Aus d. Engl. v. Aimée de Bruyn Ouboter.
arsEdition 2026.
432 S.

Marissa Meyer: The House Saphir

„Es heißt, man könne noch heute Le Bleus boshaftes Lachen durch die Korridore des Schlosses hallen hören“, erzählte Mallory. „Und jedes Jahr an seinem Todestag sprudelt rotes Blut aus dem Springbrunnen“ (S. 40)

Ein mitreißendes Retelling des bekannten Blaubart-Märchens mit zahlreichen intertextuellen Verweisen auf die Vorlage, spannenden Wendungen und einem sorgfältig konstruierten Plot, der die Welt Blaubarts auf raffinierte Art und Weise erweitert. Protagonistin ist Mallory Fontaine, die führende Expertin, wenn es um die Familie Saphir, vor allem den berühmt berüchtigten Grafen Le Bleu, geht. Seit Jahren bietet sie Führungen durch das verlassene Herrenhaus des Grafen in Morant an, in dem er seine erste Ehefrau ermordet hat und nun deren Geist lebt. Mallory besitzt als vom Gott Velos gesegnete die Gabe Geister zu sehen und zu hören. Die Handlung wird personal aus der Sicht Mallory Fontaines erzählt und ist in derselben fantastischen Welt wie Meyers Vorgängerromane Gilded und Cursed verankert.

Als eines Abends eine von Mallorys Führungen anders endet als geplant und Le Bleus Ururenkel, Graf Armand Saphir, erscheint, um die Hexen von Morant um Hilfe zu bitten, reisen Mallory und ihre Schwester Anaïs, die als Wahrsagerin arbeitet, zum Landsitz der Familie Saphir. In dieses Château ist Le Bleu nach dem Tod seiner ersten Frau gezogen, hat seine zweite und dritte Ehefrau ermordet und dort gelebt bis er von den Brüdern seiner vierten Ehefrau am Springbrunnen hingerichtet worden ist. Zusätzlich zu den Geistern seiner zweiten und dritten Gattin, die relativ friedlich sind, sucht seit sieben Jahren der Geist des gewalttätigen Grafen Le Bleu das Schloss heim und verbreitet Angst und Schrecken. Zur Vertreibung dieses Geistes werden Mallory und ihre Schwester angestellt. Außerdem wird die fantastische Welt durch einige magische Wesen inspiriert von der traditionellen französischen Folklore, wie etwas Feu Follets oder Lou Carcolhs, ergänzt.

Es folgt eine Reihe von eher weniger erfolgreichen Versuchen den Geist loszuwerden und Armand von ihren Fähigkeiten zu überzeugen. Denn wie sollen die Schwestern sich um den Geist kümmern, wenn Anaïs gar keine magischen Fähigkeiten besitzt und Mallory ihre vor Jahren verloren hat? Die Dialoge der Figuren in gehobener Sprache in diesem Roman sind oftmals überaus unterhaltsam. Gemeinsam kommen Mallory und ihre Schwester den Geschehnissen um Le Bleu immer näher, der nicht nur ein blutrünstiger Mörder gewesen ist, sondern auch ein mächtiger Zauberer, der seine Gehmahlinnen als Teil eines geheimnisvollen Zaubers rituell ermordet hat. Als es zu einem weiteren Mordfall im Château kommt, muss Mallory sich der Frage stellen, wem sie trauen kann und ob sie dem Mörder auf die Schliche kommt bevor er auch ihr zur Gefahr wird.

The House of Saphir
reiht sich nahtlos in Meyers Oeuvre ein, die sich seit ihrem Debüt Wie Monde so silbern (dem ersten Band der „Luna-Chroniken”-Serie, 2011-2015) auf die Transformation von Märchen- und Mythenstoffen spezialisiert hat. So ist auch dieses Retelling geprägt von einem Wechselspiel bekannter Motive des Blaubart-Stoffes und der Ergänzung neuer Elemente in Form von Magie, Geistern und den Nachfahr*innen der Protagonist*innen des Märchens. Dieses Zusammenspiel wird vor allem im genauestens geplanten Plot deutlich, der sich vermutlich daraus ergibt, dass Meyer laut Interviews bereits sehr lange geplant hat das Blaubart-Märchen literarisch zu verarbeiten. In diesem drohen die Geister der Vergangenheit die Gegenwart ins Chaos zu stürzen bis es schließlich am anfangs zitierten Todestag Le Bleus zu einem packenden Finale kommt.

Claudia Gschwendt

 

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