MINT-Buch im September 2026

Aus d. Engl. v. Frederik Kugler.
Laurence King Verlag 2026.
64 S.
Laura Mucha und Nina Chakrabarti: Kaleidoskop
Gamboge. Heliotrop. Yinmn. Das sind weder Elemente moderner Poesie noch Kunstnamen aufstrebender Influencer*innen, sondern vielmehr Bezeichnungen von Farben: Gamboge wird aus dem Milchsaft von bestimmten asiatischen Baumarten hergestellt. Heliotrop ist nach einer duftenden Pflanzenart benannt. Und Yinmn war der erste neue Blauton nach Kobaltblau. Die britische Autorin Laura Mucha (eigentlich Rechtsanwältin im Grundberuf) widmet sich dem Thema Farben, das ja in der Kinderliteratur durchaus populär ist, auf ausgesprochen vielfältige und fundierte Weise. Gegliedert wird diese Fülle schlüssigerweise nach den jeweiligen Farben, von Weiß bis Braun, abgerundet mit einem kurzen Glossar.
Jede dieser Farben wird auf jeweils drei Doppelseiten behandelt – und dabei ganz nebenbei wesentliches Grundwissen, etwa aus der Physik, für die Zielgruppe (der Verlag empfiehlt das Buch ab 7 Jahren) aufbereitet. So wird etwa dargestellt, wie sich ein (scheinbar) weißer Sonnenstrahl eigentlich aus Licht in verschiedenen Farben zusammensetzt und wie das Sehen von Farben funktioniert: dafür spielen nicht nur die Augen eine wichtige Rolle, sondern auch das Gehirn. Quasi als Randnotiz wird sogar nachvollziehbar gemacht, wie eine farbenblinde Person Farben sieht (oder sehen könnte, denn jedes Gehirn funktioniert ein bisschen anders).
In vielen historischen Abrissen wird deutlich, wie sehr die Herstellung von Farben, für uns heute schwer vorstellbar, in früheren Zeiten auch eine enorme ökonomische Dimension hatte: tyrischer Purpur etwa, der aus Purpurschnecken hergestellt wurde, war um 300 mal teurer als reines Gold!
Neben den zahlreichen naturwissenschaftlichen Aspekten werden auch kultur- und sozialgeschichtliche Dimensionen des Themas herausgearbeitet. Manches davon ist launig (in westlichen Ländern waren lange Zeit bunte Brautkleider üblich, erst nach der Hochzeit von Königin Viktoria kamen elfenbeinfarbene Kleider in Mode), anderes ernst: das Tragen von Farben war auch eine Möglichkeit, sein Vermögen zu zeigen, arme Menschen trugen oft Braun.
Die gesellschaftspolitische Dimension der Bezeichnung von Farben wird am Rande der Farbe Rosa angesprochen: denn wenn der Farbton „Nude“ oder „Hautfarbe“ automatisch in einem blassen Pfirsichton gedacht wird, geht damit eine Wertung einher und wird etwas über alle anderen Hauttöne ausgesagt.
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LESEN – SPRECHEN – TUN
LESEN – In den durchaus komplexen Sachtexten werden mit unterschiedlichen, teils unkonventionellen Methoden (fett, kursiv, groß geschrieben…) einzelne, besonders wichtige Wörter hervorgehoben, das erleichtert die Orientierung.
SPRECHEN – Viele der aufbereiteten Informationen sind überraschend, interessant und manchmal auch ekelerregend (Farbe wurde nämlich nicht nur aus Schneckenschleim, sondern auch aus mumifizierten Menschen hergestellt…). Es gibt also zahlreiche Anlässe für Austausch und Gespräch.
TUN – Ob Mischen von konventionellen Farben, Experimente mit eigenhändig aus Naturmaterialien „zusammengegatschten“ Schattierungen oder eine kreative Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema Hautfarbe (Tipp: es gibt mittlerweile „Hautfarben-Buntstifte für alle“) – zu tun gibt es mit diesem Sachbuch jede Menge.
Kathrin Wexberg
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