Ausgewählt und hg. v. der Internationalen Jugendbibliothek
Moritz 2023.
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Kinder Kalender 2024

Lyrik kann viele Formen haben. Viele davon hielten dieses Jahr Einzug in den monatlichen Lyriktipp. Und mit dem dieses Jahr beschließenden und uns in der STUBE das kommende begleitenden soll diese Formelvielfalt noch einmal um ein Stück erweitert werden.

Der Kinder Kalender. Ein recht unscheinbarer Name für das Projekt, das jährlich von der Internationalen Jugendbibliothek in München realisiert wird. Für den Kinder Kalender wählt das Team 53 Gedichte aus der Fülle an Kinderlyrik aus und trägt so ein regelrechtes Kaleidoskop an Gedichten und Bildern zusammen. Im Begleittext für das Jahr 2024 heißt es:

Überbordend Fantasievolles: Nicht nur eine bemerkenswerte Ameise, sondern etwa auch eine anmutig tanzende Banane, eine als Huhn verkleidete diebische Elster aus Prag, eine Scholle im schicken Birkenfrack und vieles mehr.

Und genau dieses vieles mehr macht diesen Kalender so besonders: Woche für Woche entfaltete sich großformatig Raum für ein Gedicht, das zumeist in zwei Sprachen (sofern Deutsch nicht die Ausgangssprache ist) daherkommt. Und es zeigt sich in der Wahl der Gedichte bereits die Vielfalt, die das lyrische Feld zu bieten hat auf unterschiedliche Weise. Zugleich zeigt dieser Kalender aber auch auf wunderbare und niederschwellige Weise, was es heißt, Grenzen zu sprengen und Annäherung zu ermöglichen: Die Sprachen bleiben dabei nicht etwa bei schulisch vermittelten stehen, sondern Grenzen werden versetzt, verschoben und aufgelöst. Verschiedene Schriftsysteme werden durch die Übersetzung lesbar gemacht, der Klang einer womöglich gänzlich fremden Sprache kann vielleicht erahnt werden. Dadurch wird auch die Stimmung unterschiedlicher Kulturen eingefangen, die auch in den Illustrationen, die aus diversen Federn stammen, spürbar werden. Kräftige Pinselstriche finden zu feinen Buntstiftlinien, flächige Illustrationen mit gewaltiger Tiefe zu auf dem Computer modellierten Bildern. Dieserart zeigt sich die Vielgestaltigkeit von Kunst, von Lyrik und von der Welt, in der wir leben.

Jede Woche bietet der Kalender aufs Neue eine Einladung, lustvoll gemeinsam zu lesen und erleben, lyrische Welten kennenzulernen und den unterschiedlichen Stimmungen nachzuspüren. So steht beispielsweise ein schwedisches Gedicht von Lotta Olsson in seiner Deutschen Übersetzung …

Da rinnt eine Tränke
Da durftet Gebäck
Da fährt ein Dampfer
Da taucht ein Hai weg

… neben einem Zweizeiler von Philip Waechter …

Sind beim Melken kalt die Finger,
wird die Kuh zum Stabhochspringer.

… und eröffnet die Bandbreite von Lyrik, die hier in Form von 53 Gedichte in 30 Sprachen aus 38 Ländern zusammengetragen wurde. Die Bücher, aus denen die Gedichte stammen, werden im Anschluss an die 53 Kalenderblätter aufgelistet und laden ein, zum einen oder anderen Lyrikband – sei es in der Übersetzung oder im Originalton – zu greifen.

Alexandra Hofer


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