Aus d. Engl. v. Stephanie Menge.
Sauerländer 2022.
40 S.

Wo ist die Dunkelheit?
Dort, wo es Nacht ist, wo Kojoten
heulen, Eulen jagen und Vögel
über Kontinente fliegen, wo Füchse
lautlos schleichen und Käfer
ihr Geheimnis lüften?

Themen unserer Zeit wie Umweltverschmutzung oder die zu Ende gehenden Ressourcen des Planeten Erde finden (vor allem im Sachbuchbereich) vermehrt Einzug in aktuelle Kinder- und Jugendliteratur. Die Beeinträchtigung von Licht und die Frage danach, wohin die Dunkelheit verschwunden ist, wird hingegen bis dato weniger beachtet. Ein Umstand, der im erzählenden Bilderbuch „Licht aus, sagt der kleine Fuchs“ ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wird: Denn der Fuchs kann in seinem Bau, der am Rande einer Metropole liegt, aufgrund der städtischen Lichter nicht schlafen. Grund genug, um sich mit einem Käfer, der von einem vergleichbaren Schicksal geplagt wird, auf den Weg zu machen, um die Dunkelheit wiederzufinden. Auf diesem treffen die beiden auf die unterschiedlichsten Tiere, die ebenso mit der permanenten Helligkeit zu kämpfen haben: Da ist der Bär, der nicht in den Winterschlaf findet, der Singvogel, dem die Orientierung durch die Sterne fehlt, oder die frisch geschlüpften Schildkröten, die durch das künstliche Licht umgepolt werden und somit den Weg ins Wasser nicht finden.

Aber überall – Lichter!

Das ist jener repetitive, vorwurfsvoll konnotierte Satz, der nach dem Anwachsen der Reisegruppe vorangestellt wird und die immer größer werdende Tierschar auf ihre Suche nach der für den natürlichen Biorhythmus so dringend benötigte Dunkelheit begleitet.

Die kurzen, frei in den Bildraum gesetzten Textpassagen werden durch die Doppelseiten füllenden und über den Bildrand hinauslaufenden Illustrationen aus- und weitererzählt. Dominiert werden diese durch weiße, künstliche Leuchtquellen, die durch ausufernde Lichtkegel die Problematik der Lichtverschmutzung hervorheben. In Kontrast dazu stehen natürliche Lichtquellen, wie Glühwürmchen oder Mond und Gestirne. Gekonnt finden so faktenbasierte Gegebenheiten aus der Wissenschaft Einzug in die fiktive Geschichte, die in diesem Sinne nicht „nur“ als reines Bilderbuch gelesen werden muss.

Das leicht romantisiert anmutenden Ende, in dem die Tiere über den Wasserweg zu einer einsamen Insel aufbrechen, verdeutlicht bei genauerer Auseinandersetzung umso eindringlicher, dass das Verlassen des Lebensraumes für viele Lebewesen mitunter die einzige verbleibende Möglichkeit zu sein scheint. Gleichzeitig könnte die Insel aber auch als ein Lichtschutzgebiet – im deutschsprachigen Raum auch „Sternenpark“ genannt – verstanden werden: In solchen Gebieten wird die nächtliche Dunkelheit als Schutzgut betrachtet, weswegen elektrisches Licht auf ein Minimum reduziert wird.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Gemeinsam oder alleine, finden sich in diesem Bilderbuch Fakten über den Stromverbrauch der Menschen, die dauerhafte Bestrahlung durch künstliches Licht und das Verhalten von verschiedenen Tieren. In einem ersten Schritt können Text und Bild für sich alleine stehen.

SPRECHEN ­– Die Lektüre bietet verschiedene Denkanstöße und Ebenen, über die mit Kindern gesprochen werden kann. Einerseits das Leben von unterschiedlichen Tieren, die durch die Lichtverschmutzung zunehmend bedroht sind. Hier könnte man Parallelen zu jenen Haustieren finden, die auch nachtaktiv sind. Oder aber man wirft den Blick auf den Aspekt der Lichtverschmutzung selbst: Im Gespräch könnte reflektiert werden, wie es um den eigenen Stromverbrauch steht. Stromverschwendung respektive Energieeffizienz sind dabei Begleitthemen, die sich auch in diesem Bilderbuch finden und über die immer und überall gesprochen werden kann.

TUN – Auch in Österreich, Deutschland und der Schweiz finden sich Lichtschutzparks. Einem solchen könnte man einen Besuch abstatten, nachdem mit Kindern erarbeitet wurde, was man selbst gegen die Lichtverschmutzung tun kann.
Mit Blick auf die behandelten Probleme im Bilderbuch könnten auch einzelne Aspekte, wie die Navigation durch Sterne beim Zugvogel, herausgegriffen und näher betrachtet werden, indem man eine Recherche startet oder ganz grundlegend versucht, die angesprochenen Probleme mit Fakten zu belegen.

Alexandra Hofer