Coppenrath 2025.
320 S.

Kristina Scharmacher-Schreiber: Fjolla. Hüterin der Schneelande

Es war einmal eine ganz besondere Landschaft.
Eine Landschaft, wie erschaffen für den Winter.
Weiß, wie der Schnee, der ihre Ebenen bedeckte.
Kalt wie das Eis, das das Meer überzog.
Dunkel wie die tiefste aller Nächte.
Strahlend wie der Tag selbst.
Fernab aller Dörfer und Städte.
Heimat dreier uralter Familien. (7)

Diese Geschichte in der Geschichte stellt sich als das ‘Erbe’ von Fjola, Yuki und Aubin heraus, das den dreien ermöglicht, eine Katastrophe für Mensch und Tier in Kristina Scharmacher-Schreiber phantastischer Welt zu verhindern.

Fjolla und Yuki leben in der Stadt Nevia, die gerade das traditionelle Lichterfest vorbereitet, das immer im Winter stattfindet. Die beiden sind ein sehr unterschiedliches Gespann: Fjolla liebt die Kälte und wird von der Polarfüchsin Drifa stetig begleitet, mit der das Mädchen eine Art Familiar-Beziehung verbindet. Yuki bevorzugt die Wärme, besonders im gemütlichen Laden seiner Mutter. Aubin lernen die beiden kennen, als er sich aus dem nahen Wintercamp seiner rentierzüchtenden Familie in die Stadt schleicht, weil er zur Abwechslung von Heimunterricht gern einmal eine Schule besuchen möchte.

Aus der Sicht aller drei, etwa 12jährigen, Protagonist*innen wird personal erzählt.
Während man Einblicke in das Alltagsleben und die unterschiedlichen (aber immer harmonischen) familiären Strukturen der Hauptfiguren bekommt, braut sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Sturm zusammen. Am Anfang steht der ‘Besuch’ einer Eisbärin, die mit ihrem Jungen aus dem Bärenreich in die Nähe der Stadt kommt und zu der Fjolla eine emotionale und telepathische Verbindung aufbauen kann. Kurz darauf bricht Aubins Großmutter Sarvi unerklärlicher Weise allein tiefer in die Schneelande  auf und gefährliche Eisstürme beginnen, die Gegend heimzusuchen.

Alle drei Ereignisse stellen sich als verknüpft mit den Familiengeschichten der Hauptfiguren heraus, die ihnen verheimlicht wurde: Ist es nicht verrückt, wie wir uns unsere Vergangenheit zusammenpuzzlen müssen? Erst aus alten Märchen, Briefen und Büchern erfahren wir, wer wir wirklich sind. (259)
Mit frisch entdeckten magischen Fähigkeiten ergründet das Trio die Hintergründe und stößt dabei auf Machenschaften der ebenfalls in Nevia ansässigen Familie Glacia.

Das Phantastische, das gleich zu Beginn durch eine Karte der Welt angedeutet wird, wird in diesem Kinderroman subtil und langsam eingeführt und stößt dabei nicht auf Verwunderung.  
Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die Mensch-Tier-Beziehung, die -  magisch aufgeladen -  zwischen dem Wissen um die Gefährlichkeit des wilden Tieres und symbiotischem Teilen des gemeinsamen Lebensraumes verhandelt wird.

Eiskristalle, die den Text gelegentlich rahmen und Seitenangaben zur Seite gestellt werden, transportieren das Ambiente des Handlungsraum auch auf der Bildebene. Die zentrale Bedeutung von Familiengeschichte wird bereits am Vorsatzpapier durch eine Fotogalerie angedeutet. Die graphische Gestaltung des Buches ist von Illustrationen, Vignetten und Schrift in Blautönen geprägt, die die Kälte der Schneelande spiegeln. “Fjolla. Hüterin der Schneelande” ist ein ganzheitlich gestaltetes Buch mit  stimmigem Gesamtkonzept.

Sonja Loidl

 

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