STUBE-Freitag: Tagebuch schreiben
Zu Gast: Julya Rabinowich

Julya Rabinowich las aus und sprach über "Dazwischen: Ich".
Heidi Lexe führte das Werkstattgespräch.
Zu für einen STUBE-Freitag ungewohnt später Stunde (die Beginnzeit war dem dichten Terminplan der Autorin geschuldet, die bereits eine Lesung im Rahmen von Leserstimmen absolviert hatte) war Julya Rabinowich zu Gast und eröffnete den Abend mit der Lesung einer Textpassage aus ihrem ersten Jugendroman „Dazwischen: Ich“, der im Mai mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet wird. Im anschließenden Werkstattgespräch mit Heidi Lexe berichtete sie von ihrem Bemühen, eine authentische jugendliche Erzählstimme zu finden, den Ton nicht zu erwachsen zu gestalteten. Für deren endgültige Form waren schließlich auch ihre Tochter und andere junge Testleserinnen verantwortlich, die sie unter anderem dazu brachten, eine Szene im Kaffeehaus in eine McDonalds-Filiale zu verlegen…
Die spezifische Erzählform des Tagebuchs hingegen sei sehr schnell klar gewesen, ermögliche sie doch nicht nur Identifikation, sondern auch ein unkompliziertes Hin- und Herspringen im Handlungsverlauf, ohne verwirrend zu werden. Außerdem war es der Autorin dadurch möglich, sich ganz auf Madinas Perspektive zu fokussieren und alle anderen Figuren, nur aus ihrem subjektiven Blick zu betrachten.
Während „Dazwischen: Ich“ stark im Kontext der mittlerweile sehr zahlreichen Bücher rund um das Thema Flucht rezipiert und eingeordnet wird, war ihr zentrales Anliegen eigentlich das eines Anti-Kriegs-Buchs: Obwohl die Protagonistin Madina und ihre Familie im erzählten Zeitraum bereits in Sicherheit sind, haben sie die Erfahrung des Krieges mitgenommen, hat das etwas mit ihnen gemacht. Ganz bewusst wurde dabei jede konkrete Verortung vermieden, um das Universelle dieser Erfahrung hervorzustreichen – um auch durch die Figurennamen keine Hinweise auf eine konkrete Region oder einen konkreten Konflikt zu geben, wurden diese aus unterschiedlichen Sprachen kombiniert. Auf „politische Hellhörigkeit“ war die Autorin besonders in der Darstellung und Verflechtung bzw. Trennung von Genderrollen, Tradition und Religion bedacht.
Aus den interessierten Fragen des Publikums ergab sich schließlich eine angeregte Diskussion, ob und wie Erfahrungen von Krieg und Flucht literarisch an ein junges Publikum vermittelbar seien – die die Autorin schließlich inspirierten, eine Schlüsselszene des Romans erstmals öffentlich vorzulesen.


Julya Rabinowichs Bücher und Autogramme waren heiß begehrt.
