Religiöses Buch im Sommer 2026

Aus d. Franz. v. Edmund Jacoby.
Jacoby&Stuart 2026.
64 S.
Martine Gasparov und Émilie Boudet: Wahrheit
Die Wahrheit. Diese und die Frage danach beschäftigt die Philosophie, die Theologie und die Menschheit ganz allgemein seit jeher. Gerade in Zeiten von KI, Fake News und Deep Fakes stellt sich die Frage nach der Wahrheit natürlich noch auf einer ganz anderen Ebene. Aber als was ist die Wahrheit eigentlich zu begreifen? Als das Gegenteil der Lüge? Als Antwort von Logikrätsel? Als Abbild eines Sachverhalts respektive der Wirklichkeit? Das sind nur drei von ganz vielen Varianten, wie man sich der Wahrheit annähern und darüber ins Philosophieren kommen kann.
Eine systematische Aufarbeitung aus philosophischer Sicht liefert ein aktueller Band in der Reihe „Die Comicothek der Philosophie“, die in regelmäßigen Abständen bei Jacoby&Stuart erscheint. Entlang von vier Leitfragen und damit Kapiteln wird in diesem Comic versucht, die Lesenden durch den philosophischen Irrgarten auf der Suche nach der Wahrheit zu lotsen. Und das gelingt im Zusammenspiel von Sachtext und Comicelementen hervorragend. Für die klugen wie fundierten Texte, die auch auf Originalschriften aus der Philosophiegeschichte verweisen, zeichnet die Philosophiedozentin Martine Gasparov verantwortlich. In klarer Sprache arbeitet sie wichtige Aspekte heraus, die dann wiederum von der Comickünstlerin Émilie Boudet in Szene gesetzt werden: eine klare Panelstruktur, einordnende Sprechblasen und lebensnahe Szenarien sorgen für einen informativen sowie unterhaltsamen Wissenstransfer und zeigen, wie Sachbücher für Jugendliche funktionieren können.
Inhaltlich eröffnet die vielleicht basal erscheinende Einstiegsfrage „Kann man wahr und falsch leicht von einander unterscheiden?“ das Feld und legt die Grundlage für eine immer intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik. Davon ausgehend werden die unterschiedlichen Lehren von Platon, über Descartes bis Kant und Nietzsche aufgefächert, verschiedene Blickwinkel erläutert und verständlich aufgedröselt. So komplex diese Thematik auch sein mag, so anschaulich gelingt es den beiden Französinnen diese auszugestalten: in kompakten Kapiteln mit abgeschlossenen Unterpunkten schaffen sie ein Zusammenspiel von philosophischen Lehren und alltagsnahen Themen, die das Gelesene ins Jetzt transportieren. So wird etwa der Frage nachgegangen, wie denn eigentlich Rassismus entsteht und was das mit der Wahrheit zu tun hat. Die Antwort: Durch die Reproduktion von Vorurteilen, die zumeist nicht der Wahrheit entsprechen. Dieserart werden Antworten geliefert und vor allem auch auf die moralische Dimension eingegangen. Denn auch wenn die Wahrheit oberstes Gebot hat, gilt es doch auch taktvoll zu sein und der ethischen Frage nachzuspüren, ob nicht Lügen auch ihre Berechtigung haben, wenn dadurch beispielsweise jemand geschützt werden kann.
Die Bandbreite der Wahrheit zu fassen, ist kein leichtes Unterfangen. Umso erfreulicher ist es, mit welcher Leichtigkeit das hier geschieht und dabei neugierig auf eine intensivere philosophische Auseinandersetzung macht.
Alexandra Hofer
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