leykam 2023.
215 S.

Andrea Grill und Sandra Neuditschko: Bio-Diversi-Was?

Hippocampus hippocampus, Saftkugler, Wald-Haarmützenmoos – man würde es (vor allem bei den beiden erstgenannten Begriffen) vielleicht nicht vermuten, aber hinter diesen drei Namen verstecken sich drei Lebewesen, die drei Gemeinsamkeiten teilen: 1. Sie sind alle in Mitteleuropa zu finden; 2. Sie sind der Allgemeinheit wohl weitgehend unbekannt; 3. Sie finden sich in dem neuen Sachbilderbuch „Bio-Diversi-Was“ von Andrea Grill und Sandra Neuditschko, das in Kooperation mit dem WWF entstanden ist.
In sieben Kapiteln wird hier über etwa 70 kuriose, teils bekannte, teils wohl den meisten unbekannte Lebewesen erzählt, die nach ihrem Lebensraum sortiert werden: Als Leser*in folgt man also zunächst einem Tauchgang ins Meer (Kap. 1), geht auf Wiesensafari (Kap. 2), betrachtet die Haut der Erde (Kap. 3), taucht ein in Fluss und See (Kap. 4 & 5) und wandert schließlich durch Wald und Gebirge (Kap. 6 & 7). Begleitet wird man dabei – im übertragenen Sinne – von einem ganz besonderen Erzähler, der schon im Vorwort eingeführt wird: einem Roboter, der alle Tier- und Pflanzensprachen versteht und so zum (sprachlichen) Bindeglied und Übersetzer zwischen Leser*innen und den unbekannten Lebewesen wird, die Doppelseite für Doppelseite nicht nur vorgestellt werden, sondern sogar selbst zu Wort kommen.

Darin liegt auch die Besonderheit dieses Sachbilderbuchs: Nicht aus einer nüchternen auktorialen Perspektive wird hier von Biodiversität erzählt, sondern die Tiere und Pflanzen werden in lockerer Interview-Form direkt befragt. Im Dialog, aber auch in witzigen Steckbriefen stellen sie sich immer wieder selbst vor; wissenswerte Fakten werden so locker und ansprechend vermittelt. Eine zentrale Rolle spielen dabei auch die farbenfrohen Illustrationen von Sandra Neuditschko, die der inhaltlich thematisierten Artenvielfalt eine angemessene Farbenvielfalt zur Seite stellen und auch weitgehend unbekannten Lebewesen – dem Hippocampus hippocampus, dem Saftkugler und dem Wald-Haarmützenmoos – Gestalt verleihen.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Die Interview-Form ermöglicht eine besondere Lektüreform: Die Texte können auch dialogisch (vor-)gelesen werden, was den Lesespaß (vor allem, da die Tiere mitunter Jugendsprache verwenden) zusätzlich steigern kann.

SPRECHEN – Das Stichwort „Biodiversität“ scheint aktuell in aller Munde – und so bietet dieses Sachbilderbuch einen idealen Ausgangspunkt um über Artenschutz und Vielfalt zu diskutieren. Dazu regt auch das Buch selbst an: Immer wieder finden sich Rate- und Schätzfragen, die sich wunderbar als Einstiegsfragen für die Anschlusskommunikation eignen.

TUN – Wer die Vielfalt der Arten kennenlernt und um ihre Bedrohtheit weiß, wird vielleicht auch den Wunsch verspüren, sich aktiv für die Biodiversität einzusetzen. Hierzu sind am Ende des Buches einige weiterführende Hinweise auf WWF-Projekte zu finden, in denen sich auch Kinder – in Österreich, Deutschland und der Schweiz – engagieren können.

Wer mehr über literarische Artenvielfalt wissen möchte, wird übrigens auch in den zahlreichen Themenlisten der STUBE fündig – etwa bei den >>> Bienen, den >>> Füchsen oder im >>> Wald.

Julia Lückl

 


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