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Vorbereitung für den großen Showdown

Rezension zu "Harry Potter und der Halbblutprinz"
von Michaela und Markus Grames

Eines vorweg: Zwei Jahre Warten auf Harry Potter, Band 6 haben sich gelohnt - aber für Joanne K. Rowlings Fangemeinde stand dies wohl ohnehin immer außer Zweifel. Im jüngsten Band wird alsbald deutlich, dass das große Finale vor der Tür steht und der "Half-Blood Prince" die letzte Vorbereitung für den zu erwartenden Showdown in Band sieben darstellt. Rowling nützt Band 6, um die Aufgabenstellung klar zu definieren, der Leser/die Leserin erfährt, was Harry tun muss, um Lord Voldemort zu besiegen, die finale Konfrontation Harry - Voldemort wird definitiv vorbereitet. Standen in den Vorgängerbänden noch die Erlebnisse des Schuljahres - Quidditch-Turnier, die Erringung des Hogwart-Cups, emotionale Beziehungen zwischen den Schülern, etc. - im Zentrum, so treten diese Motive nun mehr und mehr in den Hintergrund, als wolle die Autorin den Weg fürs Wesentliche freischaufeln. Die kindlichen Abenteuer, die Harry und seine Gefährten bis dato in Anspruch nahmen, verlieren an Bedeutung, selbst die titelgebende Suche nach dem "Half-Blood Prince" hat - so scheint es - weniger Relevanz für die Handlung als der Titel vermuten lässt und wird fast beiläufig aufgelöst. Aus den Zauberschülern sind im sechsten Schuljahr Teenager geworden, die Charaktere sind ausgereifter, haben sich fix positioniert und treten viel ausgeprägter und gefestigter in Erscheinung als in früheren Bänden.

Viele offene Fragen klären sich nunmehr für den Leser/die Leserin auf. Er erfährt, dass der "Dark Lord" zur Sicherung seines Lebens seine Seele in sieben Teile gespalten und sechs davon in sicher versteckte "Horcruxe" umgewandelt hat, sodass er unsterblich ist, solange auch nur einer davon existiert, was die Erklärung dafür liefert, warum Albus Dumbledore, der von zumindest einem Horcrux wusste, nie versucht hat, Voldemort zu töten. Der Leser/die Leserin weiss nun um Harrys finale Mission Bescheid, weiss, was dieser zu tun hat, um letztendlich die Oberhand gegen seinen Widersacher zu behalten. Rowling hat damit nur einmal mehr bewiesen, wie raffiniert die Harry-Potter-Reihe offenbar von Anfang an durchstrukturiert war, bieten diese "Horcruxe" doch ein perfektes Vehikel, um in vorangegangenen Bänden nach Spuren und versteckten Hinweisen auf ihre Existenz zu suchen.

Freilich lässt Rowling als Meisterin der Spannung wiederum jede Menge Fragen offen. Hat der Leser/die Leserin nach Band 5 darauf gehofft, dass Rowling Licht ins Dunkel um Sirius Blacks Tod bringt, so wird er enttäuscht und kann weiterhin nur spekulieren. Auch die seit Band 1 vakanten Fragen rund um die extrem ambivalente Figur des Severus Snape werden nur scheinbar aufgelöst, und man darf annehmen, dass diesem noch eine gewichtige Rolle zugedacht wird, gelingt es der Autorin doch wiederum raffiniert, den Leser/die Leserin im Dunkeln tappen zu lassen, welcher Seite Harrys Erzfeind zugetan ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Joanne K. Rowling ihren erzählerischen Qualitäten der Vorgängerbände treu geblieben ist und sich durchaus literarisch weiterentwickelt hat. Die Raffinesse, mit der sie es versteht, oftmals nahezu beiläufig eingestreuten Bemerkungen Bedeutung zu verleihen und jeder scheinbar nebensächlichen Szene im nachhinein Relevanz zu verleihen, fasziniert immer wieder und liefert der Fan-Community neuerlich jede Menge Stoff, die Wartezeit bis zum nächsten Band zu überbrücken. Die Vereinigung von komplexem Adoleszenroman, Fantasy und fesselnder Krimispannung macht auch den jüngsten Harry Potter Band einzigartig und erklärt den überwältigenden weltweiten Erfolg der Reihe bei Alt und Jung per se.

Michaela Grames ist Chefsekretärin am Flughafen Salzburg, Markus Grames ist Techniker

 

 


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