Britta Teckentrup
Ausstellung in den Büchereien Wien
Britta Teckentrup vor ihren Naturbildern in den Büchereien Wien.
Von Eulen, Füchsen, Bären und Tiger: Eine Werkauswahl von Britta Teckentrups Bilderbuchillustrationen aus dem Verlag arsEdition ist aktuell in den Büchereien Wien zu sehen.
Von 05. Juni bis 27. August 2015 können die digitalen Collagen der Künstlerin in der Hauptbücherei am Gürtel, 1070 Urban-Loritz-Platz 2a, 3. OG im Kirango Kinderplaneten bestaunt werden.
Ein idealer Aufenthaltsort für den Sommer: Denn wenn draußen die 36 Grad Marke überschritten wird, laden Britta Teckentrups Naturbilder im klimatisierten Ambiente ein, alle Jahreszeiten - auch den Winter - zu erkunden. Die Jahreszeiten, so verriet die Künstlerin in einem Interview mit der STUBE sind auch Motto ihres neuesten Bilderbuches, das im September im Verlag arsEdition erscheinen wird: "Baum der Jahreszeiten" ist ein aufwendig hergestelltes Bilderbuch, das die Bewohner*innen eines Baumes im Verlauf von Frühling, Sommer, Herbst und Winter begleitet.
Ein Motiv, das in vielen ihrer Bilderbücher von Bedeutung ist: Der Schauplatz Wald, so Britta Teckentrup, lässt sie nicht los.
Im Gespräch wurde außerdem deutlich, was auch ein Blick auf ihr vielfältiges Werk vermittelt: Das Changieren zwischen freier Kunst und konkreter Bilderbuchillustration ist ein wichtiges Ventil ihrer Arbeit und verbindet sich in ihren Büchern immer stärker. Das Designte, Farbige, Zugängliche brauche eine Ausgleich, so die Künstlerin, und so sind neuere Werke auch zunehmend reduzierter, weniger figural, auf spannende Weise "spröder". So verbindet sich künstlerischer Anspruch mit einer großen Zugänglichkeit.
Beide Arbeitszugänge kombiniert sie zunehmend auch mit einem stärkeren narrativen Moment: Während frühere Bilderbücher oft auf Visualität konzentriert waren (Wimmelbücher, Pappbilderbücher ...) ergänzt Britta Teckentrup ihr Oeuvre heute mit stärker erzählerischen Büchern: Der Baum der Erinnerung etwa, der vom Tod - wieder verortet im Wald - erzählt (siehe unten).
Besonders spannend sind die Erläuterungen der Illustratorin zu ihrer technischen Herangehensweise: Die ganz eigene Ästethik ihrer Bilder nennt sie selbst "digitale Collagen": Unzählige, teilweise bearbeitete Papiere werden eingescannt und am Computer zu jenen unverwechselbaren Figuren zusammengesetzt, die ihr Werk prägen. Das Ausprobieren von Farbe, Form, Größe und Wiederholung, das früher noch mit der Nagelschere vollzogen wurde, kann jetzt am Computer passieren. So entstehen bisweilen sogar ganze Animationen zu ihren Bildern.
Die große Fülle ihres Werkes erklärt die Künstlerin sehr sympathisch: Sie müsse immer wieder neue Bilderbücher machen, weil sie selbst ihre strengste Kritikerin sei.
Wir freuen uns darauf!
Mehr Infos gibt es auf der Homepage der Hauptbücherei.
Werkauswahl:

Britta Teckentrup: Lauf nach Haus, kleine Maus
Wenn es im Wald dunkel wird, der Weg nicht mehr erkennbar ist und es überall gleich aussieht, kann es einen schon mal richtig gruseln. Besonders, wenn man eine kleine Maus ist, die sich hier gar nicht auskennt. Dann schimmern auch noch mysteriöse Augen in der Finsternis und die warnende Stimme im Kopf wird immer lauter: Lauf nach Haus, kleine Maus! Nur selten wagt es ein Pappbilderbuch, schwarz und gruselig zu sein. Dieses aber liebt die großflächigen Schatten der Nacht, den strahlenden Vollmond, die immer gleichen Baumschablonen, zwischen denen die Maus umherirrt, und das Spiel mit den leuchtenden Augen. Immer wieder findet sich die Maus auf pechschwarzen Seiten, die nur durch runde Ausschnitte glimmende Augen freigeben, was neben aller Gänsehaut auch einen spielerischen Aspekt einbringt, denn alle zu erratenden Tiere tauchen auch auf der ersten Seite auf und können bei genauem Hinsehen erkannt werden. Zum Glück führt der Weg der Maus an allen Gefahren vorbei ins sichere Happy End. Ab 2 Jahren
Jacoby&Stuart 2012, 34 S.
Britta Teckentrup: Der Baum der Erinnerung
In ungewöhnlicher Weise beginnt diese Geschichte mit einem Ende: Auf den ersten beiden Doppelseiten wird ein Fuchs vorgestellt, der sich nach einem langen Leben zum Sterben in den winterlichen Wald legt. Die Eule, die ihn beobachtet hat, setzt sich trauernd zu ihrem toten Freund. Sie weiß, dass seine Zeit zu Ende ist. Nach und nach versammeln sich auch die anderen Waldbewohner, betrübt, aber nicht zornig über den Lauf des Lebens. Jeder hat seine Zeit. Sie sitzen zusammen, erinnern sich an den Fuchs und teilen ihre gemeinsamen Erlebnisse. Die verschiedenen Episoden im Leben des Fuchses, der wichtiger Teil so vieler anderer Leben war, werden in Panels erzählt, deren Farbgebung zunächst weit kräftiger ist als die dankbare, aber traurige Gegenwart. Im Frühling aber wächst ein neuer Baum im Wald, dessen Rinde und Blätter die Farbe des Fuchsfells haben … „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“ Diesem Ausspruch von Bertolt Brecht hat Britta Teckentrup ein wunderbares Denkmal gesetzt. Eine zeitlose Auseinandersetzung mit dem Topos Tod, die den tröstlichen Prozess des Erinnerns miteinschließt.
Ab 4 Jahren
ars edition 2013, 24 S.
