Tagungsbericht
Topographien der Kindheit
Orte und Räume in Kinder- und Jugendliteratur und Medien



Caroline Roeder
Neben dem SIKJM und der Universität Zürich war auch die STUBE Kooperationspartnerin der Tagung und gestaltete die Einführung zur Fortbildung "Himmel & Hölle. Planquadrate des kindlichen Raumes", die gekoppelt an das Symposium stattfand. Einen Bericht dazu finden Sie >>> hier
Die Konzeption der Tagung fokussierte auf 7 Schnittstellen, an denen 17 Fachbeiträge und ein umfassendes Rahmenprogramm angelegt waren: von der Vermessung und Ordnungs-Systemen der Kindheit, über ihre Transiträume und Landschaften, bis zu ihrer Poetik, ihren Frei-Räumen und Imaginationswelten und Klang-Räumen.
Den Vorspann gestaltete das Forum des wissenschaftlichen Nachwuchs: Unter dem Titel "Spielwiese" waren 9 Nachwuchswissenschaftler*innen, unter anderem Peter Rinnerthaler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der STUBE eingeladen, ihre Forschungsvorhaben rund um Räume der Kindheit und Jugend vorzustellen, zu diskutieren und einen gemeinsamen Beitrag für die Tagung zu erarbeiten.

Der wissenschaftliche Nachwuchs, rechts: Peter Rinnerthaler.
Nach der Begrüßung durch Martin Fix (Rektor der PH Ludwigsburg), Caroline Roeder und Ingrid Tomkowiak (Kooperationspartnerin - SIKJM und Universität Zürich) widmeten sich die beiden Eröffnungsvorträge von Burkhardt Lindner und Carsten Gansel dem Thema erinnerte Kindheit.
Diesen Gedanken nahmen Studierende des Faches Kunst unter der Leitung von Hubert Sowa auf und führten die Tagungsteilnehmer*innen, ausgrüstet mit entsprechender Wegzehrung und Ausflugszubehör auf einen Parcours durch Kindheitserinnerungen: Die äußerst gelungene Wanderperformance führte zum Ententeich, zur Eisdiele, ins Kinderzimmer, zur Kugelrinne und vollzog dabei ganz praktisch, was in vielen Beiträgen des Tagung zur Sprache kam: die Imagination von Kindheit und ihre entsprechende Verräumlichung.
Raumerkundungen an der PH Ludwigsburg.
Gabriele von Glasenapp eröffnete den Freitag mit einer Untersuchung sogenannter Moratorien in Verbindung zu Topographien der (utopischen) Ferne, wie Inseln oder "Nicht-Orten".
Ihr folgte Daniela Schmeinck, die die kindliche Raumerfahrung untersuchte: Im Mittelpunkt ihres Beitrags standen die bei Grundschulkindern vorhandenen subjektiven Vorstellungen und Vorerfahrungen zu verschiedenen direkt erfahrbaren und nur mittelbar wahrnehmbaren Räumen.
Den Blick auf die Adoleszenzliteratur richtete Toni Tholen, der den Begriff der Dystopie neu verortete und Genderaspekte in entsprechenden Texten untersuchte.
Barbara Piatti stellte ihr vielbeachtetes und innovatives Projekt zur Literaturgeographie vor, war damit gleichzeitig Bezugspunkt vieler anderer Beiträge und bezog sich umgekehrt auf viele Thesen anderer Vortragender.
Gundel Mattenklott widmete sich in ihrem Vortrag am Samstag Spielräumen und Raumspielen und entwarf die These, dass bespielte Imaginationsräume nicht nur Stoff für träumerische Weltentwürfe bieten, sondern der Entwurf solcher Phantasieräume auch eine Vorstufe zu Autorenschaft darstellen kann.
Einen ganz konkreten (imaginierten) Raum (der Kindheit) untersuchte Ute Dettmar mit der kinderliterarischen Besetzung des Schlaraffenlandes - sowohl in historischer Dimension, als auch in gegenwärtigen Projektionen des Überflusses.
Die Leiterin der STUBE, Heidi Lexe, schloss daran an und analysierte das Kinderzimmer als spezifischen kinder- und jugendliterarischen Raum, der immer eng an Familienverbände gebunden ist und durch die unterschiedliche Gestaltung von Fenster und Tür dennoch durchlässig nach draußen bleibt.
>>> Literaturliste

Heidi Lexe, Ute Dettmar, Gundel Mattenklott und Caroline Roeder (im Uhrzeigersinn)
Das kulturelle Rahmenprogramm der Tagung war ebenso vielfältig: Mit "Heimweh nach dem Traurigsein" betitelte Autorin Jenny Erpenbeck ihren Poetik-Vortrag und las einen exklusiven Text über die Kindheit im Unfertigen.
Autor Peter Bichsel lockte am Samstag eine großes Publikum in das Deutsche Literaturarchiv Marbach. Christine Tresch moderierte seine Lesung und bot im Anschluss die Möglichkeit, Aspekte des Tagungsthemas mit Peter Bichsel zu diskutieren.

links: Peter Bichsel und Fan. rechts: Jenny Erpenbeck.
Den wunderbaren Abschluss des Symposiums bildete eine weitere Performance von Studierenden, diesmal des Faches Musik unter der Leitung von Robert Lang. Die Gruppe inszenierte Schallräume der Vergangenheit und ließ eine kindliche Nachterfahrung in fünf verschiedenen musikalischen und theatralen Versionen durchleben.

