Gerstenberg 2024.
40 S.

Volker Mehnert und Claudia Lieb: Unterirdische Wunderwelten. Grotten, Tunnel, Tropfsteinhöhlen

Ab in die Unterwelt! Wer sich jetzt im Juni eine kurze Pause vom immer heißer werdenden  Sommerwetter genehmigen möchte, kann sich mit dem vorliegenden Sachbuch in kühle Höhlen und dunkle Grotten in die Tiefen der Erde begeben. Mit dem Titel „Unterirdische Wunderwelten“ stellt das von Volker Mehnert verfasste Werk 18 verschiedene Orte vor, die dem ersten Anschein nach kaum Gemeinsamkeiten aufweisen. Bauwerke, wie die Königsgräber von Theben, palastartige Metro-Stationen oder Wunderwerke der Natur, wie das Innere des Vulkans Thrihnúkagigur oder das Wurzelgeflecht des Baumes Pando, treffen sich dem Punkt, dass ihre jeweilige Stätte tief im Untergrund, im Verborgenen liegt. Sie befinden sich unter der Erde, Felsen oder sogar Sanddünen. Zum Teil sind diese versteckten Orte von Menschen gemacht - kürzlich erbaut oder tausende Jahre alt. Zum anderen sind sie auf ganz natürliche Weise über mehrere Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende hinweg aufgrund von klimatischen Veränderungen, Vulkanausbrüchen und anderen Naturschauspielen entstanden. Wer dieses Buch in die Hände nimmt, begibt sich auf eine Reise rund um den Globus und entdeckt verschiedenste unterirdische Orte der Kontinente, fernab jeglichen Sonnenlichts. 

Wie verschieden und gleichermaßen einzigartig diese Orte des Untergrunds sein können, wird z. B. an Plätzen wie den Höhlen der Waitomo Caves, deren dunkles Inneres durch Glühwürmchen erleuchtet wird, oder an den altertümlichen Städten in der Türkei, die bis zu 60 Meter tief in die Erde ragen, ersichtlich. Einige verborgene Plätze wiederum wurden aufgrund ihrer Besonderheiten als heilige Orte verehrt, wie etwa in der Kultur der Mayas das unterirdische Wasserbecken der Cenoten. Andere dienten im Gegensatz dazu wirtschaftlichen Zwecken, wie beispielsweise das Salzbergwerk in Wieliczka. Was diese Orte wiederum vereint, ist, dass sie jeweils für sich reiche Geschichte und erdkundliches Wissen in sich bergen. Dieses Sachbuch bietet somit Informationen zu diversen Hintergründen der verborgenen Welten. Neben geographischem und geologischem Faktenwissen über Entstehung und Struktur reichen die Angaben bis hin zu historischen und kulturellen Aspekten. 

Die behandelten Plätze des Untergrundes werden durch die von Claudia Lieb stammenden Illustrationen passend visualisiert. Grund- und Aufrisse werden schematisch dargestellt sowie diverse Landkarten zur Orientierung beigefügt. Die Illustrationen stellen jedoch nicht nur bildlich dar, sondern heben einzelne Besonderheiten hervor und unterstreichen den Eindruck des Sonderbaren. Je eine Doppelseite widmet sich einer Stätte im Untergrund. Mit jedem Umblättern gelangt man somit zu einer neuen unterirdischen Destination - zu einem Ort des wunderbar Verborgenen. 

LESEN – SPRECHEN – TUN


LESEN – Die einzelnen Textpassagen, die die unterirdischen Orte mit umfassenden kontextuellen Wissen  versehen, sind in kurze Abschnitte verpackt und leicht verständlich erklärt. Es werden Verbindungen zu historischen Fakten und Entdeckungsgeschichten individueller Personen bis hin zu literarischen Werken, Legenden und Mythen hergestellt. Auch Sprichwörter und kürzere Weisheiten sowie Schlagzeilen aus alten Zeitungsartikeln oder Namensbedeutungen ergänzen die Texte sinnvoll und fördern das Lesevergnügen. 

SPRECHEN – Das Sachbuch bietet mit seinen interessanten, geheimnisvollen und teilweise gruseligen Inhalten genügend Themen für Gesprächsstoff. Es lädt ein, im Freundeskreis, in der Familie darüber zu diskutieren und im gemeinsamen Austausch diese faszinierenden Wunderwelten zu ergründen. 

TUN – Es verlangt vielseitigen Einsatz und umfassende Förderung, diese Stätten zu bewahren. Einige dieser unterirdischen Orte sind für Besucher*innen sogar zugänglich, aus deren Einnahmen zumeist entsprechende Erhaltungsmaßnahmen finanziert werden. Zum Schutz dieser Plätze zählt aber nicht nur der Einsatz vor Ort, sondern auch die Weitergabe von Wissen. Denn so versteckt diese Wunderwelten im Untergrund auch liegen mögen, die Kenntnis über ihre Existenz und Geschichte sollte der Oberwelt jedoch keineswegs verborgen bleiben. 


Elisa Klemmer


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