Beltz&Gelberg 2026.
62 S.

Kristina Scharmacher-Schrieber und Stephanie Marian: Hier entsteht die Stadt von Morgen!

Am 4. November 2016 trat das Pariser Klimaabkommen in Kraft, unter anderem mit dem Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Ein Unterfangen, das mit Blick auf aktuelle Entwicklungen, Treibausgase und Emissionen mitunter schwerlich einzuhalten sein wird. Diesem Umstand oder vielmehr Handlungsmöglichkeiten, die im Kleinen umsetzbar sind, widmet sich ein weiterer Band der Beltz&Gelberg-Reihe „Große Themen, einfach erklärt“: in „Hier entsteht die Stadt von Morgen“ werden all jene Aspekte vor den Vorhang geholt, die es für Klimaneutralität brauchen würde. Den erzählerischen Bogen bildet der Weg von den drei Kindern Noah, Sofia und Luca vom klimaneutralen Schulgebäude bis zu einem Straßenfest in der Wohngegend. Entlang dieses Weges werden  unterschiedliche Themen angesprochen, die von regionalen Lebensmitteln über Photovoltaikanlagen bis hin zu (Trink-)Wasseraufbereitung reichen. Der Fokus wird dabei auf bereits etablierte Projekte im gesamten deutschsprachigen Raum gelegt: So kann sich Wien inzwischen zu einem Drittel selbst mit Lebensmitteln versorgen, während es in Hamburg ein Vorzeigeprojekt gibt, wie Grauwasser wieder aufbereitet wird, Basel hingegen hat einen klimafreundlichen Straßenbelag eingeführt. Technische Innovationen aus der Forschung wie wasserspeichernder Asphalt trifft so auf Lebensentscheidungen wie eine vegetarische oder vegane Ernährungsweise und die jeweilige Bedeutung für das Klima. Anschaulich wird das mit konkreten Zahlen verknüpft: Ein Kilo Fleischersatz aus Soja stößt etwa 2,8 kg Treibhausgase aus, während es bei Rindfleisch über 30,5 kg sind. So zeigen wohldosierte Informationshäppchen, was bereits kleine Schritte im individuellen Leben bewirken können.

Die üppigen Illustrationen erzählen einerseits die Geschichte der drei Kinder und ihrer Familien weiter, übernehmen aber zugleich auch die Veranschaulichung von Statistiken oder technischen Abläufen etwa bei der Wärmepumpe. Gekonnt flicht die Autorin immer wieder Fakten ein, die nicht nur informativ, sondern ebenso erstaunlich sind: In London etwa werden bereits über 1000 Haushalte, eine Schule und zwei Freizeitzentren mit U-Bahn-Wärme geheizt.

Es geht also um Energieeffizienz, um Ressourcenschonung und Umdenken. Dabei wird aber auch die gesellschaftliche Dimension nicht außen vorgelassen: Die Klimakrise geht uns nämlich global gesehen alle etwas an und Klimaschutz soll kein Luxus sein – so das Plädoyer. Und das gelingt mit diesem Buch hervorragend, wenn Zug- und Flugreisen, Umweltschutz und Treibhauseffekt oder der Handabdruck, also was wir konkret tun können, dem CO2-Fußabdruck in sachlichem Ton und ansprechenden Illustrationen gegenübergestellt werden. Und so Handlungsmöglichkeiten eröffnet werden, wie das Klimaabkommen – zumindest im Kleinen – doch noch gelingen kann.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – die Kombination aus Sachtexten und kleinen erzählenden Passagen ermöglicht eine Begegnung mit der durchaus komplexen Thematik auf Augenhöhe mit den Leser*innen. Ob als gesamtes Buch oder häppchenweise kann gemeinsam die Vielfalt des Themas erlesen werden.

SPRECHEN – ob Upcycling, Ernährung, Wohnen oder Transport: die vielfältigen Themen ermöglichen jede Menge Gesprächsanlässe, über die diskutiert werden kann. Die Lebensrealität von Kindern kann so mit jener im Buch in Verbindung gebracht werden.

TUN – Handlungsmöglichkeiten werden im Text immer wieder angesprochen. So kann vermeintlicher Müll zum Upcycling verwendet werden: Aus einem leeren Milchkarton wird z. B. ein Vogelhäuschen oder aus einer leeren Konservendose kann ein Insektenhotel entstehen. Zugleich werden immer wieder ressourcenschonende Aspekte angesprochen: Mit Kindern kann man eventuell auch in ein Second Hand Geschäft gehen, um zu zeigen, was man dort alles kaufen kann.

Alexandra Hofer

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