Aus d. Englischen v. Ulrich Störiko-Blume.
von Hacht 2022.
40 S.

Marc Majewski: Kann unsere Erde fühlen?

Fühlt sich die Erde lebendig?
Fühlt sich die Erde gehört?
Fühlt sich die Erde geliebt?

Das sind drei jener Fragen, die Marc Majewski großzügig auf weißen Hintergrund setzt und so (Grund)Emotionen mit der Erde in Verbindung bringt. In einem strikt durchgehaltenen Seitenkonzept (Leitfrage links, Illustration rechts) werden so insgesamt 14 Fragen und Emotionen durchgespielt; in den Fragen schwingt dabei stets eine Aufforderung zum Weiterdenken mit. Der französische Autor und Illustrator, der in Berlin lebt und dieses Buch ursprünglich auf Englisch verfasst hat, schreibt im Nachwort von der Fähigkeit des Menschen, Gefühle zu spüren, zu begreifen und zu verbalisieren. Fähigkeiten, die die Erde – Grundlage allen Lebens – nicht hat. Der Text ist Appell auf die Erde zu achten gleichermaßen wie Aufforderung über das Verhalten des*der Einzelnen, aber auch der Menschheit im Gesamten zu reflektieren.

In den Illustrationen wird – wenn man so will – dabei ein Stück der Menschheitsgeschichte nachgezeichnet: beginnend bei einer unberührten, verwachsenen Landschaft, über eine im Mondschein liegende Lichtung bis neben der Frage Ist die Erde munter? eine verschneite Schneelandschaft mit einer einzelnen Blume und drei Füchsen zu sehen ist. Erst dann betritt der erste Mensch die Bildfläche – immer noch im Einklang mit der Natur – bis letztendlich die Frage Ist die Erde freundlich? gestellt wird. Auf der Bildebene zeigt sich ein Baum, der Lebensraum für Menschen bei den unterschiedlichsten Tätigkeiten zeigt. Wie Miniaturen werden die Figuren auf die Äste gesetzt und

eine Form der Symbiose von Mensch und Natur präsentiert.
Das nächste Umblättern führt weg von der Natur und hin zu Häusern und Beton; über die Adjektive einsam, verletzt, krank, müde und gehört werden Fragen nach der Fürsorge für die Erde gestellt. All dies geschieht aber gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger; die einfachen Fragen, die im Grunde mit ja oder nein beantwortet werden können, laden insbesondere in Zusammenspiel mit den Illustrationen ein, zu reflektieren und philosophieren. Besonders dann, wenn Bilder von Naturkatastrophen und der Frage Wird die Erde gehört? auch an biblische Erzählungen über die Sintflut erinnern.
Dieser Gedanke der Überforderung des blauen Planeten wird über einen Verweis auf die „Fridays for Future“-Bewegung rückgeführt auf die Lesenden, wenn am Ende eine direkte Ansprache an ein Du und damit die Aufforderung zum Handeln steht.

„Das gemeinsame Haus“:  so nannte Papst Franziskus die Erde in seiner zweiten Enzyklika „Laudato si“, bewohnt vom Menschen mit all seinen Mitgeschöpfen. Dieses Haus steht dabei sinnbildlich für all die Lebensräume, die der Planet Erde für Lebewesen aller Art bereithält. Damit eng verbunden ist die Schöpfungsverantwortung: Die Verantwortung diesen gemeinsamen Lebensraum bestmöglich zu schützen.

Alexandra Hofer

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