leykam 2025.
114 S.

Elisabeth Etz/Nini Spagl: Wo die wilden Würmer wohnen

„Was ist Boden?“ Mit dieser durchaus überraschenden Frage steigt Autorin Elisabeth Etz in das Sachbuch ein, um die Frage gleich in partizipativem Gestus an die Leser*innen weiterzugeben: „Kannst du hier deine Vorstellung davon aufzeichnen, was sich unter deinen Füßen befindet?“ Bebildert wird diese Einstiegs-Übung von Nini Spagl mit zwei wunderbar sympathischen Figuren, die in weiterer Folge immer wieder auftauchen werden: Ein Dachs, sicherheitstechnisch tipptopp ausgerüstet mit einem Helm. Und einer der titelgebenden Würmer, auf dessen Kopf sich einige Ameisen stapeln. Dass der Wurm einen Buntstift in den Händen balanciert, mag kurz irritieren, passt aber eigentlich ganz gut zu der Art, in der im Weiteren Wissen über einen wesentlichen Faktor jedes Ökosystems, den Boden, in Bild und Text vermittelt wird: Witz und Genauigkeit, Kreativität und wissenschaftliche Gründlichkeit müssen sich nicht ausschließen, sondern können einander durchaus ergänzen. Diese Leichtigkeit im Erzählton ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, wer spricht (bzw. durchaus hineinquatscht): Allerlei Wesen, die den Boden bewohnen, bringen sich in Sprechblasen gesetzt immer wieder ein, kommentieren, fragen nach. Auch das MINT-Thema des Buches ist kein Grund, sich nicht auch in kulturwissenschaftliche Bereiche zu begeben – so wird am Anfang erörtert, wie verschiedene Arten von Böden in anderen Sprachen bezeichnet werden und die Leser*innen aufgefordert, in ihrem Umfeld möglichst viele solcher Wörter herauszufinden.

Im Folgenden werden in dieser Weise erstaunliche Fakten herausgearbeitet, etwa die Tatsache, dass in ein bisschen Erde, die man zwischen die Finger nimmt, rund 1 Milliarde Lebewesen enthalten sind. Nach dem einführenden Kapitel wird geklärt, wie der Boden eigentlich entstanden ist – und wie lange das dauert.
Im folgenden Kapitel wird vorgestellt, wer aller im Boden lebt: hierzulande vor allem Tiere, darunter Dachse, Füchse, Spinnen und Würmer, in anderen Ländern aber gibt es auch Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen unter der Erde leben, etwa um sich vor großer Hitze zu schützen.

Der Nutzung des Bodens ist ein weiteres Kapitel gewidmet, eingeleitet mit der Erkenntnis, dass es ohne Boden nichts gäbe. Was wiederum thematisch bereits zum letzten, besonders wichtigen Kapitel überleitet – die Relevanz des Bodens für das Klima. Natürlich mit einigen konkreten Anregungen, was für den Klimaschutz getan werden kann.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – der Text richtet sich an Kinder im Volksschulalter, ist dementsprechend gestaltet und kann daher auch gut selbst gelesen werden. Komplexere Begriffe wie Vegetation, Muttergestein oder Nematoden werden gut verständlich erklärt.

SPRECHEN – in seinem witzigen Stil liefert das Buch jede Menge Gesprächsanlässe über die darin enthaltenen Themen. Findest du Regenwürmer faszinierend, grauslich – oder beides? Bist du schon einmal mit Ameisensäure in Kontakt gekommen? Wie verhinderst du Lebensmittelverschwendung?

TUN – das Buch ist als interaktives Geschehen angelegt und beinhaltet einige Seiten, an denen selber getan werden darf und soll. Darunter ein Brettspiel auf Vor- und Nachsatzpapier sowie einige Seiten, auf denen gemalt und geschrieben werden kann. Darüber hinaus gibt es natürlich in der konkreten Beschäftigung mit dem Boden einiges zu tun – nicht zuletzt den spezifischen Geruch einer Handvoll Erde zu beschnuppern und sich vorzustellen, wie viele Lebewesen wohl darin enthalten sind.


Kathrin Wexberg

 

 


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