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Thema: Rotkäppchen


Charles Perrault / Éric Battut: Rotkäppchen

Folgt man den Märchenstudien des Italieners Anselmo Calvetti, reicht das Märchen vom Rotkäppchen bis in die Frühgeschichte der Menschheit zurück und verweist auf einen Initiationsritus, der auf dem Verschlungen und Wiedergeboren-Werden basiert. Der sich damit etablierende Kannibalismus in der Tradition des Märches (Rotkäppchen isst das Fleisch der Großmutter und trinkt deren Blut) wird im Jahr 1697 in der ersten verbindlichen schriftlichen Fassung des Märchens getilgt: Charles Perrault reinigt das Märchen für den französischen Hof von Vulgaritäten, behält das Moment des Verschlingens aber bei und konnotiert ihn sexuell: Der Wolf „verschlingt“ das Rotkäppchen, das sich zuvor auskleiden und zu ihm ins Bett legen musste. Eric Battut zeigt die verschlungenen Um- und Irrwege bis dahin in schematisch angelegten Bildern, die auf Farbakzentuierungen in Orange und Rot setzen und weniger auf die Figuren und deren Emotionen, als vielmehr ganz prosaisch auf das Geschehen an sich setzen. Und damit Perraults Stil entsprechen, der das Märchen (wie immer) mit einer Moral enden lässt: Doch ach, ein jeder weiß, gerade sie, die zärtlich werben, gerade diese Wölfe locken ins Verderben.
Aus dem Franz. v. Ulrich F. Mülle.
bohem press 1998.

Philip Pullman: Grimms Märchen

Die Brüder Grimm nehmen „Rotkäppchen“ als Nummer 26 in ihre Märchensammlung auf und führen den Jäger ein, der das Rotkäppchen gleichermaßen wie die Großmutter am Ende lebend aus dem Bauch des Wolfes schneidet. Einer Moral bedarf es hier nicht mehr – Rotkäppchen „hat ihre Lektion gelernt“, wie Philip Pullman in jener kurzen Replik und historischen Einordnung festhält, die er jedem der Märchen seiner Grimm-Sammlung beifügt. Damit legt er nicht nur einen außerordentlich lesenswerten, sondern auch informativen Band vor. Er erzählt die Märchen in seinem eigenen Sprachrhythmus und bleibt dabei dennoch nahe am Original. Was den Band jedoch darüber hinaus ganz Besonders macht ist die künstlerische Beigabe zu jedem der 50 aus den Kinder- und Hausmärchen ausgewählten Texte: Skulpturen des australischen Künstlers Shaun Tan, fotografisch ins Bild gesetzt.
"Art is our chief means of breaking bread with the dead." Im Nachwort zitiert Shaun Tan den Lyriker W. H. Auden und zeigt damit an, dass jedem literarischen Werk daran gelegen ist, sich in Traditionen einzuschreiben. Mit seinen Tonfiguren geht er über literarische Traditionen hinaus und greift auf ethnologische Vorbilder zurück; er lässt den Charakter von Steinkulturen der Inuit und altamerikanischer Tonskulpturen in seine Figuren einfließen.
Die Skulpturen vermögen gerade durch ihren expressiven Minimalismus größtmögliche Wirkung zu erzielen: Wenn zum Beispiel das Rotkäppchen wie ein Spiel-Kegel auf dem aalglatten Skulpturenkörper des Wolfes hockt, bilden die Unverrückbarkeit und Kraft eines singulären Blicks auf das Märchen einen beeindruckenden Kontrast zum Nachhall und leichten Ton, den Philip Pullman in seinen Textfassungen wirken lässt.Ill. v. Shaun Tan.
Aus d. Engl. v. Martina Tichy.
Aladin 2013 (TB 2018).
512 S.


Brüder Grimm / Sybille Schenker: Rotkäppchen

Die Märchen-Bilderbücher der deutschen Illustratorin erscheinen wie eine Gegenbewegung zum vielbeschworenen Siegeszug des E-Book: In exklusiver Ausstattung durch handgebundenen Karton werden unterschiedliche Papiersorten ebenso wie aufwändige Stanzungen zum künstlerischen Gestaltungsprinzip. Diese scherenschnittartigen Cut-Outs führen durch einen Kunstgriff in den Wald hinein: Das Moment der Durchsicht bestimmt den Geheimnischarakter der Ereignisse und betonen den Suspense-Charakter der Ereignisse.
Sybille Schenker arrangiert dabei ihre schemenhaften Figuren auf entleerten Tonpapierseiten und entfaltet nur durch reduzierte Mimik oder Körperaktion deren gespenstische Wirkung. Hinter einem seitenfüllenden, violetten Wandschirm aus Papier verbirgt sich unheilbringend der Wolf, bevor er als tiefschwarzer Scherenschnitt sein Maul gefräßig aufreißt - fragil auf die nachfolgende rote Seite gelegt. Unter einer lichtintensiven Leselampe betrachtet, kann das Schattenspiel sogar wortwörtlich inszeniert werden.
Der Text folgt der Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen von 1819, die Ästhetik ist allerdings stärker von floralen Ornamenten und freundlichen Mauvetönen geprägt. Sie dienen als raffiniertes Stilmittel hinter dem der scheinbar harmlose Wolf sein Wesen verbirgt – bevor er auch hier unheilschwanger sein Maul aufreißt. Helles grün hingegen bleibt dem Jäger vorbehalten, der den unheilbringenden Wald wieder zum gewächsumrankten Natur-Ort macht.
minedition 2014.

Brüder Grimm / Kveta Pacovská: Rotkäppchen

Vivian Westwood hätte Freude an diesem Wolf und er hätte durchaus auf den Catwalk einer ihrer Pariser Fashion-Week-Modeschauen gepasst. Denn auch wenn ihm die großformatigen Blümchenmuster fehlen, so ist er dich aus unterschiedlichen Materialien gepatchworkt – wobei auch die tschechische Illustratorin auf jene geometrischen Formen setzt, mit denen Vivian Westwood ihre wallenden Stoffe so gerne kontrastiert. Mit neckischen (rotem) Halstuch und schicken Stiefelchen beugt sich also der aus länglichen Quadern und zum Teil aus Silberfolie gefertigten Quadraten zusammen gesetzte Wolf über das Rotkäppchen, das ganz und gar aus jener Materialität zu bestehen scheint, wie das Halstuch des Wolfes. Klein und unbedarft erscheint es, wenn es in Wald und Wiese entlassen wird, die Pacovská als eine Art blumenförmige Maler-Palette inszeniert. Der Raum wird abstrakt aufgelöst und dennoch zum handlungstragenden Moment, wenn das Haus der Großmutter inmitten geometrischer Linien-Wirrnis als unheilverkündender Ort in Schräglage gerät – und kontrastiert wird mit dem in kindliche-naivem Stil seitenfüllenden ins Bild gesetzten Maul des Wolfes.
Einmal mehr gibt Kveta Pacovká das Narrativ des Ursprungstextes der Auflösung Preis und fokussiert mit künstlerischem Blick auf die dahinter liegende Emotion. Allein durch die Variation von Größenverhältnissen erzeugt sie Dynamik und setzt ihre Figuren einer Bildwelt an der Grenze von Illustration und Installation aus. Um sie damit im Verhältnis zueinander und zum Geschehen neu zu positionieren. Den Text (er folgt der Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen von 1819) hätte es für dieses Kunst-Bilderbuch gar nicht erst gebraucht.
minedition 2007.

 


Adolfo Serra: Rotkäppchen

Assoziativ, skizzenhaft und dennoch im Sinne des Märchens inszeniert der italienische Illustrator in seinem textlosen Bilderbuch vor allem den Wolf: beinah wie ein Drachenschwanz schwingt dessen Schweif in die eröffnende Doppelseite und scheint das großmütterliche Haus einfach aufzufädeln. Wenig später tänzelt dieses Haus auf seiner Nasenspitze. Denn der Wolf ist mittlerweile zum Hybrid aus Körper und Landschaft geworden; das Fell wird zum Wald, in dem das kleine Rotkäppchen naiv dem Flug eines Schmetterlings nachsieht. Alles im Griff hat er also, dieser schwarzer Kohle und Grafikstiften ins Bild gesetzte Wolf. Und alles im Blick; denn mit dem Umblättern sehen wir in seine bildfüllenden, hungrigen Augen, in denen sich bereits das Rotkäppchen spiegelt. Vorerst aber bleibt das Mädchen, die nun stärker in den Fokus rückt, verschont, denn der Wolf hascht (inszeniert als Körperstudien) nach dem Schmetterling.  Aber Obacht! Die Silhouette des Wolfes zeichnet sich im verwehten haar des Mädchen ab. Sie entkommt ihm nicht. Sozusagen wortwörtlich, denn auf faszinierende Weise stzt Serra die Hybridisierung von Wolfskörper und Landschaft fort, ja, geht sogar soweit, dass er den Wolf auf faszinierende Weise in eine Bildergalerie im Haus der Großmutter einschreibt. Die kluge Bildmontage erreicht ihren Höhepunkt, als das Rotkäppchen dem offenen Wolfsmaul gegenübersteht und danach in doppelseitiger Finsternis verschwindet. Nur zwei Augenpaare leuchten und es bedarf  einiger Erkenntniszeit, bis man versteht: Serra bleibt am Rotkäppchen dran und folgt ihr illustratorisch in den Magen des Wolfes. Er legt damit eine ebenso witzige und verspielte wie auch zeichnerisch kluge Version des Märchens vor; die keinerlei schriftsprachlicher Unterstützung bedarf.
aracari 2012.

Ulrike Persch: Rotkäppchens List

Wie in einem Storyboard sind die Bilder dieser Märchenbearbeitung in Einzelsequenzen zerlegt und vermitteln damit das Gefühl von Bewegung oder Bewegtheit. Perspektiven werden ausgelotet, Einstellungen erprobt. Die "Kamera" kreist dabei unentwegt um die Figuren. Und nur Rotkäppchen selbst bringt Farbe in die auf schwarz-weiße Kontraste reduzierte Szenerie. Das Privileg hat sie zurecht. Denn sie ist es, die dem Märchen mit List eine neue Wendung gibt und es zu einem unblutigen Ende führt. Auf der Suche nach ihrer Großmutter entwickelt sie ein Schattenspiel – diesmal wird nicht sie getäuscht, sondern der Wolf, glaubt er doch im Schatten einen Jäger zu sehen...

Kinderbuchverlag Wolff 2005.
36 S.

Sebastian Meschenmoder: Rotkäppchen hat keine Lust

Längst hat das Rotkäppchen im modernen Bilderbuch die Vormacht über den Wolf
zurückgewonnen – schließlich zählt die Geschichte von der unheilvollen Begegnung
zu den meistparodierten der Märchen der Brüder Grimm. Und dennoch scheint das Potential für neue, köstliche Varianten nicht ausgeschöpft: Einen Ziegelstein, eine Socke und einen Kaugummi hatte das rotbemützte Kind noch selten in seinem Körbchen. Der skizzenhaft und mit großer Lust an Mimik und Gestik ins Bild gesetzte Wolf ist entsetzt. So kann man doch keinen Großmutter-Geburtstag begehen! Also reißt er das Partyruder an sich und schleift das angepisste Rotkäppchen zur Blumenwiese, in die Backstube und zum Weinhändler. Die Großmutter wird es ihm danken, denn schon bald tauschen die alte Dame und der Wolf leicht illuminiert Erinnerungen aus. Dies könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein. Und während man gerührt den herzergreifenden, mit Märchenzitaten angereicherten Freundschaftsszenen folgt, hat das Rotkäppchen genug von all dem, ändert seine Profession und hält Ausschau nach Captain Jack Sparrow….
Thienemann 2016.

 

Mario Ramos: Der Wolf im Nachthemd

Bereits in den Vorgängerbänden "Ich bin der Stärkste im ganzen Land!" und "Ich bin der Schönste im ganzen Land!" bewies Mario Ramos' Bilderbuchwolf sein übersteigertes Selbstbewusstsein. Während in diesen beiden Büchern das Rotkäppchen nur eine marginale Nebenrolle einnahm, ist es hier Ausgangspunkt der Handlung: Ganz entsprechend der Grimmschen Vorlage hat es der Wolf zum Nachtisch erklärt. Vorher will aber noch die Großmutter vertilgt und der Wolf als sie verkleidet werden. Die Maskerade und daraus resultierende Verkennung weitet Mario Ramos humoristisch aus: Bedingt durch ein Missgeschick irrt der Wolf im rosa Nachthemd der Großmutter durch den Wald und begegnet zahlreichen Märchenfiguren. Ganz entgegen seines Wunsches stark, schön und schrecklich zu sein, wird er von allen für die herzensgute Großmutter gehalten. Die karikaturesken Bilder setzten den Ärger des eitlen Wolfes und seine Travestie witzig in Szene.
Aus dem Franz. v. Markus Weber.
Moritz 2012.
48 S.

 

Beate Teresa Hanika: Rotkäppchen muss weinen

Wie einst Rotkäppchen ist Malvina auf ihrem Fahrrad mit Wein und Essen in einem Korb unterwegs zu ihrem kranken Großvater. Doch anders als im Märchen ist hier die Gefahrenquelle nicht der böse Wolf im Wald, sie liegt vielmehr in der engsten Familie selbst. Verschachtelt erzählt zwischen der Gegenwart und Erinnerungen an ihre Kindheit, offenbart sich den Leser*innen nach und nach, dass die Ich-Erzählerin bereits seit Längerem vom Großvater sexuell missbraucht wird. Sie wagt es, sich Erwachsenen anzuvertrauen: Zunächst wird ihr nicht geglaubt, zu tief sitzen innerfamiliäre Dynamiken und Loyalitäten. Doch da gibt es zum Glück noch andere Bezugspersonen, die ihr helfen. Eindringlich erzählt Beate Teresa Hanika in ihrem Debütroman von den emotionalen Verstrickungen, in die ein junges Mädchen durch sexuellen Missbrauch innerhalb der Familie gestürzt wird. Die erzählte Zeit umfasst lediglich zwei Wochen, in denen sich doch Wesentliches verändert: "Ich heiße Malvina, und ich habe gelernt zu schreien."

Fischer Schatzinsel 2010 (TB 2012).
224 S.

Aaron Frisch / Roberto Innocenti: Das Mädchen in Rot

Wald war gestern. Heute heißt der Ort an dem das Rotkäppchen vom Weg abkommt „The Wood“ und öffnet sich vor den Betrachter*innen als Panorama eines Einkaufszentrums. Hier durch muss das Mädchen mit dem roten Kaputenmantel, um vom Plattenbau zum Wohnwagen der Großmutter zu gelangen. Plakativ, knallig und angefüllt mit hunderten Details gestaltet der italienische Illustrator seinen heruntergekommenen, urbanen Raum, der mit den Verlockungen einer globalisierten Konsum-gesellschaft den Wald mit seinen Blumen ersetzt. Der Wolf aber ist hier nicht weniger gefährlich: Er weiß das Rotkäppchen zu täuschen und sich als Retter aufzuspielen, bevor er vorauseilt an die Peripherie des „Waldes“: Sophia ruft nach der Groß-mutter. Sie steht nicht an der Tür wie sonst. Mit Hilfe einer Rahmengeschichte und in klar abgezirkelter Panelform lassen Frisch und Innocenti das erzählte und das neu erzählte Märchen nebeneinander laufen und ineinandergreifen. Dem Ernst und Schrecken eines modernen Wolfes in knöchellangem Leder-mantel entziehen sie nicht, lassen aber dennoch die Möglich keit offen, im Erzählen selbst auch neue oder andere Wege einzuschlagen. Es könnte also auch ein Happy End geben. Doch wen sollte ein solches Happy End beruhigen?

Aus dem Engl. v. Ulli und Herbert Günther.
Gerstenberg 2013.

Red Riding Hood. Unter dem Wolfsmond

Genrewechsel. Ein Wolf als Bösewicht legt natürlich eine Neu-Inszenierung nahe, die den Märchen-Wolf und den Werwolf motivisch miteinander kombiniert und damit Horror-Elemente in das Erzählen integriert. Amanda Seyfried gibt hier Valerie, die junge Frau, die von der Großmutter ein rotes Cape geschenkt bekommen hat. Die aber immer deutlicher spürt, dass sie selbst im Zentrum der schaurigen Ereignisse steht, die ihr Dorf bedrohen. Denn der abgelegene, mittelalterliche Ort wird seit zwei Generationen von einem Werwolf bedroht. Über lange Zeit hat sich die monatlich auftauchende (Bestie sich durch geopferte Tiere befrieden lasse, nun aber geschehen neue, erschreckende Verbrechen. Die aufgeputschte Stimmung im Dorf verschärft sich, als mit Pater Salomon (Gary Oldman) ein professioneller Werwolfsjäger geholt wird und das schaurige Geheimnis des roten Mondes offen gelegt wird. Valerie gerät in Verdacht, mit dem Werwolf im Bunde zu stehen – und ist sich ihrer selbst, aber auch der ihr nahestehenden Menschen nicht mehr sicher. Die spannungsreiche Frage, hinter welcher Figur sich die Bestie verbirgt, wird von Catherine Hardwicke (die unter anderem für den ersten "Twilight“-Film verantwortlich zeichnet) mit viel Coolness und modernem Stylings in Set und Costume Design inszeniert. Die Kamera fängt dabei faszinierende Farbkontraste zwischen Schwarz, Weiß und Rot ein und lässt Valeries Cape durch die schneeweiße Waldlandschaft wehen. Handlungselemente, Dialogpassagen und Motive des Märchens werden umgedeutet, neu kontextualisiert und treffen auf mittelalterlichen Aberglauben, aber auch reizvolle Frühformen der astronomischer Weit- und Weltsicht. Dazu kommt natürlich eine verführerische Dreieckskonstellation zwischen Valerie, ihrer Jugendliebe Peter und Henry, dem Sohn des Schmieds, den sie auf Wunsch der Eltern heiraten soll. Aber: Ist einer von ihnen der Werwolf ?
Film v. Catherine Hardwicke.
Drehbuch v. David Leslie Johnson.
100 min.
USA 2011.
Das gleichnamige Buch zum Film ist bei cbt 2011 erschienen.

Hoodwinked!

Erneuter Genrewechsel. Denn natürlich birgt auch Rotkäppchen (wie viele andere Grimm-Märchen auch) eine veritable Kriminalgeschichte – die mit Hilfe zahlreicher intermedialer Anspielungen als Animationsfilm neu inszeniert wird: Ein in der Produktion von Backwaren ebenso wie in Extremsportarten erprobte Großmutter, ein Wolf der eigentlich Enthüllungs-reporter ist, ein etwas dumber Muscle-Man als Jäger und ein cleveres, in Martial-Arts erprobtes Rotkäppchen geraten (wie gehabt) aneinander. Aufregung, Waldpolizei, Tatortermittlung, Detektion durch Flippers, den Frosch (im Deutschen gesprochen vom Chanson-Sänger und Entertainer Max Raabe). Vier Verdächtige bedeutet: vier Versionen der Geschichte. Welche aber ist wahr? Oder gibt es gar einen Oberschurken, der wie ein harmloses, wenn auch hysterisiertes Häschen erscheint, es aber faustdick hinter den Löffeln hat? Schließlich darf der titelgebende englischsprachige Begriff mit „to trick someone“ erklärt werden. (Über den deutschpsrachigen Titel „Die Rotkäppchen-Verschwörung“ soll einmal mehr der Mantel des Übersetzer*innen-Schweigens gebreitet werden.)
Entstanden ist eine an Gags reiche Version des Grimmschen Kriminalfalls, die ihren Reiz aus der Besetzung des kriminal-literarischen Personen-Inventars mit Tierfiguren zieht, die nicht nur an Märchenvorbilder, sondern auch an ikonografische Medienhelden angebunden sind. (Wo trifft man sonst auf eine Großmutter, die fatal an Vin Diesel aus Triple X erinnert?) Und wie im Animationsfilme gerne praktiziert, erlangt der Streifen natürlich durch die prägnanten Stimmen renommierter Schauspieler*innen (Anne Hathaway, Glenn Close, Jim Belushi) seine besondere Klasse. Auch in seiner deutschsprachigen Version, wenn zum Beispiel tatort-Kommissar Axel Prahl dem Wolf seine Stimme leiht.
Film v. Cory Edwards / Todd Edward / Tony Leech.
USA 2005.
80 min.

Marissa Meyer: Wie Blut so rot. Die Lunar-Chroniken Band 2.

Cinder, Scarlet, Cress und Winter heißen die vier zentralen Frauen-Figuren einer Future-Fiction-Serie, in die Sci-Fi-Elemente gleichermaßen wie Märchenanleihen eingearbeitet sind. Die Serie etabliert eine zukünftige Welt, in der sich nach dem 4. Weltkrieg neue Staatenbünde etabliert haben. Einem Kontinentalgefüge wie wir es kennen, wird die Existenz von Lunarien hinzugefügt: Die Bevölkerung des Mondes, deren Geschicke von der machthungrigen Königin Levana gelenkt werden. Die Lunarier verfügen über eine bioelektrische Gabe, mit deren Hilfe sie Erdenbewohner umfassend manipulieren können. Mit jedem Band aber wird einer kleinen rebellischen Schicksalsgemeinschaft neues Figureninventar hinzugefügt, das sich letztlich gemeinsam gegen die böse Königin und Mutter der ätherisch-schönen Winter durchsetzt. Den vier weiblichen Hauptfiguren entsprechend wird der Plot in jedem der vier Bände an den Handlungsverlauf des entsprechenden Märchens angelehnt: In Band 2 (der Originaltitel „Scarlet“ wurde phantasiebegabt ins Deutsche übersetzt) wechseln wir von New-Beijing und den Ereignissen rund um den Cyborg Cinder und Prinz Kaii nach Frankreich. Dort trifft Cinder auf der Suche nach ihrer Herkunft auf die junge Scarlet, die gemeinsam mit ihrer Großmutter eine Gemüsefarm betreibt. Die Großmutter allerdings verschwindet auf mysteriöse Weise; zeitgleich taucht in Scarlets Leben ein Straßenkämpfer namens Wolf auf. Wolf, so zeigt sich, ist Abtrünniger einer genetisch gezüchteten lunarischen Armee, in der zur Kampfkraftsteigerung Wolfsgene eingesetzt wurden. Zwischen der durchsetzungsfreudigen Scarlet und dem Außenseiter bahnt sich natürlich rasch eine Romanze an und die beiden machen sich auf die Suche nach der Großmutter; in der Pariser Oper glaubt Scarlet sie zu treffen, bis sie erkennt, dass die Großmutter seltsam große Hände und Zähne hat … Bevor die beiden jedoch am Ende des vierten Bandes wieder auf die Farm zurück kehren können, wartet auf Scarlet noch das Martyrium einer Gefangenschaft auf Lunar, aber auch Rebellion der freiheitskämpferisch veranlagten Nerds gegen die machtvolle Levana. Erst in der nicht ins Deutsche Lunar-Chronicles-Collection „Stars Above“ widmet sich eine der Kurzgeschichten dem finalen Glück von Scarlet und Wolf.
Aus dem Engl. v. Astrid Becker.
Carlsen 2014.
512 S.

 

Mit den Einschreibungen von Märchenfiguren und Märchenmotiven hat Heidi Lexe sich unter dem Titel „Märchenfiguren im (medialen) Exil“ in einem wissenschaftlichen Beitrag für das Jahrbuch der Jugendliteraturforschung 2013/14 auseinandergesetzt. Zur Verfügung gestellt wird der Aufsatz gemeinsam mit anderen ausgewählten Fachbeiträgen im internen STUBE-Card-Bereich.
Wer noch keine STUBE-Card besitzt, findet >>> hier Information und Bestellformular.

 

 


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