Religiöses Buch im Oktober 2026

Katholisches Bibelwerk 2026.
464 S.
Georg Langenhorst / Heinz Detlef Stäps: Die Kunst-Bibel für Kleine und Große
Pieter Breughels „Der Turmbau zu Babel“ (1563), Leonardo da Vincis „Das letzte Abendmahl“ (1495–1498) oder Michelangelo Buonarrotis „Gott erschafft Adam“ (1508–1512) sind Kunstwerke, die vermutliche jede*r in irgendeiner Form schon gesehen hat: die Originale im Kunsthistorischen Museum in Wien, in der Sixtinischen Kapelle oder als Abbild, Foto, Postkarte. Dass es zu den Gemälden Bibelgeschichten gibt, wird wohl auch dem einen oder der anderen bekannt sein. Wie umfassend und imposant Bibeltexte aber in die Kunstgeschichte eingeschrieben wurden, zeigen die beiden Theologen Georg Langenhorst und Heinz Detlef Stäps in dieser 460 Seiten starken Bibel der etwas anderen Art: Hier trifft Bibel auf Kunst, formalhafte Texte auf assoziative Ausdrucksformen, Geschichte auf Gegenwart. Und das in zugänglicher und höchst informativer Weise, wenn die adaptierten Texte von Georg Langenhorst mit kunsthistorischen Einordnungen von Heinz Detlek Stäps zusammengeführt werden. Daraus resultiert auch die Auswahl der Bibeltexte, die es ja bei Adaptionen immer braucht.
Der Aufbau folgt dabei einer klaren Struktur: Auf ein vorangestelltes Gemälde folgt der Bibeltext. Verknüpft wird das mit einer Bildanalyse, die auf Besonderheiten der Technik, Farbgebung, Symbolwahl oder Bildkomposition eingeht und im Anschluss unter dem Motto „Was wir davon lernen können …“ einen besonderen Aspekt herausgreift. Dieserart wird nicht nur Bibelwissen vermittelt, sondern gleichzeitig das Handwerkszeug zur Bildanalyse mitgeliefert und das genaue Hinschauen geschult. Und all das auf Augenhöhe mit den Leser*innen ab neun Jahren, die direkt angesprochen werden. Für erwachsene Mitleser*innen oder Lese-Begleiter*innen (und alle, die das interessiert) gibt es ein ausführliches Nachwort, das mit falschen Vorstellungen bricht oder die kulturelle Aneignung der Bibel aus westeuropäischer Sicht thematisiert. Das Bemerkenswerte ist die Leichtigkeit, wie die beiden Disziplinen zueinander geführt werden, ohne dabei überladen zu sein. Jedes Gemälde wird für sich betrachtet, jeder Bibeltext darf alleine wirken. Und die Leser*innen bzw. Betrachter*innen haben Zeit, sich selbst mit Bild und Text auseinanderzusetzen, bevor es zu einer analytischen Einordnung und Verortung kommt. Je weiter man in der Lektüre in der Bibel voranschreitet, desto mehr Impulse bekommt man durch die kunsthistorische Einordnung, die an der einen Stelle danach fragt, wie der Blick gelenkt wird, an einer anderen konkreten Detailfrage stellt und dadurch einlädt, noch einmal genau hinzuschauen und mitunter neue Aspekte zu entdecken.
Der unaufdringliche religionspädagogische Habitus wird durch ein Verzeichnis der Bibelstellen zum Nachschlagen in der Vollbibel sowie einem Zeitstrahl über die Entstehung der Kunstwerke samt ausführlichem Glossar ergänzt. Dabei wird auch das Buch als Kunstwerk ausgeschöpft, das nicht nur mit Lesebändchen versehen ist, sondern auch das Vor- und Nachsatzpapier für die Rahmung dieser Bibel nutzt: von der Erschaffung Adams bis zum letzten Abendmahl reicht dieser Bogen. Von der Schöpfung bis zur Pfingsterzählung wird er gespannt und zeigt damit in der Kinder- und Jugendliteratur gut etablierte Bibelgeschichten wie die Arche Noah, Jona und der Wal oder Daniel in der Löwengrube, greift aber auch mitunter weniger bekannte Bücher oder biblische Figuren auf. Und schreckt dabei erfreulicherweise auch nicht vor drastischeren Darstellungen zurück, die in Kinderbibeln oft ausgespart bleiben.
In dieser Komposition besticht diese Kunst-Bibel auf mehreren Ebenen: Sie ist Nachschlagewerk, Abriss der Kunstgeschichte, Analysehilfe und zeigt, wie interdisziplinäres Denken und Analysieren funktionieren kann.
Alexandra Hofer
Die gesammelten Religiösen Bücher des Monats finden Sie im
>>> Archiv
