Religiöses Buch im Dezember 2025

„Aus d. Dän. v. Friederike Buchinger.
Fischer SAUERLÄNDER 2025.
32 S.
Kim Fupz Aakeson und Signe Kjӕr: Maria bekommt ein Kind
Die Weihnachtsgeschichte. Das Lukasevangelium. Für viele Familien gehört diese Bibelstelle genau so zu Weihnachten wie der Christbaum, Singen und das Familienessen. Jährlich erscheinen in der Kinder- und Jugendliteratur Adaptionen, die sich mitunter am Kitsch, den man auf hiesigen Adventmärkten entdecken kann, bedienen.
Einen gänzlich anderen und bestechenden Weg gehen die beiden dänischen Künstler*innen hier: Auf der Textebene bleibt der bekannte biblische Stoff aus Lukas 2 gleich, wird sprachlich im Jetzt verortet und nähert sich der Lebensrealität an, wenn es etwa heißt:
Mit einem Erzengel diskutiert man nicht. Insgeheim fragte sie sich aber doch, wie sie Josef das erklären soll.
Josefs Misstrauen und sogar eine Trennung stehen in weiterer Folge im Raum, die nur durch das erneute Auftreten des Erzengel Gabriels zerstreut werden können. Der Weg nach Betlehem, die Herbergssuche, die Hirten und Waisen aus dem Morgenland finden in weiterer Folge ebenso Platz wie das obligatorische Tierduo aus Ochs und Esel.
Während der Text nah an der Bibel bleibt, bürsten die Illustrationen von Signe Kjӕr die Erwartungshaltung an die Weihnachtageschichte gegen den Strich, überraschen und bringen eine zusätzliche Dimension aufs Tapet. Mit überwiegend dunkel gehaltenen, die Seite überlaufenden
Wasserfarbenillustrationen und mit einem besonderen Gespür für Perspektive und Blicklenkung werden bekannte Bilder aufgerufen und mit neuen Akzenten durchwirkt: Es wird so nicht etwa nur Maria hochschwanger gezeigt, sondern auch das ungeborene Kind im Mutterleib samt Nabelschnur. Die Menschwerdung Jesu wird hier auch mit der natürlichen Geburt eines Kindes konnotiert, wodurch zusätzlich die Rolle von Maria als Gottesmutter unterstrichen wird, wie sich in der intimen wie eindrücklichen Szene der stillenden Maria zeigt. Zudem wird die Geschichte an einzelnen Stellen in gewisser Weise vom biblischen Original entkoppelt, dafür mit einer persönlichen emotionalen Ebene angereichert, die sich an der familiären Dimension, die Weihnachten auch haben kann, zeigt:
Maria und Josef war es egal, was die anderen glaubten oder nicht. Sie hatten nur Augen für den neugeborgenen Jungen, den sie von nun an lieben, behüten und umsorgen würden.
Das Zusammenspiel von Bibelgeschichte, Naturwissenschaft und elterlicher Fürsorge fügt sich zu einem besonderen Ganzen zusammen, das alten Stoff neu erzählt, die religiöse wie gemeinschaftliche Dimension von Weihnachten herausstreicht und in bewegende Bilder verpackt. Und all das ganz ohne Kitsch, dafür aber mit viel Gefühl für Momentaufnahmen in der Menschwerdung Jesu.
Alexandra Hofer
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