Aus dem Niederländ. v. Rolf Erdorf.
Gerstenberg 2025.
80 S
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Evelien De Vlieger/Jan Hamstra: Das große Buch der Hühner.

„Ich wollt ich wär ein Huhn“ wurde im gleichnamigen UFA-Schlager beherzt schon vor knapp 90 Jahren geträllert. Aber was heißt es wirklich, ein Huhn zu sein? Was sind die Besonderheiten dieser Tiere, direkte Nachfahren der Dinosaurier? Dieser Frage geht dieses aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf übersetzte Sachbuch nach, das den Begriff „groß“ sehr wortwörtlich nimmt: ganze 375 Millimeter ist seine Höhe. Dieses Großformat bespielt der Illustrator Jan Hamstra auf eindrucksvolle Weise: seine detailreichen Bilder entstanden aus Linolschnitten, deren Abdrucke digital übereinandergelegt und schließlich koloriert werden. Dabei kommen ästhetisch ansprechende Aspekte wie eine „gesperberte“ Feder ebenso gut zur Geltung wie biologische Details, etwa der Aufbau eines Eis. Stichwort Ei: die immer wieder aufgeworfene Frage nach Huhn oder Ei wird natürlich auch angesprochen. Wie neben der zoologischen Dimension überhaupt auch viele kulturgeschichtliche Aspekte aus dem Zusammenleben von Huhn und Mensch geschildert werden: schon auf der Mauer eines altägyptischen Tempels wurde der Vogel, der täglich Leben schenkt dargestellt. Aber auch in den alltäglichen Sprachgebrauch hat sich das Tier eingeschrieben, erinnert sei nur an den Streithahn oder das sprichwörtliche wie auf Eiern gehen. Der informative Text der Autorin Evelien de Vlieger wird auf sehr unterschiedliche Arten auf die großformatigen Seiten platziert, je nachdem, wie es für das gerade behandelte Unter-Thema am ergiebigsten ist: manchmal im klassischen Blocksatz, bei sequenziellen Bildfolgen wie dem Bad im Staub den einzelnen Schritten zugeordnet, beim ABC der besonderen Rassen in kurzen Stichworten. In gerahmten Info-Kästen gibt es weiterführende Informationen: Den Umstand, dass ein Huhn eine Zeitlang ohne Kopf leben kann, hat man vielleicht schon einmal aufgeschnappt. Aber dass ein Hahn namens Mike ganze 18 Monate kopflos überlebt hat, weil er nämlich noch einen Teil seines Gehirns besaß, das bei Hühnern nicht oben im Schädel, sondern hinter den Augen liegt, ist doch überraschend. Hühner sind vielleicht auf den ersten Blick nicht so sympathisch oder kuschelig wie andere Tiere – aber nichtsdestotrotz sehr faszinierend. Qualitative Argumente, sich mit ihnen zu beschäftigen, gibt es auf jeden Fall: Schließlich gibt es dreimal mehr Hühner als Menschen auf der Erde …

LESEN – SPRECHEN – TUN


LESEN
– der umfangreiche Text bietet eine Fülle an interessanten Informationen, die sowohl im Anschluss an die Lektüre, z. B. als Quiz aufbereitet werden als auch beim Lesen mit Suchaufgaben ausfindig gemacht werden können. Was ist etwa der einzige Staat der Welt, in dem keine Hühner leben? Und auf welchem Erdteil sind keine Hühner erlaubt?

SPRECHEN – in der Vielfalt der präsentierten Fakten bieten sich auch einige als Gesprächsanlässe an. Mögliche Fragen können dabei z.B. sein: Welche der porträtierten Hühner-Rassen gefällt mir besonders gut? Was ist mein liebstes Hühnergericht? Wer kann das Krähen des Hahnes auf Isländisch oder Nepalesisch besonders gut nachahmen?

TUN – bereits im Vorwort wird die grundlegende Botschaft formuliert: Das Huhn ist ein wunderbares Tier, das dem Menschen schon jahrhundertelang Gesellschaft leistet und in unterschiedlichen Formen als Nutztier dient. Die Beschäftigung damit kann natürlich zum Anlass genommen werden, das eigene Konsumverhalten von Hühnern und Eier zu reflektieren. So kann z.B. beim Einkauf im Supermarkt verglichen werden: welche unterschiedlichen Arten von Hühnerhaltung stehen hinter den verschiedenen Eierpackungen (Legehaltung, Wanderhuhn, Bio ...) und welche Auswirkungen hat das auf den Preis? Welche Aspekte bringt eine vegane Lebensweise mit sich und wäre das für mich eine Option?

Kathrin Wexberg

Die STUBE hat sich mit literarischen Hühnern bereits sehr umfangreich auseinandergesetzt, nachzulesen in der entsprechenden >>> Themenliste

 


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