Religiöses Buch im April 2026

kunstanstifter 2026.
44 S.
Heinz Janisch und Nicole Vögeli: Was, wenn ich mich entziehe
Das Leben in unserer Gesellschaft ist schnell, laut, manchmal vielleicht sogar überfordernd. Umso wichtiger erscheint es, ab und zu innezuhalten und die Zeit für einen Moment anzuhalten. Dafür kann Ostern ein guter Zeitpunkt sein:
Manchmal sagt die Stille
Hallo! Zu mir.
Dann bleibe ich stehen und höre ihr zu.
Heinz Janisch liefert auf vier in der Mitte des Buches platzierten Seiten ein Plädoyer für die Stille, für das Innehalten und das im Moment sein. Violette Schrift auf zitronengelbem Hintergrund erzählen von lauten Momenten, in denen das lyrische Ich ganz leise wird, von philosophischen Fragen und von der Stille als gute Freundin. Das Gefühl von Abgeschiedenheit und Einkehr wird so zum Leitmotiv, das Heinz Janisch in lyrische Zeilen gießt.
Was, wenn ich mich entziehe
und ganz bei mir bleibe.
Bleibst du dann in meiner Nähe?
Das unbestimmte Du, das hier angesprochen wird, kann für vieles stehen und gerade dadurch eröffnen sich unterschiedliche Denkrichtungen. Das Gefühl von Nähe und Distanz, die Diskrepanz von Stille und Lärm, die Anwesen- und Abwesenheit von Licht und Schatten, die auf der Textebene transportiert werden, wird von ausdrucksstarken digital gestalteten Illustrationen der Schweizer Künstlerin Nicole Vöglei verbildlicht. Was kann dieser Moment von Stille und Innehalten alles sein? Antworten findet man in den Bildern viele: Die lautlose Flugkurve eines Federballs, das kindliche Versteckspiel, bei dem man sich nicht verraten darf, das Vorbeiziehen von Wolken, ein Besuch im Museum. Stille kann aber auch Einsamkeit bedeuten. Im Umkehrschluss bedeutet allein sein aber mitnichten immer einsam zu sein. In diesem Dazwischen changieren die Bilder, stehen eindrücklich für unterschiedliche Qualitäten, die auch im Text angesprochen werden und vermitteln so eine Innen- und Außenperspektive. Ein Abend zuhause kann für die einen heilsam, für die anderen einsam sein. Dabei ruft sie in den Bildern auch Fragen nach dem Vergehen auf, von Ankunft und Abschied sowie das Spannungsfeld von urbanem Lebensraum und Natur. So zeigt sich, dass es viele Gesichter gibt, die alle nebeneinander ihre Daseinsberechtigung haben und dieserart von der Pluralität unserer Gesellschaft zeugen. Bei all dieser Fülle eröffnet sich stets eine transzendente Denkmöglichkeit, die auch das miteinander in-Beziehung-sein miteinschließt. Denn es braucht den Lärm für die Stille ebenso wie die Beziehung für das Alleinsein. Und auch dafür findet Heinz Janisch die passenden Worte:
Manchmal will ich nur allein sind, damit die
Freude beim Wiedersehen besonders groß ist.
Alexandra Hofer
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