Tyrolia 2021.
€ 21,95.

Melanie Laibl und Lukas Vogl: Schau wie schlau

Alles, was Flügel hat fliegt. Der Vogel? Fliegt. Das Flugzeug? Fliegt auch. Dass es zwischen diesen beiden Flugobjekten eine bionische Verbindung gibt, das kann man in diesem wunderbaren Sachbuch erfahren. Zunächst aber die entscheidende Frage: Was ist Bio-nik überhaupt? Hier hilft – wie so oft – die Arbeit am Wort, denn hinter diesem überaus wissenschaftlich klingenden Wort verstecken sich die beiden Disziplinen Bio-logie und Tech-nik. Zusammengezogen ergibt sich daraus jene Wissenschaft, die erforscht, was man aus den Wundern der Natur lernen kann, um sich für die Konstruktion neuer technischer Wunder inspirieren zu lassen.

In einem harmonischen Zusammenspiel aus Bild und Text stellt dieses Sachbilderbuch zahlreichen Fragen nach den kuriosesten Zusammenhängen: Was haben Pinguine und Raketen gemeinsam? Inwiefern konnten achtbeinige Insekten als Vorbild technischer Errungenschaften dienen? Und welchen Zusammenhang gibt es zwischen einer Seerose und dem Wiener Palmenhaus? Mit humorvollen Texten, in denen die kuriosesten Fakten berichtet werden, nähern sich Autorin und Illustrator spielend leicht diesem spannenden Thema an. Einzug finden dabei auch verschiedene Textformen: Gespielt wird mit Sprache in kleinen lyrischen Abschnitten oder witzigen Wortdrehereien. Beeindruckend sind dabei immer auch die illustratorischen Details, die auf jeder Doppelseite zu entdecken sind: Da krabbelt beispielsweise auf jener Doppelseite, die sich den achtbeinigen Superheldinnen (alias Spinnenwesen) widmet, der Text den Bildrand entlang.

In vier Kapiteln wird der Bogen von Tieren als bionischen Vorbildern über Pflanzen, Kristalle und schließlich den Menschen als Vorbild für die Wunder der Technik gespannt. Wissens- wie Staunenswertes wird dabei humorvoll verhandelt: Berichtet wird von einer Roboterdame, die 60 Gesichtsausdrücke dechiffrieren kann und in Saudi-Arabien bereits die Staatsbürgerschaft verliehen bekam, weil sie so menschenähnlich ist. Es werden aber ebenso medizinisch-technischen Errungenschaften wie Arm- und Beinprothesen aufgegriffen, die den Alltag vieler Menschen erleichtern. Schau wie schlau lautet dabei das titelgebende Motto. Und geschaut werden kann viel in diesem stimmigen Sachbuch: Der Blick fällt auf Kurioses wie Suspektes, Neues wie Altbekanntes, Lustiges wie zum Nachdenken Anregendes. Und am Ende fällt der Blick sogar in die Sterne, wenn auf dem Nachsatzpapier vor einem mystisch-violettem Sternenhimmel mögliche bionische Errungenschaften der Zukunft abzulesen sind. Fazit: Ein Sachbuch, das auf jeden Fall einen Blick wert ist – und zwar einen sehr ausgiebigen.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Ob allein, zu zweit oder zu mehrt: Über Kurioses und Suspektes lässt es sich mit viel Interesse schmökern. In „Schau wie schlau sind komplexe Zusammenhänge verständlich und humorvoll aufbereitet und machen Lust, ganz in der Lektüre über die Zusammenhänge zwischen Natur und Technik zu versinken.

SPRECHEN – Kuriose Fakten laden natürlich dazu ein, sich ausgiebig darüber auszutauschen. Was könnte nicht alles als Vorbild für technische Wunderdinge dienen? Und welche technischen Hilfsmittel aus dem Alltag könnten von den vielzitierten Wundern der Natur inspiriert sein?

TUN – Wem das Lesen nicht genug ist, kann sich mit diesem Sachbilderbuch bewaffnet auf die Reise durch die eigene Alltagswelt begeben: Wo finden sich Gegenstände und Werkzeuge, Geräte und Hilfsmittel, die von tierischen, pflanzlichen oder menschlichen Vorbildern beeinflusst sein können?

Julia Lückl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Jacoby & Stuart 2021.
€ 12,95.

Ivar Ekeland/ Lécroart Étienne: Der Zufall

Der neue Band der Reihe „Comic-Bibliothek des Wissens“ beschäftigt sich mit der mathematischen Sicht auf Zufälle: von der Chaos- bis zur Wahrscheinlichkeitstheorie. Wie sehr Zufälle unser Leben bestimmen wird gleich zu Beginn mit mehreren Beispielen verdeutlicht. Schon für die Entstehung des Buches braucht es mehrere unvorhersehbare Ereignisse, wie das zufällige Entdecken eines Vortrages von Ivar Ekeland, der David Vandermeulen (der Herausgeber der Reihe) begeisterte. Auch bei früheren Wahlen war in Venezien der Zufall entscheidend. Neben aktuellen Beispielen von Zufällen wie Wetterprognosen oder Elfmeterschießen, gibt es eine historische Einordnung der mathematischen Theorien. Dabei zeigt sich, dass das Forschungsfeld rund um die Chaostheorie noch relativ jung ist. Nach dem Begründer der Chaostheorie Henri Poincaré (1854­1912) gab es eine breitere wissenschaftliche Auseinandersetzung damit erst wieder ab den 1950er-Jahren mit der Hilfe von Computern. Die Computer und ihre große Rechenleistung in kürzester Zeit sind es auch, mit denen der Zufall herbeigeführt werden kann.

Dem Sachbuch-Comic gelingt es mit viel Humor Wissen zu vermitteln. Denn neben mathematischen Persönlichkeiten gibt es auch weitere Figuren, wie etwa Fortuna, die Göttin des Glücks und Zufalls. Eine zusätzliche sehr unterhaltsame Ebene ist der Schmetterling, der immer wieder kommentierend auftaucht - aber auch das geschieht keineswegs zufällig. Vielmehr ist er eine Anspielung auf den Vortrag des Meteorologen Edward Lorenz mit dem Titel „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“. Durch lustige Anspielungen, historische Bezüge und Verweise auf den Alltag wird ein Fachbereich der Mathematik auf eine Art und Weise erklärt, die sich für alle ab 12 Jahren eignet. Auch wenn für manche nach dem Sachbuch vielleicht nicht alles klar ist: Es zeigt sich, dass Zufälle berechenbar sind und damit – so wie Ekeland am Ende auch Spinoza zitiert – durch die Mathematik Ewigkeit erfahren werden kann. 



LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Der unterhaltsame Comic lädt dazu ein, sich in die mathematischen Theorien rund um Zufälle einzulesen.

SPRECHEN – Im Buch wird nicht trockene Mathematik durch komplizierte Formeln erklärt sondern im Gespräch zwischen dem Autor Ivar Ekeland und dem Illustrator Lécroart Étienne verständlich und unterhaltsam veranschaulicht.

TUN – Verweise auf Alltägliches, wie Wetterprognosen oder Würfelspiele laden dazu ein, einen Blick auf die Zufälle zu werfen oder Wissen aus dem Buch für sich zu nutzen: Etwa beim nächsten Würfelspiel auf jeden Fall einen Würfelbecher zu verwenden.

 

Melanie Reder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Aus d. Engl. v. Frederik Kugler.
Laurence King 2021.
€ 18,00.

Giles Sparrow und James Weston Lewis: Die Geheimnisse des Himmels. Galileo und das erstaunliche Sonnensystem

Der Blick auf das unsichtbare Ferne – ebendiesen eröffnete Galileo Galilei mit seinem 1611 entwickelten Teleskop. Das Sachbilderbuch von Giles Sparrow und James Weston Lewis folgt diesem Blick durch das Fernrohr, wie bereits auf dem Vorsatzpapier deutlich wird: Gegenübergestellt werden hier eine Sternenkarte mit den durch das Teleskop sichtbaren Sternbildern und ein Himmelsatlas mit den zugehörigen Sternzeichen. Die titelgebenden Geheimnisse des Himmels – die Sterne und der Lauf der Planeten – sind allerdings nicht das einzige Thema, um das sich dieses Sachbuch dreht. Im Zentrum steht vielmehr das Leben und die Lehren des Galileo Galilei, der auf dem Weg zur Erforschung der Geheimnisse des Himmels einiges beitragen konnte: Neben der Weiterentwicklung des Teleskops, der Erfindung der Hydrowaage und der Wasserpumpe folgten einigen Arbeiten zur Gravitation. Wohl am bekanntesten ist seine Lehre des heliozentrischen Weltbildes, das auch in Galileis Biografie seine Spure hinterließ: Die Kirche sah darin eine Provokation, ein Postulat, das sich nicht mit den Lehren der Bibel vereinbaren ließ – und Galilei musste die Konsequenzen dafür tragen. Nach monatelangen Verhören durch die Inquisition wurde er zum Ketzer erklärt und zu lebenslangem Hausarrest verurteilt. Erst 1992 – das erfährt der*die aufmerksame Leser*in dieses Sachbuchs – entschuldigte sich die Kirche für seine ungerechtfertigte Verurteilung.
„Die Geheimnisse des Himmels“ enden allerdings nicht mit dem Ende von Galileis Leben, ebenso wenig wie Galileis Wirken mit seinem Tod endete: Im weiteren Verlauf des Sachbuchs blicken wir auf die vielen kleinen und großen Schritte in der Erforschung der Geheimnisse des Universums, denen Galilei mit seiner Forschung den Weg bereiten konnte. Von Isaac Newton über Katherine Johnson bis hin zu Stephen Hawking reicht das aufgemachte Spektrum. Dabei ist nicht nur der Erzählbogen in sich stimmig, sondern ganz besonders auch die illustratorische Gestaltung von James Weston Lewis: Die mystisch wirkende Farbtrias aus Violett, Schwarz und Pink prägt die Illustrationen und macht die geheimnisvolle Atmosphäre, die der Erforschung des Universums anhaftet, auch bildlich erfahrbar. So wird die Auseinandersetzung mit Galileo Galilei und dem Universum nicht nur zu einem höchst informativen und kurzweiligen, sondern auch zu einem ästhetisch überaus ansprechenden Leseerlebnis.


LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Neben der Biografie von Galileo Galilei und einer Einführung in die Geschichte der Erforschung des Himmels vor und nach dessen Lebenszeit bietet dieses Sachbuch auch ein ausführliches Glossar, das die Terminologie der Himmelserforschung verständlich erläutert.

SPRECHEN – Die stimmig illustrierten Doppelseiten über Galileis Leben und seine Erfindungen können Ausgangspunkt sein, um mit kindlichen Leser*innen über ihr weiteres Wissen rund um den Sternenhimmel und seine Erforschung zu reden und sich über den Aufbau des Universums zu unterhalten.

TUN – Schon auf dem Vorsatzpapier, auf dem eine Himmelskarte und eine Sternenkarte zu finden sind, wird Neugier auf den Blick ins Weltall geweckt. Dass dieser Blick in den Sternenhimmel nicht nur auf den Blick auf die Illustrationen des Sternenhimmels beschränkt bleiben muss, liegt nahe: Besuche im Planetarium oder – für besonders Forschungsbegeisterte – der Blick durch ein eigenes oder geborgtes Teleskop bieten eine spannende Möglichkeit zur direkten Auseinandersetzung mit den für dieses Sachbuch titelgebenden Geheimnbissen des Himmels.

 

Wer beim Lesen dieses Sachbuches auf den Geschmack gekommen ist und sich gerne in die Physik des Weltalls vertiefen möchte, sollte auch einen Blick in Jan Paul Schuttens und Floor Rieders stimmiges Sachbuch „Das Weltall“ werfen, das im September >>> MINT-Buch des Monats war.

Julia Lückl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Aus d. Niederländ. v. Verena Kiefer..
Gerstenberg 2021.
€ 26, 90.

Jan Paul Schutten und Floor Rieder: Das Weltall

Wie ist das Universum entstanden? Was ist dunkle Materie? Vielleicht sind das 2 Fragen, die du nie hattest und auf die du nie eine Antwort wolltest, wie Jan Paul Schutten es in seinem Sachbilderbuch rund um das Weltall formuliert. Aufgegriffen werden sie trotzdem – und viel mehr als nur diese beiden, denn in dieser Einführung in die Physik des Weltalls geht es um nichts weniger als die großen Fragen des Universums: Gibt es eine Schöpfungsinstanz, die das Weltall erschaffen hat? Wird das Universum irgendwann enden? Und auch, wenn es nicht auf alle Fragen endgültige Antworten gibt – denn, wenn ich die Antworten wüsste, würdest du mich auf einer tropischen Insel finden. In einer Hängematte, Cocktails schlürfend, […], weil ich die schwierigsten Fragen auf Erden beantwortet hätte –, ist man nach der Lektüre dieses Sachbuches definitiv schlauer als vorher.

523 Fakten werden dem Vorwort zufolge in diesem Sachbuch vermittelt. Da könnte man leicht den Überblick verlieren, wäre da nicht die Erzählinstanz, die die Leser*innen gekonnt durch die Geschichte des Universums und die Prinzipien der Quantenphysik manövriert: Ich zähle jetzt rückwärts und los geht`s: 3 … 2 … 1 … 0 … Blitz. In dieser inszenierten Erzählsituation geht es weiter durch die fünf Kapitel des Sachbuchs: Neben Wissenswertem zum Thema Zeitreisen und dem Aufbau des Universums führt die Lesereise zu Albert Einstein (samt einer tatsächlich verständlichen Erklärung seiner berühmten Formel E=MC2) und der Quantenmechanik. Im letzten Kapitel wird es dann etwas philosophischer, wenn die Frage gestellt wird: Wer hat unser Universum gemacht?

Diskutiert werden all diese Themen aus einer physikalischen Perspektive. Wer Physik als das langweiligste oder gefürchtetste Fach der eigenen Schulkarriere erlebt oder in Erinnerung hat, sollte dieses Buch allerdings trotzdem nicht von vorne herein abschreiben, denn vermittelt wird nicht einfach trockenes Faktenwissen: Kuriose Details führen an die Themen heran – wer wüsste schon, dass wir am 14. September 2015 alle ein wenig in die Länge geschrumpft und in die Breite gegangen sind, wenn er*sie nicht in diesem Sachbuch geschmökert hätte? (Für alle Neugierigen: Vor 1,3 Milliarden Jahren sind zwei Gravitationsfelder zusammengestoßen, wobei Gravitationswellen entstanden sind, die in den letzten 1,3 Milliarden Jahren auf die Erde gereist sind und alles und jede*n um 0, 000 000 000 000 000 000 001 Meter schrumpfen ließen.)

Die Wissensvermittlung beschränkt sich allerdings nicht auf den Text von Jan Paul Schutten: In wunderschönen Illustrationen gelingt es Floor Rieder nicht nur die im Text erläuterten physikalischen Konzepte und Theorien zu veranschaulichen und auf eine verständliche Ebene herunterzubrechen, sondern darüber hinaus mit viel Bildwitz und einigen Comicelementen die bloße Wissensvermittlung ästhetisch aufzupeppen. Auf einzelnen Doppelseiten wird in den Illustrationen mit Wimmelcharakter beispielsweise der makroskopische Aufbau des Universums dargestellt oder das Standardmodell der Quanten als belebtes Wohnhaus inszeniert. Besonders hervorzuheben ist dabei die stimmige Farbgestaltung mit den drei Schmuckfarben Orange, Gold und Graublau. Übernommen wird diese Farbtrias auch in die Schriftgestaltung des Sachbuches, das über ein Doppelseitenprinzip funktioniert: Auf jeweils einer Doppelseite wird ein Thema behandelt, das kreativ betitelt ist und auf das in einem kurzen vorangestellten Opener neugierig gemacht wird. Danach erfolgt in Bild und Text die Erläuterung der jeweiligen Fragestellung. Dieses Doppelseitenkonzept zieht sich durch das gesamte Sachbuch und bildet damit einerseits einen gestalterischen roten Faden, andererseits erhält das Buch durch die einzelnen voneinander mehr oder weniger unabhängigen Beiträge auch Lexikon-Charakter, der zum Schmökern und Wissen-Anhäufen einlädt.
Fazit: Eine grandiose Einführung in die mikroskopischen und makroskopischen Geheimnisse des Universums.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Die themenspezifisch gestalteten Doppelseiten können wie in einem Lexikon auch getrennt voneinander gelesen werden, gerne auch nach dem Prinzip „Zufall“: Einfach irgendwo aufschlagen und hineinschmökern.

SPRECHEN – Neben einer Vielzahl an physikalischen Themen, über die gemeinsam nachgegrübelt werden kann, sind es auch philosophische Fragestellungen, die zum lauten Nachdenken anregen: Gibt es eine Schöpfungsinstanz? Was bedeutet Unendlichkeit? Nicht zuletzt ist die reflexive Auseinandersetzung mit den Inhalten auch im Buch selbst angelegt – beispielsweise, wenn im Nachwort die Wichtigkeit des Zweifelns und Hinterfragens von bereits bestehendem Wissen betont wird. In den einzelnen Kapiteln gibt es hierfür die Kategorie „Kurz mal innehalten“, die in kleinen Textblöcken auf einigen Doppelseiten zu finden ist. In diesen Bereichen finden sich Gesprächsanstöße für Wissensreflexion, Gedankenexkurse und weiterführende Fragestellungen, die gemeinsam diskutiert werden können.

TUN – In Text und Bild findet man Experimentieranleitungen, die die physikalischen Prinzipien, die in diesem Sachbuch behandelt werden, wortwörtlich greifbar machen. Von einer Bauanleitung für einen Elektromagneten bis zu Experimenten mit 1-Euro-Münzen ist für jede*n etwas dabei.

Julia Lückl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Aus d. Niederländ. v. Christina Brunnenkamp.
Beltz&Gelberg 2021.
€ 25, 60.

Peter Goes: Die Zeitreise. Wissenschaft und Technik

2016 hat Peter Goes den ersten Teil der Zeitreise vorgelegt: Im großformatigen Buch mit blauem Cover konzentrierte sich der belgische Autor und Illustrator auf die Entstehung der Erde mit all ihren Lebewesen. „Vom Urknall bis heute“ lautete dabei der Untertitel. Dieses Mal in orange gehalten beschäftigt sich Goes nun sozusagen weiterführend mit „Wissenschaft und Technik“.
Beginnend bei der Steinzeit wird ein Streifzug durch all die technischen Errungenschaften der Menschheit gemacht. Je Doppelseite, der stets eine eigene Farbe als Grundton gegeben wird, findet sich so ein Kaleidoskop von Erfindungen, technischen Fortschritten und Glanzleistungen. Die Zeiteinteilung orientiert sich dabei zunächst an den Epochen, geht über zu Jahrhunderten bis im 19. Jahrhundert aufgrund der zahlreichen Erfindungen schließlich in Jahrzehnte unterteilt wird. Auch wenn man bei „Wissenschaft und Technik“ zunächst vielleicht „nur“ an Naturwissenschaften denkt, finden auch Geisteswissenschaften wie etwa die Philosophie oder Theologie Einzug. Der Blick reicht dabei von gehärteten Pfeilspitzen in der Steinzeit über die Verwendung von Schöpfrädern in den ersten chinesischen Dynastien und die Lehren des Thomas von Aquin bis hin zu Raketentechnologien und die Erfindung des Walkmans.

Dominiert wird jede Doppelseite von einem mittig quer über beide Seiten verlaufenden schwarzen Balken, der die Seite trennt und gleichzeitig Raum für drei Bildebenen schafft, auf die die unterschiedlichsten Szenen für die jeweilige Epoche oder Zeitspanne gesetzt sind. Einem Wimmelbild gleich werden so realistisch, aber auch phantastisch anmutende Illustrationen mit wenig Text erklärt, während am Bildrand die Zeitspanne kurz umrissen wird. Dabei wirken die Seiten nicht überladen, sondern laden vielmehr dazu ein, das Buch immer wieder durchzublättern und dabei sowohl neue Bild-Details als auch neue Informationen zu entdecken.

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LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – die kurzen, in klarer Sprache formulierten Texte bieten Anreiz dieses Buch mit jüngeren Kindern gemeinsam zu lesen.

SPRECHEN – die umfassenden Erfindungen und Errungenschaften, die auf Bild- und Textebene angeführt werden, eignen sich, mit Kindern darüber zu sprechen, welche Erfindungen sie kennen, welche in ihrem täglichen Leben vorkommen und was ihnen vielleicht gänzlich unbekannt ist.

TUN – eEinige Erfindungen lassen sich gut als kleine Experimente mit Kindern durchführen. So kann beispielsweise der Buchdruck herangezogen werden, um eigene Stempel anzufertigen oder die Erfindungen rund um Raketen Anstoß sein, selbst eine Rakete aus einer PET-Flasche zu bauen und draußen fliegen zu lasse

Alexandra Hofer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Nilpferd 2021.
€ 16,95.

Miro Poferl: Radieschenmaus und Kuschelgurke. Geschichten aus der Gärtnerei

Geschichten aus der Gärtnerei lautet der Untertitel dieses Buches, und das ist insofern sehr zutreffend, als unterschiedliche Personen zu Wort kommen beziehungsweise ihre Geschichten erzählen. Das sind in erster Linie Alma und Joseph, die als Kinder eines Gärtners im wahrsten Sinne des Wortes mitten im Gemüse aufwachsen und in launigen erzählenden Texten aus dem Jahreskreis berichten. Dabei stellen sie viel Kreativität und Einfallsreichtum unter Beweis, wenn etwa als Aprilscherz Mäuse in der Kühlung, einem zimmergroßen Kühlschrank für das Gemüse, gelagert werden. Mäuse?! Natürlich keine lebenden, denen die konstanten 6 Grad nicht so gut bekommen würden, sondern selbstgeschnitzte Radieschenmäuse, für die es im Anschluss an den Erzähltext eine ansprechend gestaltete Anleitung gibt. Das ist nur einer von 9 praktischen Mitmach-Tipps, die dem Erzählten jeweils nachgereicht werden.
Sachinformationen über unterschiedlichen Themenstellungen rund um das Gärtnern werden auf unterschiedliche Arten vermittelt: Zunächst durch die Texte selbst, in denen nicht nur erwähnt wird, wann welche Pflanzen wachsen, sondern auch herauskommt, dass das ganze Rundherum ziemlich viel Arbeit für den Papa ist. Dann über die praktischen Tipps, die Aspekte des Textes weiterführen; und zuletzt informative Doppelseiten, die etwa über Nützlinge und Schädlinge in der Gärtnerei aufklären oder zeigen, wann welches Obst und Gemüse bei uns Saison hat. Der Text, der wie die Illustrationen von Miro Poferl stammt, überzeugt nicht nur durch seine gärtnerische Genauigkeit, sondern auch seinen Witz, wenn etwa betont wird:
„Merke! Mit „Gärtner“ ist in der Regel nicht „Kindergärtner“ gemeint. Aber dafür verkauft der Papa uns auch nicht auf dem Markt. (S. 30.)“


LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – die kurzen erzählenden Texte, die sich am Ablauf eines Jahres orientieren, können hintereinander gelesen werden, eignen sich aber auch wunderbar, um z.B. im Rahmen eines Schulprojektes zum Thema Garten einzeln vorgelesen zu werden.

SPRECHEN – unterschiedliche Aspekte, die von den erzählenden Kindern in den Texten angesprochen werden, können im Gespräch vertieft werden: Wer von uns isst gerne Sellerie, wer eher weniger? Finden wir die Idee einer Kuschelgurke ansprechend oder eher absurd? Auch die im Text verwendeten bundesdeutschen Begriffe wie Pfannkuchen oder Möhre können im Gespräch „übersetzt“ werden.

TUN – das Buch bietet zahlreiche detailliert ausformulierte Anregungen zum selber tun, die vom saisonalen Rezept bis zur nachhaltigen Bastelanleitung reichen.

Alexandra Hofer/Kathrin Wexberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


cbj 2021.
€ 22,90.

Katharina Weiss-Tuider and Christian Schneider: Expedition Polarstern. Dem Klimawandel auf der Spur


Von September 2019 bis Oktober 2020 fand die bisher größte Arktisexpedition statt, um den Klimawandel besser erforschen zu können. Dieser einzigartigen Forschungsreise folgt das Sachbuch von Katharina Weiss-Tuider, die selbst als Kommunikationsmanagerin mit an Bord war.

In den Klimamodellen war die Arktis das fehlende Puzzleteil, für das aufgrund nicht vorhandener Daten nur Vermutungen in die Berechnungen miteinbezogen werden konnten. Die Arktis ist jedoch für das Weltklima entscheidend, sie ist sozusagen die „Wetterküche“, deren Auswirkungen überall spürbar sind. So verändert sich etwa das für unser Klima wichtige Windband Jetstream. Hat es sonst die Arktis von den gemäßigten Breiten getrennt, ist der Schlängelkurs für die Kältewellen in der USA sowie für die extremen Hitzeperioden in Europa im Sommer verantwortlich. Um in der Arktis wichtige Daten zu erheben und sie während der Polarnacht zu erforschen, hat sich das Forschungsschiff bei der MOSAiC-Expedition an eine Eisscholle festgemacht, einfrieren und sich mehrere Monate mitdriften lassen.

Das Sachbuch erklärt nicht nur Klimaphänomene, sondern ordnet die Arktisexpedition historisch ein und beschreibt ebenso den Alltag auf dem Forschungseisbrecher Polarstern: wie etwa den Aufbau der Forschungsstation auf der Eisscholle, die unterschiedlichen Forschungsteams oder einen typischen Tagesablauf. Nicht nur inhaltlich bietet es verschiedenste Facetten, auch die Gestaltung ist ein Zusammenspiel unterschiedlicher Elemente. Zusätzlich zu den Illustrationen und Grafiken werden Fotos von der Expedition in den Bildraum gestellt; auf einer Doppelseite wird durch ein Foto etwa die gesamte Besatzung gezeigt und dadurch veranschaulicht, wie viele Personen und verschiedene Aufgaben für die bisher größte Arktisexpedition nötig waren (insgesamt 500 Menschen aus 20 Nationen). Manche Fakten sind als Notiz auf einem Haftzettel gestaltet, andere Hinweise durch Pfeile als Text ins Bild hinzugefügt. Durch die vielseitige Gestaltung und die unterschiedlichen inhaltlichen Aspekte werden die komplexeren Erklärungen von Klimaphänomenen aufgelockert. So wird mit dem Sachbuch verständlich, welche Rolle die Arktis für das Klima spielt und wie wenig davon bekannt war bzw. immer noch ist. Warum die Arktis gar nicht so leicht zu erforschen ist, wird ebenso immer klarer: Die Forschungsstation auf der Eisscholle war nämlich von jeglicher Zivilisation weiter entfernt als die Raumstation ISS.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Auf den Doppelseiten gibt es durch die unterschiedliche Aufbereitung sehr viele Fakten rund um die Arktis und der MOSAiC-Expedition auch außerhalb des Textblocks zu lesen.

SPRECHEN – Möglichkeiten für das Klima laut zu werden, sind im Buch durchaus humorvoll aufgezeigt: statt Papierkugeln während des Unterrichts zu werfen, könnte etwa das Thema Klimaschutz in den Unterricht eingebracht werden.

TUN – Für die Handlungsvorschläge wird betont, dass jeder kleine Schritt zur Klimarettung einen Unterschied macht. Was getan werden kann, zeigen die konkreten Tipps für die Reduktion des eigenen ökologischen Fußabdrucks oder Vorschläge von möglichen Zukunftsplänen (Freiwilliges Ökologisches Jahr, nachhaltige Berufswahl oder eine eigene Klimakampagne gründen).

Melanie Reder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Mit Illustrationen von Barbara Jung.
Tulipan 2021.
€ 14,40.

Nikola Huppertz: Schön wie die Acht

“Die Zahlen brauchen nur sich selbst.” (S. 26.)

Das ist bei Ich-Erzähler, Malte, 12, irgendwie ähnlich: Er ist ein tougher und zielstrebiger Kerl, übt eifrig für die Mathe-Olympiade, das Familienleben mit Mama und Papa ist soweit harmonisch, dass er kaum Freunde hat, stört ihn eigentlich nicht. 

Doch dann zieht seine siebzehnjährige Halbschwester Josefine vorübergehend bei ihnen ein, weil ihre Mutter nach einer Krebserkrankung auf Reha ist. Vom gepiercten Äußeren bis zu ihren spitzen Bemerkungen ist sie ganz auf Krawall gebürstet, schwänzt Schule und macht Andeutungen, die Malte beunruhigen und sein Weltbild ein Stück weit ins Wanken bringen: Haben ihm seine Eltern doch nicht die Wahrheit gesagt, wie das damals war, mit der ersten Familie des Vaters? Als wäre das nicht genug der Verunsicherung, plagen ihn amouröse Verwicklungen: Denn Lale, die neu in seiner Mathe-AG ist, macht ihm zwar Sorgen als ernstzunehmende Konkurrentin, gefällt aber sonst ausnehmend gut. 

Malte ist völlig überfordert mit all diesen Veränderungen, die mit dem vertrauten Regelwerk der Mathematik nicht in den Griff zu bekommen sind. Diese schmerzliche Erkenntnis erinnert ihn an eine andere:

Und ich muss daran denken, wie es war, als ich als kleines Kind nur die natürlichen Zahlen kannte, zum Beispiel die Drei wie Mama-Papa-Malte und die Fünf wie die Finger an jeder Hand und natürlich die Acht, die schöne Acht. Aber dann, irgendwann, ist mir klar geworden, dass es auch negative Zahlen gibt, die weniger darstellen als nichts, und Brüche, die eher Verhältnisse von Zahlen sind, und irrationale Zahlen mit ihren nicht enden wollenden Nachkommastellen. Ich hab geweint und geweint, doch das hat nichts genützt, es ist nie wieder so geworden wie vorher. Man kann vielleicht die Regeln und Axiome lernen, aber man kann einfach nicht so tun, als gäbe es kein Pi, keine Wurzel aus Zwei und keine Unendlichkeit.
So sehr man es sich auch wünscht. (S. 62.)

Die Mathematik als sein zentrales Lebensthema wird in den Vignetten und Illustrationen von Barbara Jung, vor allem aber auch dem wunderbaren Cover voller gekritzelter Zahlen und Formeln, gespiegelt. Aber wenn man gerade in jener schwierigen Altersphase zwischen Kind und Jugend, sich ablösen und gleichzeitig beschützt sein wollen, steckt, hilft die zuverlässigste Gleichung nicht weiter. Und auch die Eltern, die ihn mit ihrer Lebenslüge tief enttäuscht haben, sind keine Hilfe. Zur zentralen Bezugsperson und Ratgeberin in diesem Gefühlswirrwarr wird ihm ausgerechnet die bis dahin so fremde neue Schwester. Besondere Pointe: Sie teilt seine Begeisterung für Zahlen nicht nur nicht, sondern ihr Herz schlägt für etwas scheinbar völlig Gegensätzliches: Gedichte. Doch vielleicht haben Zahlen und Lyrik eine größere Schnittmenge, als man vermuten würde? 


LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – der Roman, in dem Nikola Huppertz ihrem Erzähler eine wunderbar authentische Stimme verleiht, liest sich schnell und packend. Burschen und Mädchen ab 12 Jahren, ob mathematikbegeistert oder nicht, werden sich beim Lesen darin wiederfinden. 

SPRECHEN – die Themen, mit denen Malte sich auseinandersetzt, bieten eine Vielzahl an Gesprächsanlässen für junge Leser*innen: wie ist das, wenn man die Eltern bei einer Lüge ertappt? Was macht Familie aus und wer gehört eigentlich dazu? Wie schafft man es, in einer Nachricht an jemanden, den man sehr mag, den richtigen Ton zu finden?

TUN – anders als der Titel vermuten lassen würde, macht die Lektüre des Buches weniger Lust auf Mathematik, als auf Lyrik: denn zu seinen berührendsten Passagen gehört jenes Gedicht, das sozusagen von Mathematik-Genie Malte und seiner neu liebgewonnenen großen Schwester stammt.


Kathrin Wexberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Aus d. Niederländ. v. Stfanie Ochel.
Mit Illustrationen von Sebastian van Doninck
Hanser 2020.
€ 15,90.

Marc van Ranst/Geert Bouckaert: Monster-Mikroben. Alles über nützliche Bakterien und fiese Viren.

Von A wie Aerosol bis Z wie AstraZeneca – ein Jahr Pandemie hat unser aller virologisches und epidemiologisches Wissen (und nicht zuletzt das Bewusstsein, dass dies zwei unterschiedliche Disziplinen sind!) nachhaltig verändert. Aber wie war das nochmal mit den Basics? Was ist der Unterschied zwischen Bakterien und Mikroben? Wie sehen sie eigentlich aus und wo kommen sie vor? All diese Fragen klären hier zwei versierte Fachleute: Marc van Ranst ist Professor für Mikrobiologie und Immunologie an der Katholischen Universität Leuven, Geert Bouckaert Journalist, Schriftsteller und Fernsehproduzent. Diese unterschiedliche Expertise setzen die beiden Autoren gekonnt ein, um komplexe Sachverhalte für Kinder ab dem jüngeren Volksschulalter aufzu-bereiten. Sprachlich setzen sie dabei auf anschauliche Ver-gleiche. Um zu verdeutlichen, dass wir Menschen im Vergleich zu Mikroben, der ältesten Lebensform der Erde, eigentlich Babys sind, wird etwa formuliert:

Stell dir die Erdgeschichte als einen einzigen Tag vor: Dann sind die Mikroben um fünf Uhr morgens entstanden, die Dinosaurier um zehn Uhr abends und die ersten Menschen erst ganz kurz vor Mitternacht. (S. 12.)

Diesen gut nachvollziehbaren Sprachbildern entsprechen die Illustrationen von Sebastian van Doninck, in denen die eigentlich mikroskopisch kleinen Wesen mit witzigen Kulleraugen und expressiven Gesichtsausdrücken dargestellt werden. Besonders erfreulich und leider immer noch eine Seltenheit im Sachbuch-bereich: Das ganze Buch ist konsequent mit Sternchen ge-gendert, wenn wir etwa erfahren, dass es nicht nur Virolog*innen und Epidemiolog*innen, sondern auch Mykolog*innen, also auf Pilze spezialisierte Mikrobiolog*innen gibt.

Um selbst zu überprüfen, was von dem umfangreich vermittelten Wissen hängen geblieben ist, gibt es am Ende jedes der vier Hauptkapitel einen Wissenstest. Das fünfte Kapitel schließlich steht ganz im Zeichen des selber Tuns: Bei Mitmachexperi-menten, bei denen Joghurt selber gemacht oder der Nutzen der Apfelschale erkundet wird.

Ein gedrucktes Wissenschaftsbuch, das sich mit ganz aktuellen Fragen beschäftigt, riskiert natürlich immer, vom schnellen Fort-schritt der Forschung „überholt“ zu werden. Hier ist das ge-schehen, wenn es im Unterkapitel über das Coronavirus heißt:

Darum suchen Wissenschaftler*innen auf der ganzen Welt weiter mit Hochdruck nach einem Mittel, das dafür sorgt, dass uns das Coronavirus nicht krank machen kann. (S.55)

In diesem Fall ein durchaus erfreulicher „Fehler“, der bei der gemeinsamen Lektüre als Gesprächsanlass genützt werden kann, sich über das Tempo der Forschung und die laufende Weiterentwicklung der Wissenschaft zu unterhalten.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – da die in den Texten vermittelten Informationen durchaus komplex sind, bietet es sich an, den Text gemeinsam zu lesen oder jüngeren Kindern vorzulesen.

SPRECHEN – der in übersichtliche Absätze gegliederte Text bietet vielerlei Anlässe, miteinander ins Gespräch zu kommen: Was, wusstest du, dass das größte Virus gerade mal so groß wie die kleinste Bakterie ist? Wie kann das sein, dass in unserem Darm fünfhundert verschiedene Arten von Bakterien leben?

TUN – im Buch selbst gibt es fünf Mitmachexperimente mit sehr praxisnahen Anleitungen, die meist mit Hilfe von Erwachsenen durchgeführt werden können. Darüber hinaus gibt es bei vielen ganz alltäglichen Tätigkeiten Anknüpfungspunkte: bei jedem Hände waschen zum Beispiel, wo es unbedingt Seife braucht, an der nämlich Mikroben hängen bleiben.

Kathrin Wexberg


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


NordSüd 2020.
€ 22,70.

Torben Kuhlmann: Einstein. Die fantastische Reise einer Maus durch Raum und Zeit

 

Nachdem Torben Kuhlmann in seinen Bilderbüchern „Lindbergh“, „Armstrong“ und „Edison“ bereits mutige Mäuse in die Lüfte, den Weltraum und die Tiefen des Ozeans geschickt hat, geht es nun in die Vergangenheit.
Denn die Maus, von der diesmal erzählt wird, ist fix und fertig: Sie hat das größte Käsefest der Welt verpasst! Um einen Tag! Wenn es um Käse geht, wird nicht lange überlegt – es muss ein Weg her, um die Zeit zurückzudrehen! Nachdem die naheliegendste Methode, die Zeiger einer Uhr zu verstellen, nicht zu funktionieren scheint, beginnt die Maus zu recherchieren. Durch den kleinen Mitbewohner eines Uhrmachers wird sie auf die Theorien von Albert Einstein aufmerksam.
Hmm… Raum und Zeit sind also relativ. Das klingt doch gut. Womöglich lässt sich mithilfe Albert Einsteins Schriften so etwas wie eine Zeitmaschine konstruieren?
Wie von Torben Kuhlmann gewohnt, handelt es sich um kein Sachbilderbuch über die titelgebende historische Person. Vielmehr wird der Wissenschaftler geschickt in die spannende Abenteuerhandlung rund um die erfinderische Maus eingebunden. Wie auch bei „Edison“ ist die Verbindung zu dieser Persönlichkeit recht locker und hält am Ende eine Überraschung parat.
Torben Kuhlmanns Illustrationen verleihen dem Buch seinen bekannten Charme. Die Bilder besitzen eine Dynamik und Detailtreue voller Nostalgie und Abenteuerstimmung. So wie die kleine Maus ihre mutige Reise durch Zeit und Raum wagt, so wird man auch beim Betrachten der Illustration direkt in das Geschehen hineingezogen.
Erzählt wird hier weder eine gewöhnliche Zeitreise-Geschichte noch Albert Einsteins Lebensgeschichte. Torben Kuhlmann erzählt vielmehr von dem Wissensdrang, der einer ehrgeizigen Maus die Fähigkeit verleiht, das Unmögliche möglich zu machen.

Ein entzückendes Zeitreiseabenteuer ab 5 Jahren, das auf unterhaltsame Weise an Albert Einstein heranführt.


LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Albert Einstein und seine Forschung stehen nicht im Mittelpunkt, treiben aber die Abenteuerhandlung voran. Spannend ist auch das Zusammenspiel von Text und Bild, etwa wenn letzteres für gewisse Zeiten das Voranschreiten der Handlung übernimmt. 

SPRECHEN – das Buch ist ein spannender Weg, um über den Umweg einer Abenteuerhandlung mit Maus als Protagonisten, ein Gespräch über die Themen Albert Einstein, Relativitätstheorie und Zeitreise zu beginnen. Es lädt dadurch zu weiterführenden Erklärungen ein.

TUN – Nach dem Ende der Geschichte finden sich verständlich aufbereitete Informationen über Albert Einstein und seine Forschung, die zu einer weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema einladen.

Alexander Pommer


Die gesammelten MINT-Bücher der letzten Monate und Jahre finden Sie im >>> MINT-Archiv

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



luftschacht 2020.
€ 22,00.

Michael Roher: Nicht egal! Die Geschichte von Flora, der Klimapiratin.

Unter all den Corona-Schlagzeilen erhält die Klimakrise, die nach wie vor weltweite Bedeutung hat, aktuell wenig Beachtung. Doch Flora bedrücken all die schockierenden Nachrichten, die untergehen zu scheinen. Schlagzeilen wie Meeresspiegel steigt! Ganze Inselstaaten versinken. und Präsident leugnet Klimawandel schockierensie. Zu ihrem neunten Geburtstag scheinen ihr deshalb die Geburtstagswünsche, die sich ein Vater von seiner neunjährigen Tochter erwarten würde, unbedeutend und nichtig. Denn anstelle von Geburtstagsgeschenken beherrschen die vom Aussterben bedrohten Koalas Floras Gedanken. Im Gegensatz zu ihren Eltern, die von diesen Nachrichten kaum Kenntnis zu nehmen scheinen, sind der Protagonistin diese alarmierenden Geschehnisse nicht egal.
Das, was sie sich eigentlich will, spiegelt sich in ihren Wünschen wieder: Anstelle von Spielsachen finden sich auf ihrer Wunschliste all jene Lebensräume, Pflanzen und Tiere, die vor dem bevorstehenden Klimakollaps gerettet werden sollen und müssen. Kurzerhand schnappt sich Flora ein Kopftuch und wird als Klimapiratin endlich aktiv.

In diesem Buch dominieren die detailreichen Illustrationen von Michael Roher, während der erzählende Text häufig im Hintergrund bleibt. Mithilfe von in die Bilder eingearbeiteten Sprechblasen, Plakaten und Notizzetteln wird das Geschehen kommentiert. Ebenso werden Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, auf welchen unterschiedlichen Wegen etwas für das Klima getan werden kann, um den vorherrschenden Umständen entgegenzuwirken.

In der Produktion des Buches selbst wurde die Klimathematik ebenso aufgegriffen: es wurde ausschließlich auf recyceltem Papier gedruckt. Ganz im Sinne der #fridaysforfuture-Bewegung sind es auch in „Nicht egal!“ Kinder, die die Eltern zum Umdenken bringen. Roher übt dabei nicht mit erhobenem Zeigefinger Kritik, sondern zeigt mit farbintensiven Illustrationen die Chancen der Veränderung. Als Klimapiratin machen Flora und ihre Bande vor, was jede*r Einzelne umsetzen kann.


LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – das Zusammenspiel von Bild, Text und Text im Bild laden auf vielfältige Weise ein, sich lesend mit der Thematik des Klimas auseinanderzusetzen.

SPRECHEN – das Buch zeigt viele Möglichkeiten auf, als Klimapirat*in die eigene Stimme zu erheben: ob beim Referat in der Schule oder auf einer Demonstration. Es bieten sich auch viele Anlässe mit den Eltern und Mitmenschen über die Klimakrise zu sprechen. Was kann ich tun? Wo kann ich etwas verändern?

TUN – zusätzlich zu den Ideen im Buch, finden sich auf der Website viele Handlungsvorschläge. Die interaktive Seite zeigt, wie im Kleinen zu Hause oder beim Einkaufen etwas verändert werden kann. Ein Klimaquiz greift die Themen des Buches nochmals spielerisch auf.

Melanie Reder