie
kochen und nähen soll. Von den Männer
auf nicht eben zuvorkommende Weise zur
Arbeit gezwungen, lernt die junge Frau in
der kargen Weite zu überleben – aufgrund
der Umstände letztendlich sogar alleine.
Genauestens recherchiert, folgt das illustrierte
Sachbuch der ungewöhnlichen
Lebensgeschichte der Ada Blackjack und
delegiert die dichten Informationen an
die unzähligen kleinen, panelartigen
Zeichnungen. Nach ihrer Rückkehr als
weiblicher Robinson Crusoe gefeiert,
sieht sich die Iñupiat bald mit medienwirksamen
Gerüchten konfrontiert.
Umso beeindruckender, dass mit der
detailliert ausgestalteten Expeditionsgeschichte
ein Stück weiblicher Biografie
festgehalten wird, die überaus spannend
zu lesen ist.
Gerstenberg 2025.
Seibert, Moritz: Das letzte Aufgebot
1944: Jakob interessiert sich eigentlich wenig für Politik, ist kein begeisterter Hitleranhänger und würde die Zeit viel lieber mit dem Mädchen, in die er sich verliebt haben, verbringen. Doch er wird von seinem besten Freund Franz dazu überredet, sich freiwillig zu melden und als Kriegshelfer an die Front zu gehen. Was ihn dort erwartet, übersteigt jedoch alle Vorstellungen ... Der auf einem Theaterstück basierende Roman erzählt eindrücklich von den schrecklichen Verbrechen der Nationalsozialist*innen und stellt inmitten dieser Gräueltaten eine jugendliche Figur, die sich zunehmend die Frage nach Schuld, Loyalität und Zugehörigkeit stellen muss.
Karibu 2025.
Zipfel, Dita, Flygenring, Ràn: Leben, Sterben und Kaninchen
Wir sind einzigartige Wesen, und zugleich
sind wir auch das Ergebnis von 13,8
Milliarden Jahren Evolution und existenzieller
Konstanten: dem Kindsein, dem
Lieben, dem Älterwerden und dem Sterben.
Wenn Dita Zipfel und Rán Flygenring
zusammen auf dem Sofa sitzen, denken sie
so tiefgründig und kreativ über die Welt
nach, dass ihre Gedanken in Buchform
zum Glücksfall werden. Sprachgewandt
wird hier erzählt, was in energisch-präzise
Bilderwelten gegossen wird, sodass sich
sowohl auf Text- als auch auf Bildebene
eine tiefgründig-originelle Investigation
unseres Daseins entfaltet: Die Farben
Weiß, Blau und Neongelb loten das beständige
Übergehen von einem ins andere, die
Wandelbar- und Vielgestaltigkeit unserer
Existenz aus – bis zum Tod.
Carl Hanser 2025.
„Leben, Sterben und Kaninchen“ war im Februar 2026 das Religiöse Buch des Monats. Zur Rezension von Jana Sommeregger geht es >>> hier.

