Atrium 2026.
96 S.

Michael Augustin, Uwe-Michael Gutzschhahn, Mona Harry, Nils Mohl, Lena Raubaum, Arne Rautenberg, Manfred Schlüter, illustriert von Henrike Wilson: Gedi, Geda, Gedichte

Heuer wäre der Kinderbuchautor James Krüss 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass fand im Mai letzten Jahres ein fünftägiges Dichter*innentreffen auf Krüss‘ geliebter Heimatinsel Helgoland statt. Sieben Lyriker*innen sind dort zusammengekommen, um in Andenken an Krüss Gedichte, inspiriert sowohl von dessen Werk als auch den Menschen, Tieren und der Landschaft der Insel, zu verfassen. Daraus ist dann die vorliegende Gedichtsammlung entstanden.

James Krüss liebte Sprache und vor allem mit dieser zu spielen. Dies wird immer wieder in dem von ihm inspirierten Gedichtband deutlich. Wortspiele und Sprachwitz lassen sich in vielen der Gedichte finden, wie etwa dem Einsatz von Homonymen und Homophonen in Nils Mohls Gedicht „Alles war normal“:

dann rochen
die rochen
nach pfefferminz

dann blühten
die blüten
grau statt weiß
(S. 34)

Eine weitere eindeutige Krüss-Anspielung lässt sich in Lena Raubaums Gedicht „Lieselotte Hafenfähre“ erkennen, das vermutlich von Krüss bekanntem Bilderbuch Henriette Bimmelbahn (1957) inspiriert ist. Neben der Wahl eines Fortbewegungsmittels als Protagonistin, nimmt das in Quartetten verfasste Gedicht auch auf Krüss Bezug, indem es ihn gegen Ende selbst als Passagier der Fähre in das Gedicht einbaut und explizit auf seine Rolle als Dichter verweist:

Lieber James hast du schon wieder
deinen Ausstieg heut verpasst
weil du wieder in dein Büchlein
ein Gedicht geschrieben hast?!
(S. 15)

Außerdem ist Krüss für das Genre des ABC-Gedichtes bekannt. Darum widmeten ihm drei der Lyriker*innen jeweils ein ABC-Gedicht. In diesen holen sie spielerisch die Buchstaben des Alphabets vor den Vorhang („Vorhang auf!“ von Manfred Schlüter), bringen sie mit verschiedensten Tieren in Beziehung („Tier-ABC“ von Uwe-Michael Gutzschhahn) oder treten mit ihnen eine geografische Reise an („ABC-Gedicht beim Globusdrehen“ von Lena Raubaum).

Über den gesamten Gedichtband hinweg werden die Bezüge zu Krüss vor allem durch die zahlreichen Verweise auf die Insel Helgoland deutlich, die laut Krüss eigenen Aussagen einen prägenden Stellenwert in seinem Leben eingenommen hat. Gedichte wie etwa „Basstölpel-Song“ von Uwe-Michael Gutzschhahn, „Wellental“ von Mona Harry über die vielfältige Fischwelt der Insel oder „War ein Wal vor Helgoland“ von Arne Rautenberg sind inspiriert von den auf der Insel lebenden Tieren. Zudem wird auf die Topographie der Insel verwiesen, wie etwa auf die Hummerklippen in Rautenbergs Gedicht „Die Hummernummer ist eine Kummernummer“, die wiederum einen Verweis auf Krüss‘ erstes Kinderbuch Der Leuchtturm auf den Hummerklippen darstellen. Der Name der Insel wird ebenso in das Sprachspiel der Gedichte eingewoben in Rautenbergs „In Helgaland“ und die Stimmung auf der Insel in Gedichten wie „Helgoländer Sonnenuntergang“ von Michael Augustin eingefangen. Den sieben Lyriker*innen ist mit diesem Gedichtband eine vielseitige Sammlung voller Sprachwitz und Krüss-Verweisen gelungen, die Krüss‘ literarisches Erbe auf kreative Art und Weise neu interpretieren, aber auch für sich allein lesenswert sind.

Die facettenreiche und vielstimmige Annäherung an das Werk von James Krüss zeigt sich auch in den Illustrationen von  Henrike Wilson, die nicht nur den Leuchtturm Helgolands gekonnt in Szene setzt, sondern die feinen maritimen Nuancen herausarbeiten – mit jeder Menge Möwen, Klippen, Dünen und Getier, das auf Helgoland heimisch ist oder eben auch nicht. Bildlich wie lyrisch eine Sammlung für Klein und Groß, wie es auch im Untertitel dieser Anthologie heißt.

Claudia Gschwendt

 

 

 

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