Tyrolia 2021.
€ 21,95.

Melanie Laibl und Lukas Vogl: Schau wie schlau

Alles, was Flügel hat fliegt. Der Vogel? Fliegt. Das Flugzeug? Fliegt auch. Dass es zwischen diesen beiden Flugobjekten eine bionische Verbindung gibt, das kann man in diesem wunderbaren Sachbuch erfahren. Zunächst aber die entscheidende Frage: Was ist Bio-nik überhaupt? Hier hilft – wie so oft – die Arbeit am Wort, denn hinter diesem überaus wissenschaftlich klingenden Wort verstecken sich die beiden Disziplinen Bio-logie und Tech-nik. Zusammengezogen ergibt sich daraus jene Wissenschaft, die erforscht, was man aus den Wundern der Natur lernen kann, um sich für die Konstruktion neuer technischer Wunder inspirieren zu lassen.

In einem harmonischen Zusammenspiel aus Bild und Text stellt dieses Sachbilderbuch zahlreichen Fragen nach den kuriosesten Zusammenhängen: Was haben Pinguine und Raketen gemeinsam? Inwiefern konnten achtbeinige Insekten als Vorbild technischer Errungenschaften dienen? Und welchen Zusammenhang gibt es zwischen einer Seerose und dem Wiener Palmenhaus? Mit humorvollen Texten, in denen die kuriosesten Fakten berichtet werden, nähern sich Autorin und Illustrator spielend leicht diesem spannenden Thema an. Einzug finden dabei auch verschiedene Textformen: Gespielt wird mit Sprache in kleinen lyrischen Abschnitten oder witzigen Wortdrehereien. Beeindruckend sind dabei immer auch die illustratorischen Details, die auf jeder Doppelseite zu entdecken sind: Da krabbelt beispielsweise auf jener Doppelseite, die sich den achtbeinigen Superheldinnen (alias Spinnenwesen) widmet, der Text den Bildrand entlang.

In vier Kapiteln wird der Bogen von Tieren als bionischen Vorbildern über Pflanzen, Kristalle und schließlich den Menschen als Vorbild für die Wunder der Technik gespannt. Wissens- wie Staunenswertes wird dabei humorvoll verhandelt: Berichtet wird von einer Roboterdame, die 60 Gesichtsausdrücke dechiffrieren kann und in Saudi-Arabien bereits die Staatsbürgerschaft verliehen bekam, weil sie so menschenähnlich ist. Es werden aber ebenso medizinisch-technischen Errungenschaften wie Arm- und Beinprothesen aufgegriffen, die den Alltag vieler Menschen erleichtern. Schau wie schlau lautet dabei das titelgebende Motto. Und geschaut werden kann viel in diesem stimmigen Sachbuch: Der Blick fällt auf Kurioses wie Suspektes, Neues wie Altbekanntes, Lustiges wie zum Nachdenken Anregendes. Und am Ende fällt der Blick sogar in die Sterne, wenn auf dem Nachsatzpapier vor einem mystisch-violettem Sternenhimmel mögliche bionische Errungenschaften der Zukunft abzulesen sind. Fazit: Ein Sachbuch, das auf jeden Fall einen Blick wert ist – und zwar einen sehr ausgiebigen.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Ob allein, zu zweit oder zu mehrt: Über Kurioses und Suspektes lässt es sich mit viel Interesse schmökern. In „Schau wie schlau sind komplexe Zusammenhänge verständlich und humorvoll aufbereitet und machen Lust, ganz in der Lektüre über die Zusammenhänge zwischen Natur und Technik zu versinken.

SPRECHEN – Kuriose Fakten laden natürlich dazu ein, sich ausgiebig darüber auszutauschen. Was könnte nicht alles als Vorbild für technische Wunderdinge dienen? Und welche technischen Hilfsmittel aus dem Alltag könnten von den vielzitierten Wundern der Natur inspiriert sein?

TUN – Wem das Lesen nicht genug ist, kann sich mit diesem Sachbilderbuch bewaffnet auf die Reise durch die eigene Alltagswelt begeben: Wo finden sich Gegenstände und Werkzeuge, Geräte und Hilfsmittel, die von tierischen, pflanzlichen oder menschlichen Vorbildern beeinflusst sein können?

Julia Lückl


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