Lektorix
des Monats
Ein Buchtipp von STUBE, Institut für Jugendliteratur
und DIE FURCHE

Ella Kaspar/Judith Vrba: Urlaub bei Opa oder die spannendsten Ferien überhaupt.
Tyrolia 2026.
Momente fürs ganze Leben
Sommer ist nicht nur die Zeit von Unbeschwertheit und Müßiggang, sondern auch von Herausforderungen, neuen Erfahrungen und Weiterentwicklung. Auch und vor allem für Kinder. Davon erzählt Ella Kaspar, Autorin und Psychologin, in ihrem neuen Roman für Kinder im Volksschulalter, der pünktlich zum Ferienbeginn erschienen ist. Die 8-jährige Ich-Erzählerin Helena und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Nikos sind jeden Sommer bei ihrem geliebten Opa Pappoús in einem kleinen Dorf an der griechischen Küste. Doch diesmal sind die Eltern in der Nähe zu einer Hochzeit eingeladen und möchten dann noch ein paar Tage Erwachsenenurlaub machen, die Kinder bleiben also das erste Mal alleine dort. Was gemischte Gefühle auslöst – bei allen Beteiligten: Der Opa nimmt die neue Verantwortung zunächst durch eine ungewohnte Strenge wahr (nicht auf Bäume klettern! Schwimmen nur mit Schwimmweste?), die Kinder vergessen leider in der Aufregung, dass griechische Abflussrohre nicht für Klopapier geeignet sind und lösen eine veritable Überschwemmung aus. Doch dann spielt sich alles ein und die drei unternehmen jede Menge: Jemistá zubereiten, das dann im Ofen des Bäckers fertig gekocht wird. Mit dem Ruderboot einkaufen fahren. Beim Einschlafen griechische Sagen hören. Trotzdem wird auch der Irritation Raum gegeben, dass Dinge anders sind als gewohnt: Für den Umgang mit streunenden Katzen drückt der Opa den Kindern eine Steinschleuder in die Hand, was Mama und Papa wohl gar nicht gutheißen würden. Besonders charmant aber ist der griechische Akzent des Opas: Liebevoll werden die Kinder in der Früh mit „meine Satzis“ begrüßt und es braucht ein bisschen, bis sie verstehen, was mit der Frage „Wollt ihr cheute fiesen?“ gemeint ist. Als besonderes Projekt dürfen sie sein Holzboot bemalen und sich dafür ihre „Liebelingsfarben“ aussuchen. Gelb und Rot sind auch jene Farben, in denen Illustratorin Judith Vrba ihre Bilder gestaltet, die in einer ungewöhnlichen Technik gearbeitet sind: Auf getupfte, gespritzte und zufällig entstandene Wasserfarbflecken zeichnete sie mit schwarzem Ölstift. Diese Bilder gehen sowohl von der Quantität als auch von der Qualität her weit über jenes schmückende Beiwerk hinaus, wie es sonst in Kinderromanen üblich ist: Eine Doppelseite mit genussvollem Eis essen am Strand wird fast vollständig mit sonnigem Gelb grundiert, eine Szene auf dem Meer mit effektvollem Schwarz. Abgerundet wird das Buch mit einer Übersicht der griechischen Wörter. Und natürlich der Vorfreude auf den nächsten Sommer.
Kathrin Wexberg
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