STUBE-Freitag am 16. Oktober 2026
Zu Gast: Will Gmehling

Hier beginnt großes, möchte man meinen: Dieses Arbeitsjahr läuft an einem goldenen Oktobertag mit dem Start des 10. Jahrgangs im Fernkurs Kinder- und Jugendliteratur vom Stapel. Des Weiteren darf man gespannt sein, wie die STUBE ihren heurigen runden (!) Geburtstag begehen wird, und darüber hinaus verströmt der erste STUBE-Freitag dieses Arbeitsjahres die klassenfahrthaften, dezent euphorischen Vibes der soeben zu Ende gegangenen Frankfurter Buchmesse, wo das STUBE-Team 2025 am Stand des Peter Hammer Verlags Will Gmehling kennenlernte.
Leute kommen hin, um ins Wasser zu springen oder vor sich hinzukucken.

Das sagt Will Gmehling im Werkstattgespräch mit Heidi Lexe natürlich nicht über die Frankfurter Buchmesse, sondern über das Freibad, wo er mit den Bukowski-Geschwistern einen langen Sommer verbringt, wenn er nicht gerade mit der „Pizzakatze“ durch die Stadt fährt, die Ursprünge des runden Leders oder das Rätsel des „Sternsees“ ergründet und „Stuxx“ auf die Suche nach Zugehörigkeit schickt.
Will Gmehling schreibt vom Bilderbuchtext bis zum Jugendroman, spielt mit der Sprache und lotet gesellschaftskritische Gefüge aus. Dass er im Peter Hammer Verlag eine Verlagsheimat gefunden hat, in der er die meisten seiner Bücher herausbringen und mit namhaften Illustrator*innen wie Antje Damm, Jens Rassmus oder Tobias Krejtschi zusammenarbeiten kann, darf man als ungewöhnlich betrachten. Für ihn ist die Stabilität wichtig, auch wenn gutes Arbeitsklima selten mit pekuniären Höhenflügen einhergeht.
Vor seinem Schreiben war er Maler und findet es heute gut, dass seine analogen Bilder keine digitalen Spuren hinterlassen haben. Als Autor schrieb er zunächst Lyrik für Erwachsene, bevor er sich der Kinder- und Jugendliteratur zuwandte. Einerseits erlebt er die Begegnung mit dem jungen Publikum im Vergleich zu den Ritualen „erwachsener“ Lesungen viel erfrischender und lustiger, und andererseits gibt ihm der Erfolg Recht: Für „Freibad“ erhielt er 2020 den Deutschen Jugendliteraturpreis und die Aufnahme in die Empfehlungsliste des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises der Deutschen Bischofskonferenz, heuer war er mit gleich zwei Titeln, „Der Sternsee“ und „Ganz am Anfang war der Ball“, für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert.
Man ist da einfach.

Auch das sagt Will Gmehling über das Schwimmbad, einen ansonsten zweckfreien Ort, und erlaubt die Analogie zu seinen Texten, die keinen Zweck verfolgen, auf genauer Beobachtung beruhen und von tiefer Sympathie getragen sind. Er beginnt immer von vorne mit einem Satz und keinem Plan, findet zuerst die Stimme, die Sprache, den Tonfall seiner Figur und folgt dann der Geschichte. Dabei gibt es weder Punzierungen, noch werden Stereotype bedient. Wenn die vier Kinder in „Der Sternsee“ Hochhauskinder sind, deren Eltern wenig Geld haben, heißt das noch lange nicht, dass sie deshalb Schwierigkeiten machen. Für Kinder müsse man sehr direkt erzählen, so wie U.S. Filme schnell zur Sache kommen, das wäre auch besser für ungeübte Leser*innen, meint er.
Wie spektakulär das Alltägliche sein kann, auch wenn man es ganz unaufgeregt erzählt, zeigt er mit „Stuxx“, dem zum ersten Mal eingegangenen Wagnis eines Jugendromans, dessen Held all das, was man von Jugendlichen an Engagement und Haltung erwartet, nicht einlöst. Er isst am liebsten Fleisch und liebt alte Autos. Er muss nicht die Welt retten, denn die Verantwortung für den Vater, die kleine Schwester und die eigene Misere reicht vollkommen aus.
…kein starker Typ… und da dachte ich… ja, der muss auch mal…
…einer Anti-Form entsprechen und sich dem Entwicklungsprozess entziehen, hinreißende Dialog führen und am Ende einen untrüglichen Sinn für die richtige Entscheidung beweisen.
Im Anschluss an das kurzweilige Werkstattgespräch lud die STUBE zu einem kulinarischen Ausklang ein. Zum Video on demand geht es >>> hier. Zugänglich für >>> STUBE-Card-Abonnent*innen ab dem 20. Oktober 2026.
Ein Bericht von Alexandra Holmes

