MINT-Buch im Sommer 2022

Kleine Gestalten 2022.
64 S.
Soledad Romero und Julio Antonio Blasco: Die berühmtesten Diebstähle der Welt
Auch wenn gegenwärtig wohl mehr Krisenhaft-Besorgniserregendes in den Zeitungen zu lesen ist, so ist und war dieses Medium auch immer dafür bekannt, Kurioses zu berichten und dabei die Balance zwischen informativ-nüchtern und spektakulär-spannend zu halten. Kein Wunder also, dass das wunderbare Sachbilderbuch von Soledad Romero Marino und Julio Antonio Blasco sich des Zeitungs-Sujets bedient, wenn es um die titelgebenden berühmtesten Diebstähle der Welt geht: Le Grand Parisien steht etwa groß gedruckt über dem ersten Kapitel, in dem über den spektakulären Diebstahl der Mona Lisa berichtet wird. Der Beitrag ist inszeniert als Original-Zeitungsbeitrag, datiert auf den 21. August 1911 – jener Tag, an dem Vincenzo Perrugia die Mona Lisa unbemerkt aus dem Louvre trug. Aber wie war das möglich? Schritt für Schritt werden Planung, Durchführung und Ausgang des Diebstahls erläutert und dabei allerlei kuriose Fakten über den Raub angeführt: So wurde das Verschwinden der Mona Lisa beispielsweise erst am Folgetag bemerkt (das Kunstwerk war damals aber auch noch nicht so bekannt, wie sie es heute ist) und lange Zeit wurde der Maler Pablo Picasso von der Polizei als Hauptverdächtiger geführt. Geschnappt wurde Perrugia schließlich trotzdem – wobei er sich gut um das Gemälde gekümmerte hatte, was ihm vor Gericht als mildernde Umstände ausgelegt wurde (er musste nur ein Jahr und fünfzehn Tage ins Gefängnis!).
Der Raub der Mona Lisa ist freilich nur einer von neun kuriosen Diebstählen, die ihre Spuren in der Weltgeschichte hinterlassen haben. Die gestohlenen Gegenstände variieren dabei in Größe und Wert: Das Spektrum reicht von dem Raub (oder besser: der Entführung) einer Boeing 727 im Jahr 1971 bis zu einer Bande, die sich über das Kanalisationsnetz in den Tresorraum einer französischen Bank grub, die Tresore leerte und dort die Botschaft „Keine Waffen, keine Gewalt, kein Hass“ an den Wänden hinterließ. Geschnappt wurde übrigens weder der Flugzeugentführer, der durch einen Fallschirmsprung aus dem entführten Flugzeug entkam, noch die Bande, die den Tresorraum leerte …
Fazit: Ein kurioser Lesegenuss, der nicht nur durch die Originalität der berichteten Diebstähle, sondern auch durch seine ästhetische Seitengestaltung in matten Farben und Zeitungsstil besticht. „Die berühmtesten Diebstähle der Welt“ sind dabei wohl der Kategorie des Fun-Fact-Wissens zuzuordnen. Wer also mit kuriosem Fachwissen punkten möchte, sollte auf jeden Fall zugreifen.
LESEN – SPRECHEN – TUN
LESEN – „Die berühmtesten Diebstähle der Welt“ laden ein zum Schmökern und Staunen. In (ästhetisch) ansprechender Form werden Kuriositäten berichtet, die definitiv lesenswert sind – nicht zuletzt auch, weil man dabei viel über die historischen Hintergründe der Taten lernen kann.
SPRECHEN – Gerade aufgrund der zum Teil überraschenden und unkonventionellen Vorgangsweisen und Abläufe der Diebstähle ergeben sich Diskussionsthemen für eine dem Lesen folgende Anschlusskommunikation: Wie hätte der Diebstahl verhindert werden können? Wäre eine solche Tat auch in der heutigen Zeit möglich?
TUN – Um unterschiedliche Diebstähle durchführen zu können, bedarf es allerhand Technik: Seien es Schlösser, die geknackt oder Alarmanlagen, die ausgeschaltet werden müssen. Aber wir funktioniert das konkret? Gemeinsam kann versucht werden, Schlösser mit unterschiedlichen Methoden, die man zuvor recherchiert hat, zu knacken.
Julia Lückl
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