MINT-Buch im Juni 2026

Text, Illustration und Design Wolfgang Hartl / Mia Kirsch / Erika Friedl.
Edition 5Haus 2026.
112 S.
ASAGAN – WILDE NATUR-Geschichte(n)
Struthi. Das ist die Kurzform von Struthiosaurus austriacus und so von jenem Saurier, den Leah und Tschudi in „Zeitreise ins Dinoland“ finden. Oder vielmehr das Ei davon, das nach einer kurzen Reise Risse bekommt und schlüpft.
In einer anderen Zeit, an einem anderen Ort ist ASAGAN zehn Jahre alt geworden und hat mit ASAGAN – Wilde Natur-Geschichte(n) den inzwischen zehnten Band vorgelegt, der sich mit der Welt rund um den Naturpark Hohe Wand in den Gutensteiner Alpen in Niederösterreich beschäftigt. Dort findet man nicht nur Struthi, sondern einmal mehr Hanna, die mit ihrem Drachen einen Brand löscht, der zuvor ein Gewitter gerochen hat. Da sind aber auch Nanu und Nuna, die beiden Schwestern, die für sich und abseits der Stadt samt Lichtverschmutzung die Sternbilder ergründen. Maxi ist (nachdem er in Wiener Neustadt war), inzwischen mit einem fliegenden Hasen unterwegs und ist bei der besten Fern-Seh-Show dabei, während mithilfe eines Zeitreiseportals ebenjener Struthi kennengelernt wird. Mia Kirsch aka Magda Hassan und Wolfgang Hartl erzählen acht Sagen, spielt gekonnt mit etablierten Märchen- und Sagenelementen, verortet ihre Texte aber neu und immer auch ein Stück weit in der Lebensrealität kindlicher Leser*innen. Ganz dieser Lebensrealität entsprechend ist stets der wahre Kern, der einer jeden Sage innewohnt. So sind es hier vor allem auch Naturerscheinungen, die den Einzelgeschichten eingeschrieben und auch in der bildlichen Ausgestaltung weitergeführt werden: Der Steinbock etwa braucht ein gegenüber, auch wenn dieses allzu oft Kein Bock! auszurufen weiß. Ebenjener oder doch ein ganz anderer Steinbock findet sich als Wintersternbild am Himmel, während die Weinbergschnecke in Schneckentempo mit Schneckenpost, dafür aber im Comicstil über die Seiten kriecht, um Teile der Donaupiraten eine Nachricht von Pia, die aus der Wachau zurückgekehrt ist, zu überbringen.
Das Erfolgskonzept überzeugt auch nach 10 Jahren und 10 Büchern immer noch: aufwändig bearbeitete Stiche, die von Wolfgang Hartl gesammelt und aufbereitet werden, finden zu einem immer wiederkehrenden ASAGAN Figurenensemble, das er mit Erika Friedl inszeniert und zu Ideen von Mia Kirsch, mit der er bestehenden Sagenstoff sammelt, adaptiert und neue Geschichten erzählt.
Beim genauen Betrachten der Bilder zeigt sich nicht nur das raffinierte ineinander weben von alten Stichen und digitalen Elementen, sondern es offenbart sich ein eingeschriebener Sachbuchcharakter, der sich dem MINT-Bereich widmet: Der Hase, der mit Maxi eben noch über die Hohe Wand geflogen ist, übt sich später in der mathematischen Berechnung von Bienenwaben; Kräuter und Beeren am Wegrand, die illustratorisch eingearbeitet werden, helfen währenddessen dem Lama Klara, die sich das Bein verletzt hat. So wird Natur-Wissen-Schaft Teil der Erzählwelt, die zwischen Fakt und Fiktion, Bekanntem und Neuen sowie Volkswissen und Wissenschaft changiert – dabei aber immer den Lebensraum der Hohen Wand im Blick behält. Die Schnecke, das Mufflon, das Ziesel, der Drache, die Fledermaus, der Struthi. Das sind alles Tiere, die auf der hohen Wand zu besuchen sind. Oder?
Der Himmelschlüssel, der Weißdorn, der Wiesenbocksbart, der Fingerhut. Das wiederum sind alles Pflanzen, die man zwischen den Buchdeckeln und abseits davon tatsächlich finden, sammeln und verwenden kann. Wie genau? Das erfahren Leser*innen im sogenannten ASAGAN-Wissensschatz, der allen ASAGAN Büchern angehängt ist. So auch hier: Pro Geschichte widmet sich je eine Seite wissenswerten Fakten rund um den Text. Ob (Weit-)Wandern, Lichtverschmutzung, Friedrich Gauermann oder die 1. Feuerwehr in Österreich. Der Wissensschatz ist ebenso breit aufgestellt wie die Themen der Geschichten und ermöglicht ein ganzheitliches Erfahren der WILDE NATUR-Geschichte(n) zwischen Sage und Realität. Auf jeden Fall aber mit jeder Menge Genuss am Gesamtkunstwerk Buch!
LESEN – SPRECHEN – TUN
LESEN – Ob als Einzelsagen und oder in seiner Gesamtheit. Die Text von Mia Kirsch und Wolfgang Hartl laden dazu ein, das Genre der Sage neu zu entdecken.
SPRECHEN – Jeder Sage wohnt ein wahrer Kern inne – so heißt es. Im gemeinsamen Gespräch nach der Lektüre kann bei jedem Text dem wahren Kern in der Geschichte nachgegangen werden. Was ist der wahre Kern? Was könnte man nachprüfen? Was ist frei erfunden? Gesprächsanlässe bieten sich hier mehrere an.
TUN – Das ganze Buch lädt dazu ein ins Tun zu kommen; nicht zuletzt aufgrund der Installationen von ASAGAN im Naturpark Hohe Wand. Aber auch abseits davon bietet das Buch vielfältige Handlungsmöglichkeiten: In der Geschichte „Maxi und der fliegende Hase“ etwa erhebt sich das Nagetier mit einer Flügelkonstruktion in die Lüfte. Das Fliegen ist wahrscheinlich nicht überall möglich; stattdessen können Papierflieger oder anderen Fluggeräte nach Wahl gebastelt werden. Bei einem anschließendem Wettfliegen kann so das beste Fluggerät gekürt werden.
Alexandra Hofer
In die Welt von ASAGAN entführt außerdem das druckfrische Heft in der Reihe „Literatur & Lektüre“, das ab sofort bestellt werden kann. Literaturwissenschaftliche Einordnungen treffen auf didaktische Impulse >>> hier finden Sie alle Informationen.
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