Ill. v. Daniela Olejniková.
Kleine Gestalten 2020
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€ 19,90

Isabel Thomas u.a.: Zählen, Rechnen, Messen

Das MINT-Buch des Monats zeigt die Allgegenwärtigkeit mathematischer Gesetzmäßigkeiten in Alltag, Wissenschaft, Kunst und Natur.
Die – für manche sicher äußerst provokante –  These: Mathematik macht unser Leben einfacher. Und sie ist, lange vor den ersten Rechenübungen, ein unabdingbarer Teil davon.
Das Team um Isabel Thomas versteht es, unterstützt von den stilistisch vielfältigen Illustrationen Daniela Olejnikovás, seine Botschaft zu begründen: Das Plädoyer für’s Zählen, Rechnen und Messen beginnt einerseits bei Tieren (ist das gegnerische Rudel größer als meines? Habe ich nicht nur zwei Eier gelegt, zu Kuckuck?), andererseits – auf der menschlichen Ebene – in der Steinzeit. Tauschhandel zwischen zwei Familien bedingt Wertordnungen, Vergleich- und Zählbares. Je größer die Entfernung zwischen Geschäftspartnern, desto wichtiger ist ein gemeinsames Verständnis vom Wert dessen, was gehandelt wird.
Schlüssig und leicht verständlich werden Notwendigkeit und Entwicklung verschiedener Zahlensysteme von der Antike bis heute präsentiert. Kurze historische Abrisse zur Entstehungsepoche der Formeln und Erfindungen ergänzen den mathematischen Überblick.
Früher existierten oft mehrere Zahlensysteme zur gleichen Zeit, heute gilt ein einziges – das arabische – als allgemeingültig.
Zum Schluss wird noch der Blick in die Zukunft gewagt: Wohin wird der technische Fortschritt, der im Computerbereich auf einem binären System beruht, uns noch führen?
Alle Anwendungsfelder der Mathematik in einem Buch unterzubringen, ist freilich nicht möglich – der offensichtliche Versuch, es dennoch zu tun, lässt manche Seiten überladen wirken. Trotzdem ein spannendes Buch, in das einzutauchen Matheskeptiker ebenso viel Spaß machen wird wie Mathefans.

Der Verlag verortet „Zählen, Rechnen, Messen“ im Alter 7 bis 9, aufgrund der Informationsfülle und der vielen, teils heute noch verwendeten Formeln auch für ein höheres Alter zu empfehlen.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Viele Ziffern und Buchstaben aus verschiedenen historischen Epochen und Gebieten. Die Geschichten ausgestorbener Zahlensysteme, antiker Experimente, berühmter Mathematiker*innen und Informatiker*innen.

SPRECHEN – über die geschichtlichen Hintergründe, die aus Platzgründen nur sehr kurz und teilweise einseitig beschrieben werden. Über die Bedeutung, die Zahlen im persönlichen Leben haben. Und nicht zuletzt darüber, dass Wissenschaft von jedem Menschen betrieben werden kann – nicht (nur) im Labo, sonrdern überall, wo Beobachtungen gemacht, Fragen gestellt und mit Experimenten und Vorstellungen nach Antworten gesucht werden.

TUN – Die Kaprekar-Konstante überprüfen und feststellen, dass bei vierstelligen Zahlen das Ergebnis des Experiments wirklich immer 6174 ist. Bilderbücher anschauen und ihre Komposition auf den Goldenen Schnitt hin untersuchen.

Simone Weiss

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Klaus Tschira Stiftung GmbH (Hrsg.)
Dorling Kindersley Verlag. € 20,60

Bettina Deutsch-Dabernig, Nikola Köhler-Kroath,
Gaelle Rosendahl: Schlau ticken.

Dein Mitmach-Buch zum Thema Zeit

Die aktuelle Ausnahmesituation der Pandemie beeinflusst auch die Wahrnehmung der Zeit. Wie lang dauert ein Wochenende, an dem man nicht ins Museum, ins Schwimmbad oder ins Kino gehen kann? Wie lange dauert das Warten auf ein Testergebnis, oder gar 10 Tage Heimquarantäne? Da kommt ein Mitmach-Buch gerade recht, das unzählige Anregungen bietet, sich mit den verschiedenen Dimensionen des Themas auseinanderzusetzen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt: so kann man Zeit mit Salz sichtbar machen, indem man Salzkristalle „züchtet“, die 3 Tage brauchen und mit der Zeit mehr werden. Oder ein Chamäleon mit schnellllller Zunge basteln. Oder ein Thaumatrop, eine Wunderscheibe, die mittels optischer Täuschung unser Gehirn verwirrt. Bei manchen der Ideen werden andere Menschen miteinbezogen (wenn etwa Zeitgutscheine gestaltet und verschenkt werden), andere sind auch ganz alleine möglich (aus Bananen, die mit der Zeit braun geworden sind, etwas Köstliches zuzubereiten – und natürlich zu verzehren). Neben seinem ansprechenden Layout, das ganz auf die Signalfarbe Gelb setzt, überzeugt das Buch durch seine durchdachte Ausstattung: Spiralbindung, stabiles Papier und Gummiband stellen sicher, dass die erarbeiteten Erkenntnisse auch sicher an ihrem Platz im Buch bleiben. Das Über-Thema wird dabei selbst in kleinsten Details umgesetzt: So gibt es auf jeder Seite eine Rubrik, in der eingetragen werden kann, wann sie gelesen/notiert/ausprobiert wurde.

Entstanden ist das Buch aus einer Kooperation von drei Institutionen: Der >>>Klaus Tschira Stiftung, die Kinder, Familien und Wissenschaftler*innen darin unterstützt, Wissen zu erwerben und weiterzugeben, das >>>Grazer Kindermuseum FRida und freD sowie die >>>Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen, die auch eine Kinderausstellung zum Thema konzipiert haben.


LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – im Vorwort wird explizit gemacht, dass das Buch im jeweils eigenen Tempo entdeckt.

SPRECHEN – die Mitmach-Ideen beinhalten in vielen Fällen auch Anlässe, mit anderen ins Gespräch zu kommen: so können die Großeltern befragt werden, was sie in der Zeit ihrer Kindheit gerne gespielt haben, oder in Form von Morse-Zeichen mit anderen kommuniziert werden.

TUN – das Tun steht definitiv im Zentrum dieses außergewöhnlichen Buches und je nach vorhandener Zeit und Lust kann individuell entschieden werden, welche der Ideen gerade passend ist.

Kathrin Wexberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Aus dem Niederl. v. Birgit Erdmann und Verena Kiefer.
Mixtvision 2020. € 24,70.

Arie van't Riet / Jan Paul Schutten: Nette Skelette

Das gab es noch kaum: Ein Sachbuch, in dem nicht nur die inhaltliche Informationsvermittlung (in diesem Fall über unterschiedlichste Tierarten, gegliedert in Gliederfüßer und Weichtiere, Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere), sondern vor allem auch die graphische Gestaltungsform und die technischen Produktionsprozesse dahinter im Zentrum stehen.

Die Bilder in diesem Buch sind nicht gezeichnet, nicht gemalt oder collagiert, sondern zeigen die Objekte ihrer Darstellung (die Tierskelette) in filigranen, monochromen Röntgenaufnahmen. In naturwissenschaftlicher Genauigkeit, die immer auch mit einem künstlerischen Anspruch versehen ist, eröffnen die entstandenen Aufnahmen einen einzigartigen Blick ins Innere der dargestellten Tiere und üben dabei eine ganz besondere Faszination aus, wenn sie eine noch nie dagewesene Ästhetik ins Bild bringen. Es ist eine Ästhetik des toten, präparierten Körpers, die jedoch nie ins Hässliche oder Makabre übergleitet, sondern der immer eine Qualität von Schönheit und Eleganz innewohnt. Erreicht wird diese Wirkung durch die gewissenhafte Komposition der Bilder, die kunstvoll in Stellung gebrachten Tierkörper und die stilvoll dazu arrangierten, behutsam am Computer nachkolorierten Blätter und Blüten, die sich oft wie Seidenpapier über und neben die Tierskelette legen. Dabei entsteht ein ganz besonderes Spannungsverhältnis zwischen der Zerbrechlichkeit, Vergänglichkeit und Unvollkommenheit der Natur und der Stabilität und Beständigkeit der sichtbaren Knochen.

Im Angesicht dieser außergewöhnlichen Visualität würde man nun vielleicht meinen, dass der Sachtext von Jan Paul Schutten in den Hintergrund tritt. Dieser ist jedoch mit so viel Charme, Wortwitz und spannenden Details gespickt, dass man auch dort gerne länger verweilt und gespannt den Betrachtungsanleitungen für die Bilder folgt. Es ist keine Auflistung naturwissenschaftlicher Hardfacts, die hier geliefert wird, sondern kurzweilige „Geschichten“, die oft Anekdoten gleichen und dennoch immer eine Fülle an aufschlussreichen Informationen enthalten:
Flugzeugkonstrukteure haben Maschinen gebaut, die mit Leichtigkeit 7000 Kilometer pro Stunde fliegen können. Sie haben Maschinen gebaut, die ohne auftanken zu müssen die Welt umrunden. Maschinen, die auf dem Radar unsichtbar sind. Maschinen, die 500 Passagiere transportieren. Doch kein Mensch hat jemals ein Flugzeug entworfen, das einer Libelle gleicht. Ausnahmslos alle Flugzeugkonstrukteure platzen vor Neid. Denn Libellen können blitzschnell nach vorn, zurück, nach oben, unten, linke und rechts fliegen. […] Man sollte meinen, Libellen brauchen jede Menge Grips, um die komplizierten Flugbewegungen kontrollieren zu können. Aber dem ist nicht so. Schau dir mal den Kopf an: Ihr Cockpit besteht vor allem aus Augen.

Mindestens so spannend wie die Texte und die Bilder ist das Vorwort, in dem erklärt wird, wie Arie van’t Riet die Röntgenaufnahmen erstellt hat. Dass es keinesfalls so einfach, sondern vielmehr eine hohe Kunst ist – die viel Übung und auch einige Fehlversuche bedarf –, die Tiere und die um sie herum drapierten Requisiten mit der richtigen Strahlungsstärke abzulichten, sodass jene beeindruckenden Bilder entstehen, die wir in dem Buch wiederfinden, wird hier auf eindrückliche Weise erläutert. Und es wird klargestellt, dass für dieses Buch kein Tier zu Schaden gekommen ist! (Arie van’t Riet hat nur tote (Haus-)Tiere, die er auf der Straße gefunden oder von Bekannten bekommen hat, für seine Darstellungen verwendet.)

Alles in allem ist „Nette Skelette“ also nicht nur ein äußerst informatives Sachbuch, sondern auch ein einzigartiges Kunstbuch!

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Es bietet sich an, die fast schon erzählenden Informationstexte in einzelnen Episoden zu lesen und sich in der Lektüre genug Zeit dafür zu nehmen, um tief in die jeweiligen Geschichten und Bilder einzutauchen. Ein andermal wiederum kann man auch einfach nur die beeindruckenden Bilder betrachten und in all ihren Details auf sich wirken lassen.

SPRECHEN – Im Zusammenspiel zwischen Bild und Text bietet das Buch unzählige Anknüpfungspunkte für Gespräche über die dargestellten Tiere, ihren Körperbau und ihre Lebensweisen: Wie habe ich mir das Skelett eines Frosches, Vogels oder Igels vorgestellt? Wie sieht das Innere einer Schildkröte unter ihrem Panzer aus? Wozu dienen Eckzähne im Gegensatz zu Nagezähnen? Dabei regt das Buch vor allem zum Vergleich der Ähnlichkeiten und Unterschiede der unterschiedlichen Tierarten an.

TUN – Auch wenn man im Alltag selbst nicht in das Innere von Tieren blicken kann – das Buch eröffnet hier einmalige Welten! –, zahlt es sich aus, Blätter und Blüten einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Auch mit freiem Auge erkennt man die feingliedrigen Adern, die sich durch die dünne Haut schlängeln, die Pflanze mit Nährstoffen versorgen und als „Skelett“ Stabilität schaffen.

Claudia Sackl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Beltz & Gelberg 2020. € 15,40.

Julia Dürr: Wo kommt unser Essen her?

Das Essen auf dem Tisch ist für viele Kinder ein täglicher Anblick. Vielleicht sind sie auch in die Zubereitungsprozesse miteingebunden, dürfen in der Küche mithelfen, die Lebensmittel verarbeiten, eigene Kreationen ausprobieren und Vorlieben entwickeln. Möglicherweise sind manche Kinder auch beim Einkauf der Waren dabei, nehmen diese aus dem Regal und tragen sie nach Haus e. Wer allerdings – und dabei sind Erwachsene nicht ganz ausgeschlossen – kennt eigentlich die genauen Vorgänge, die diese Lebensmittel vor dem Verkauf durchlaufen?
Im MINT-Buch „Wo kommt unser Essen her?“ stellt Julia Dürr ebenjene Fragen: Wer biegt das Hörnchen? Wo legt die Henne das Ei? Und wer melkt die Kuh?

In Zeiten, in denen das Ernährungsbewusstsein immer stärker im Alltag gelebt wird, aber auch Umwelt- und Tierwohlaspekte die Betrachtung der Lebensmittelindustrie beeinflussen, wird Kindern ab 6 Jahren ein erster Zugang zu diesen Thematiken ermöglicht. Die in großformatigen Illustrationen verarbeiteten Informationen über die kleinsten Schritte der Herstellung, hat Julia Dürr durch Besuche in dementsprechenden Betrieben gesammelt und dokumentiert. Dadurch ergeben sich exemplarische Darstellungen von Ställen, Höfen, Betrieben, Anlagen usw. die durch den Austausch mit Experten, sowie durch ihr persönliches Erleben entstanden sind.

Den sieben Nahrungsmittel - Milch, Brot, Fisch, Fleisch, Äpfel, Eier und Tomaten - wurden jeweils zwei Doppelseiten gewidmet. Diese wiederum stellen kleinere und größere Betriebe einander gegenüber. Auch wenn die Arbeitsschritte teilweise ähnlich sind, wird in der Darstellung der kleineren Betriebe noch stärker auf die menschliche Arbeitskraft zurückgegriffen, wohingegen in den größeren vermehrt Maschinen zum Einsatz kommen und sich dadurch auch die quantitative Produktion unterscheidet. Dadurch entsteht auch der Eindruck, als hätte man auf der linken Seite an den Betrieb ‚herangezoomt‘ um dann auf der rechten Seite wieder in eine entferntere Perspektive zu wechseln. Wie in einem Wimmelbuch können kleine Details erforscht und nachverfolgt werden und es lässt sich immer wieder etwas Neues entdecken: Ein Arbeiter, der das Mehl in die Bäckerei bringt, das Kind das freudig die Milch beim Milchautomaten entgegennimmt, das als Rasenmäher betitelte Schaft bei der Arbeit usw. Der Text begnügt sich mit einer Benennung einzelner Objekte und Personen und überlässt somit der Illustration das Wirkungsfeld. Die jeweils zweite Doppelseite stellt ebenfalls die schon gezeigten Betriebe gegenüber, doch steht hierbei mehr der Prozess der Herstellung im Vordergrund. So führen sowohl Illustrationen, aber auch beschreibender Text die Leser*innen von den ersten Vorbereitungen bis zur Auslieferung der Waren an die Supermärkte. Dabei werden keine Arbeitsschritte ausgelassen. Dieser Aspekt hat besonders dort Gewicht, wo Tiere Bestandteil der Produktion sind. Es wird zum Beispiel ungeschönt – aber realistisch und nüchtern – berichtet, dass männliche Küken größtenteils getötet werden, da nur die weiblichen fürs Eierlegen gebraucht werden. Aber auch die einzelnen Schritte der Schlachtung von Schweinen werden sowohl in Text als auch Illustration vermittelt.

Das Buch lädt zum Betrachten, Begreifen und Reflektieren ein, auch wenn der neutrale und sachliche Ton selbst keine Wertung trifft oder gar ausspricht. Inmitten der bunten, kleinen Illustrationen und gehäuften Informationen können eigene Gedanken gesät, reifen und geerntet werden.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Gelesen werden können sehr kompakte Informationstexte, die durch ihre reduzierte Präsenz, einfach und bewältigbar erscheinen. Aber auch die Szenen und Bildfolgen können gelesen, inhaltlich verknüpft und begriffen werden und sind nicht immer auf den Begleittext angewiesen, um die enthaltene Botschaft zu vermitteln.

SPRECHEN – Das Betrachten der Details kann immer wieder neue Gesprächsinhalte anregen und Vorerfahrungen, aber auch Wissenslücken schließen: Welche Vorstellung hatte ich davon, wo mein Gemüse oder auch Fleisch herkommen könnte? Habe ich mir darüber überhaupt schon Gedanken gemacht? Welche Herstellungsart würde ich lieber konsumieren? Interessieren mich bestimmte Arbeitsschritte oder Berufsgruppen? Etc. Möglicherweise können auch Verkäufer*innen in der nächsten Bäckerei befragt werden, wann diese mit dem Brötchen-backen beginnen oder Verkäufer*innen am Wochenmarkt, ob sie mit Schädlingsbekämpfung arbeiten.

TUN – Am Ende des Buches regt die Doppelseite mit der Überschrift ‚Wo kommt dein Essen her?‘ zum aktiven Nachdenken aber auch Nachforschen an. Die Leser*innen werden dazu aufgefordert die Lebensmittel zu Hause einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Auf manchen Verpackungen lassen sich die Herkunftsbetriebe der Lebensmittel nachvollziehen. Dafür liefert diese Seite die nötigen Entschlüsselungs-Codes aber auch Links zu Webseiten, auf denen weiter ermittelt werden kann. Ebenfalls wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Lebensmittel auch einen längeren Weg zurücklegen müssen, wenn diese in einem anderen Land hergestellt werden. Ein vertiefender Umweltaspekt bleibt hierbei innerhalb des Buches aus, obgleich dies einen Anlass zum weiteren Besprechen, Tun und Forschen liefert. Weiters bietet es sich an Höfe, Bäckereien, Betriebe in der Umgebung selbst zu besuchen oder innerhalb der Klasse einen Ausflug zu organisieren. Es können auch weitere Lebensmittel ausgewählt werden, die nicht im Buch vorgekommen sind, dessen Herstellungsabläufe recherchiert werden können. Nicht zuletzt birgt das Selbst-Tun, wie das Anbauen von Gemüse und Obst sowie das Backen von Brot, einen großes Erfahrungspotenzial.


Tamara Kurzbauer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Aus dem. Engl. v. Andreas Steinhöfel.
Mit Illustrationen v. Axel Scheffler
KJB 2020. € 12,40.

Paul Shipton: Die Wanze. Ein Insektenkrimi

Ich heiße Muldoon, Wanze Muldoon. Ich bin Schnüffler – Privatdetektiv, wenn ihr es genau wissen wollt.  – mit diesen Worten wird der Leser oder die Leserin in Paul Shiptons erstmals 1997 und nun mit neuem Cover neu herausgegebenen „Insektenkrimi“mit dem tierischen Protagonisten bekanntgemacht. Aus konsequenter Ich-Perspektive ergründet Wanze, was im geschlossenen Handlungsraum Garten in der Insektenwelt vor sich geht.
Eddie, ein Ohrwurm ist verschwunden – es zeigt sich aber recht bald, dass das nicht der große Fall ist, der die Stimmung im Garten verändert. Der Fall um Ohrwurm Eddie ist bald gelöst, ein deutlich größeres Rätsel birgt aber das emsige Treiben rund um die im Garten ansässigen Ameisen. Gemäß eines Kinderkrimis werden von Detektiv Wanze Indizien gesammelt, verschiedene Parteien verhört und versucht, dem Fall auf den Grund zu gehen. Nicht nur, dass sich eine Ameisengruppe von Individualist*innen zusammenfindet, die der numerischen Anonymität im Bau entkommen möchten und lieber ihre kreative Ader in Form von Poesie, Stepptanz oder Akrobatik ausleben würden. Darüber hinaus hat sich zwischen einem anderen Teil der Ameisen und den Wespen eine Allianz gebildet, die das Gleichgewicht im Garten erheblich stört.
Unterstützt wird Wanze während des Falls von der neu zugezogenen Grashüpferin Wilma, von Beruf rasende Reporterin. Mit viel Witz, Humor und einigen kuriosen Nebencharakteren, wie etwa Zucker-Jake – eine Stubenfliege, einst ins Zuckerfass gefallen und seither davon abhängig –, wird das Mysterium allmählich gelüftet bis es zum großen Showdown im Ameisenbau kommt.
Neben der Detektivgeschichte nimmt die Beschreibung des Ökosystems Garten einen breiten Raum ein. Wie auch der übrige Text geschieht auch dies mit einer ordentlichen Portion Humor, wenn Wanze aus seiner Sicht die Vorgänge, Lebensräume oder Nahrungsvorlieben von diversen Krabbeltieren schildert: Ohrwürmer bevorzugen beispielsweise die luxuriöseren Gegenden im Garten, wie etwa die Mülltonnen am Haus. Während dieser Umstand glasklar ist, ist das Wunder der Metamorphose selbst für eine*e Bewohner*in des Insektenreichs schier unvorstellbar: Man muss sich das mal vorstellen: Du gehst als Raupe schlafen und erwachst als Schmetterling! Wie kann ein Geschöpf innerhalb eines und derselben Lebensspanne zwei verschiedene Wesen sein? Ich kapier es nicht. Wie es um Spinnen oder Wespen bestellt ist, so wird klar, dass diese Gattungen selbst im Tierreich nicht gern gesehen sind, da beide vorrangig am Töten respektive Verletzten Interesse zeigen.
Während die beiden Fälle rund um Eddie und die Ameisen zu Ende gebracht werden, bleibt für die Lesenden bis zum Ende aber eine Frage offen. Wer oder was ist Muldoon Wanze?  Denn eine Wanze ist er nicht: An dieser Stelle einige Worte über den Goliathkäfer: Sein Körper kann eine Gesamtlänge von sechzehn Zentimetern erreichen, und er ist genauso stark wie er groß ist. Ein Käfer dieser Größe kann es spielend mit einer Spinne aufnehmen. Unglücklicherweise bin ich kein Goliathkäfer. Diese Frage bleibt für die Lesenden also bis zum Schluss offen, während praktisch aus der Käferperspektive ein Blick auf den Garten mit all dem Krabbel- und Fluggetier geworfen wird.


LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Für ein MINT-Buch vielleicht etwas ungewöhnlich hat man es mit diesem Text nicht etwa mit einem Sachbuch zu tun, sondern um einen rein erzählenden Text, in dem Insekten alle Haupt- und Nebenrollen einnehmen. In einer spannenden Detektivgeschichte werden allerhand Insekten mitsamt Lebensraum und Nahrungsgewohnheiten vorgestellt.

SPRECHEN – Der Text bietet einen wunderbaren Anlass, um über die unterschiedlichen Lebensformen im Garten oder im Park zu sprechen; sowohl Tier- als auch Pflanzenwelt. Im Dialog kann mit Kindern erarbeitet werden, was sie über Insekten und deren Lebensraum schon wissen und im Text angesprochene Merkmale mit Sachtexten wie beispielsweise „Die wunderbare Welt der Insekten“ von Bart Rossel und Medy Oberendorff (Gerstenberg 2019) verglichen werden.

TUN – Nach allerhand Informationen aus dem Text kann man sich nun (eventuell mit Lupe ausgestattet) selbst auf die Suche nach Insekten im Garten oder Park machen. Die unterschiedlichen Insekten im Buch könnten Anregung dafür sein, eine Liste zu erstellen und zu versuchen, diese Insekten selbst zu beobachten und zu bestimmen.


Alexandra Hofer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Vorwort v. Bee Wilson.
Aus dem Amerikan. v. Ebi Naumann.
Gabriel 2020. € 20,60.

Gregg Segal: Über den Tellerrand.
Was Kinder hier und anderswo essen

Über 50 Kinder aus der ganzen Welt erzählen in diesem Buch von ihren Essgewohnheiten. Dies geschieht jedoch nicht in Form von protokollierten Interviews oder eigens verfassten Texten aus der Ich-Perspektive. Um in die Speisepläne unterschiedlicher Länder und Kulturen einzutauchen, hat der US-Fotograf und Journalist Gregg Segal einen besonderen Zugang gefunden: Für seine bereits 2018 für den „Spiegel“ angefertigte Fotoserie „Daily Meal“ ist er durch Asien, Afrika, Europa, Nord- und Südamerika gereist und hat junge Mädchen und Buben inmitten jener Lebensmittel abgelichtet, die sie über den Zeitraum von einer Woche zu sich nehmen. In seinem Buch „Über den Tellerrand“ widmet er sich nun auf jeweils einer Doppelseite einem Kind bzw. Geschwisterpaar, das/die er auf dem Boden liegend aus der Vogelperspektive fotografiert. Rundherum werden die von ihnen dokumentierten und von eigenen Köchen und Foodstylisten reproduzierten Gerichte, Snacks, Süßigkeiten und Getränke arrangiert, sodass ein wimmelartiges Suchbild entsteht, das zum genauen Beobachten and Analysieren einlädt: Sind das wirklich Nudeln, die der elfjährige Meissa aus einem Vorort von Dakar (Senegal) in sein Sandwich füllt? Was isst die neunjährige Kawakanih vom Stamm der Yawalpiti aus dem brasilianischen Regenwald? Und welche Naschereien, die wir auch hierzulande kennen, verzehrt die elfjährige Razan aus Ajman (Vereinigte Arabische Emirate)? Die zwischen Fast Food und selbst zubereiteten Speisen, Softdrinks und frischen Heißgetränken positionierten Kinder bildet Segal mal vor farbintensiven, kunstvoll verarbeiteten Tüchern, mal vor schlichtem, einfärbigem Hintergrund ab. In jedem Fall entstehen beeindruckende Bilder, die nicht nur als Fotografien schön anzusehen sind. Als Zeugnisse aus kindlichen Lebenswelten verschiedenster Kulturen laden sie vor allem zum Eintauchen in die kulinarische Vielfalt rund um den Globus ein und regen an, gemeinsam über Ernährungsweisen nachzudenken.
Eine erste Einstiegshilfe dafür bietet der einleitende Text auf der linken Buchseite, der das abfallende, rechts platzierte Foto ergänzt: Er erzählt nicht nur von den Lieblingsspeisen und -getränken der jeweiligen Kinder, sondern gibt auch Aufschluss über ihre kulturellen, sozialen und ökonomischen Hintergründe und berichtet von ihren Alltagsabläufen, Leidenschaften und Träumen. In der Lektüre kann der Blick beispielsweise auf die unterschiedlichen Formen gesunder Ernährung und Fast Food gelegt werden, die auch im Vor- und Nachwort im Vordergrund stehen. Gleichzeitig können aber auch die Unterschiede in den täglich verspeisten Mahlzeiten von Amelia, Agata und Paolo – die alle aus Italien stammen – oder auch das penibel geschnippelte und verpackte Essen von Marek aus New Haven (USA) – dessen Vater als „Meal Prepper“ vorgekochte Mahlzeiten ausliefert –ins Zentrum der Betrachtung rücken. In jedem Fall lohnt es sich, sich gemeinsam ausreichend Zeit zu nehmen, um in wiederholten Lektüreprozessen jeweils unterschiedliche Aspekte der Bilder (und Texte) genauer unter die Lupe zu nehmen.


LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Gelesen werden in diesem Buch vor allem die beeindruckenden Bilder, die bei jeder Betrachtung neue spannende Details offenbaren. Der Text muss nicht zwangsläufig herangezogen werden, enthält aber stets aufschlussreiche Informationen über die abgebildeten Kinder und Speisen.

SPRECHEN – Bild und Text regen auf verschiedenen Ebenen an, gemeinsam über die Essensgewohnheiten von Kindern mit unterschiedlichen nationalen und sozialen Hintergründen nachzudenken und Vergleiche zwischen den Kulturen anzustellen. Besonders spannend scheint in diesem Kontext, dass sich Kinder aus ärmlicheren Verhältnissen oft gesünder zu ernähren scheinen als jene aus wohlhabenden Familien. Natürlich können in einem weiteren Schritt auch die eigenen Ernährungsweisen reflektiert werden. Vielseitige Anknüpfungspunkte wie u. a. die Verpackung von Lebensmitteln oder die Globalisierung von Fast Food liefern das Vorwort der Ernährungswissenschaftlerin Bee Wilson und das Nachwort des Autors. 

TUN – Das Buch bietet an, sich auf unterschiedliche Weise von Gregg Segals Studien inspirieren zu lassen, sich anhand der Lektüre Gedanken über die eigenen Ernährungsgewohnheiten zu machen und diese auf einem (oder mehreren) Foto(s) abzubilden. Während sich ein Nachkochen von allen Gerichten, die ein Kind innerhalb einer Woche zu sich nimmt, für die meisten wahrscheinlich zu aufwendig ist, können das jeweilige Frühstück, Mittag- oder Abendessen über mehrere Tage hinweg im Sinne eines Fototagebuchs dokumentiert werden. In einem Klassen- oder Gruppenverband können auch mehrere Kinder mit ihren unterschiedlichen (Lieblings-)Jausenvarianten abgelichtet und mit Texten der einzelnen Kinder ergänzt werden.


Claudia Sackl

 


Fotos: Gregg Segal


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Aus dem Kanadischen v. Inge Wehrmann.
Beltz & Gelberg 2020. € 16,95.

Kenneth Oppel: Bloom.
Die Apokalypse beginnt in deinem Garten

25. März 2020: Kenneth Oppels aktueller Roman erscheint am deutschsprachigen Buchmarkt. Der sogenannte „Lockdown“ aufgrund der sich weltweit rasant ausbreitenden Krankheit COVID-19 läuft in Österreich gerade neun Tage lang. Und dennoch sind in diesem neon-grünen Buch bereits Sätze zu all den beängstigenden Aspekten einer Pandemie zu lesen: Überlegungen zu Hamsterkäufen „Es kann nicht schaden, ein paar Vorräte anzulegen.“ sind ebenso zu finden wie die Furcht vor einem unvorhersehbaren „Stromausfall.“ „Warum?“ „Sie wissen es noch nicht.“ Aber auch die Einschränkungen im öffentlichen Raum werden behandelt: Dies betrifft das Freizeitleben „Wird sie alle Parks und Spielplätze schließen lassen?“ genauso wie das Bildungssystem und das private Leben Die Schule war geschlossen worden. Und die Menschen wurden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Dem nicht genug, beschreibt der kanadische Autor einem Orakel ähnlich, Beschwerden, die den gegenwärtigen medizinischen Entwicklungen entsprechen: Für die meisten Kranken war es so, als hätten sie eine schlimme Erkältung oder die Grippe. Aber einige Leute zeigten ernste Symptome […] Selbst die langersehnte Lösung findet Platz in diesem Buch, die endgültig den Eindruck erweckt, es sei seiner Zeit auf gespenstische Weise vorausgeilt: „Wenn wir sie erforschen, könnte es uns gelingen, einen Impfstoff zu entwickeln, durch den andere ebenfalls gesund bleiben.“ Ist Kenneth Oppel ein Prophet, der sich bis März 2020 unauffällig als Kinder- und Jugendliteratur tarnte? Die Antwort lautet: Nein, aber ein aufmerksamer Beobachter, der mit seinem Bio-Horror-Abenteuer-Apokalypsen-Hybrid genau ins Schwarz getroffen hat; und nicht – wie vielleicht anzunehmen ist – ins Grüne.

Denn obwohl die Bedrohung von einer alles überwuchernden Riesenpflanze ausgeht, färbt der Autor das blühende Monstrum tiefdunkel ein und lässt es einem riesigen Alien gleich die Welt verschlingen. Nicht nur, dass das Gewächs alle anderen Pflanzen überwuchert und dadurch eine internationale Hungersnot zu befürchten ist, verschlingen blutrünstige Ableger zudem ganze Tiere und Menschen, wenn diese gerade über die unterirdisch entstandenen Falllöcher spazieren. Der Protagonist dieser fiktionalisierten und höchst spannend erzählten Endzeitstudie scheint die obendrein Allergien auslösende Plantae zu sein. Narrativiert wird dies jedoch nicht von der Pflanze selbst (auch das wäre interessant), sondern aus der Sicht von drei Jugendlichen, die sich selbst auch nicht ganz unheimlich sind. Denn während die halbe Welt durch die sich verändernde Atmosphäre an allergischen Anfällen verendet, mutieren Anaya, Petra und Seth zu eigentümlichen Superheld*innen, die – wie es das humorvoll eingebettete, kanadische Klischee will – auch mit einer Kettensäge gegen die Bestie vorgehen. In dieser mit ordentlichem Thrill aufgeladenen Dystopie wird jedoch nicht völlig auf die Charakterzeichnung und das nie ganz einfache Verhältnis innerhalb eines Trios mit Eifersucht, Liebe und Freundschaft vergessen. Der Fokus liegt in Oppels rasantem Erzählstil jedoch stets auf dem Gefühl des immer näher kommenden Endes der gesamten Erdbevölkerung. Das zeichnet sich auch sprachlich ab, da der dialoglastige Text am Ende von einer handlungsorientierten Actionerzählung abgelöst wird.

Der Ausgang der sogenannten „Corona-Krise“ ist weiterhin offen. Auch über das nervenaufreibende Grande Finale dieses Pageturners dürfen an dieser Stelle klarerweise keine Worte verloren werden. Ein einprägsamer Satz gilt jedoch wieder für die Welt zwischen und außerhalb der Buchdeckel: Sie atmete langsam aus. Schule und Geburtstagsparty schienen etwas aus einer anderen Zeit zu sein.


LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Neue Begriffe haben in unseren Alltag gefunden: Homeoffice, Social Distancing, Quarantäne, Der menschenleere Raum, Virus, Seuche, Schutzanzug. Das STUBE-Team hat zentrale Begriffe der aktuellen Entwicklungen aufgegriffen und eine assoziative >>>Corona-Medienliste mit annotierten Buch- und Filmtipps onlinegestellt. Diese Begriffe und die dazugehörenden Medienbeispiele können beim Entschlüsseln des Romans hilfreich sein und bei der Lektüre stets mitgedacht werden.

SPRECHEN – … sollte man nicht nur in Krisenzeiten viel miteinander. Gerade aber in schwierigen Zeiten ist es wichtig, eigene Gedanken, vielleicht auch Ängste zu teilen. Im Kollektiv und mit Humor kann einer ausweglosen Situation der Schrecken genommen werden. Kenneth Oppel versieht seinen Horror immer wieder mit lustigen Formulierungen und Ereignissen. Diese Passagen können aufgegriffen und gemeinsam darüber nachgedacht werden, warum diese spezifischen Situationen zum Lachen anregen und ob auch in der Gegenwart amüsante Seiten an der Krise auszumachen sind.

TUN – Der Roman ist eine wahre Fundgrube, um mit einem Buch selbst tätig zu werden. Drei einfache Beispiele zeigen, auf welch unterschiedlichen Ebenen man mit dem Text arbeiten kann: A) Recherchearbeit: Petras Vater ist Biologe. Aber auch die Protagonistin weiß mittlerweile viel über die Pflanzenwelt. Ihre wissenschaftlichen Inputs können der Start für eine selbst angelegte Wissensdatenbank über Pflanzen sein (digital oder in Karteikartenformat). B) In der Rezension wird erwähnt, dass die Erzählung aus drei Perspektiven erzählt ist und dass es interessant wäre, wenn die Killer-Pflanze selbst erzählen würde. Diese Idee kann die Aufgabenstellung für eine Neuerzählung sein: Verfasse die Geschichte aus der Sicht der alles verschlingenden Pflanze. C) Das Buch regt aber auch dazu an, sich die eigenen Hände schmutzig zu machen. Zuallererst sind die Figuren des Romans beeindruckt, wie schnell die unheimliche Pflanze wächst. In eigenen Versuchen am Balkon oder im Garten, kann ausprobiert und mit regelmäßigen Messungen in einem Wachstumsprotokoll festgestellt werden, welche uns bekannten Pflanzen am schnellsten Wachsen.


Peter Rinnerthaler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Aus dem Niederl. v. Rolf Erdorf.
Thienemann 2020. € 19,00.

Marc ter Horst und Wendy Panders: Palmen am Nordpol. Alles über den Klimawandel

Ähnlich dem als bestes Wissenschaftsbuch für Kinder 2020 ausgezeichneten „Wie viel wärmer ist 1 Grad?“ widmet sich auch „Palmen am Nordpol“ den Ursprüngen, Mechanismen und Auswirkungen des Klimawandels, richtet sich aber an eine deutlich ältere Leser*innenschaft.

Beginnend bei der Entstehung der Erde werden die ersten klimatischen Veränderungen erklärt, ohne die sich kein Leben hätte entwickeln können. Über Bakterien und Dinosaurier geht es weiter zum Menschen. Seine Entdeckungen und Erfindungen seit der Neuzeit stellen, das wird ohne moralische Keule deutlich, die Ursachen des Klimawandels dar. Die unmittelbaren und weiteren Folgen der aktuellen Erwärmung für die Menschheit und die Natur werden in separaten Kapiteln beleuchtet und mit der gebotenen Drastik geschildert: So, und jetzt wird es schön gruselig – mit Schauergeschichten von Ländern, die wegen des Klimawandels um Wasser und einen kühleren Ort zum Leben kämpfen müssen. Eine Art Hungerspiele, aber so, wie sie wirklich stattfinden könnten. Die vom Verlag als Zielgruppe angegebene Altersstufe der (ab) Zehnjährigen wird den Verweis auf Suzanne Collins dystopische Trilogie „The Hunger Games“ vielleicht noch nicht verstehen, das Buch eignet sich aber durchaus auch für Jugendliche.

Die farbenfrohen, teils seitenfüllenden Illustrationen und Diagramme lockern das Buch auf, nehmen dem Text aber weder seine Ernsthaftigkeit noch seine Komplexität. Marc ter Horst beschreibt die Hintergründe und Mechanismen der menschlichen Gesellschaft und des Klimawandels sehr anschaulich, aber es bleibt eine komplexe Materie. 
Das zeigt auch das vorletzte Kapitel, in denen Alternativen für die fossilen Energiequellen Kohle, Erdgas und Erdöl vorgestellt werden: Sonne, Wind, Wasser, Biomasse, Erdwärme, Kernenergie – sie alle haben ihre Vorteile. Und ihre Nachteile.

Eine Lösung für das, was wir über die Erde gebracht haben, gibt es nicht – dafür aber jede Menge verschiedener Prognosen, Schuldzuweisungen und Resignation. Dieser versucht der Autor entschieden entgegenzutreten und verweist dabei auf die Verantwortung und die Möglichkeiten jedes Menschen (und hier sind ganz speziell Kinder als Akteure aufgerufen), so klein sie auch sein mögen.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Von der Entstehung der Erde bis heute werden Geschichte und Entwicklung des Klimas erzählt – Evolution und Chemie inklusive.

SPRECHEN – sollte man über das Gelesene unbedingt, um Zusammenhänge in eigene Worte fassen zu können und eigene Vorurteile zu hinterfragen. Abseits von den biochemischen Aspekten des Klimawandels stellt ter Horst verschiedene technische Erfindungen vor, deren Bedeutung für die Gesellschaft bis heute ersichtlich ist. Wo wären wir ohne Dampfmaschine? Wie kam es zur Entwicklung/Verwendung von Kernenergie?

TUN – Es gibt ein „Klima-Bingo“, das entweder direkt im Buch gespielt oder von dort kopiert werden kann. Die Doppelseite „Was ihr selbst tun könnt“ bietet viele konkrete Handlungsanregungen, die zwar alle nicht neu sind, aber auch nicht oft genug genannt werden können (und für Kinder vielleicht sogar kleinere Herausforderungen darstellen als für Erwachsene).


Simone Weiss

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Aus dem Franz. v. Susanne Schmidt-Wussow.
Knesebeck 2020. € 24,70.

Florence Guiraud: Was guckst du denn so? Kurioses aus der Welt der Säugetiere.

Dieses Buch ist ein künstlerisches Abbild der Artenvielfalt dieser lebendigen Natur – genauer gesagt ein Abbild der großen Familie der Säugetiere. Mit diesen Worten steckt die Autorin und Illustratorin Florence Guiraud sich ihr Ziel für diesen großformatigen Band und genau dies tut dieser, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Dabei erinnert die Gestaltung und das Zusammenspiel von Illustration und Text an eine Enzyklopädie.
„Was guckst du denn so? Kurioses aus der Welt der Säugetiere?“ ist gewissermaßen der Nachfolgeband von „Wie siehst du denn aus? Kurioses aus der Tierwelt.“, und behandelt die Tierklasse, welche im Vorband nicht vorkam: Die Säugetiere. Dabei gliedert sich das Buch in sechs Kapitel, welche jeweils eine Ordnung der Säugetiere behandeln, wie zum Beispiel Primaten, Insektenfresser, Huftiere…Dabei kommen besonders viele exotische Tiere vor, wie bereits am Cover zu erkennen ist.

Beide Bände teilen sich denselben Stil, Format und am Kapitelanfang dieselbe Aufmachung. Links eine kupferstichartige, signierte Illustration der zu behandelnden Tierklasse, rechts ein einleitender, größer geschriebener Text. Der Text des Vorgängerbandes fällt länger und informationsdichter aus als beim aktuellen Band. Dies lässt sich allerdings anhand der unterschiedlichen Struktur der Bände begründen. Bei „Wie siehst du denn aus?“ erstrecken sich viele Tiere über mehrere Seiten, ohne Fließtext aber mit Bezeichnung des Tieres, klein entlang der Zeichnung. Am Ende des Kapitels sind einzelne Tiere mit kurzen Faktenhäppchen aufgelistet, daher befindet sich am Kapitelanfang ein informationsdichterer Eingangstext. Über einem längeren Text thront dann eine großflächige Illustration von einem oder mehreren Tieren. Dabei sind die Tiere nummeriert mit einem kleinen Bezeichnungsschlüssel daneben, anstatt direkt, wie im Vorgängerband, beschriftet zu sein.
Die Texte, welche sich jede Doppelseite einem neuen Thema widmen, stellen ein gewisses Sammelsurium an Fakten dar. Dabei sind sie humoristisch und bildlich betitelt, zum Beispiel mit Popoparade oder Achtung, piekt!

Widmet sich das Faktensammelsurium einem Tier oder einer Tierart erstreckt sich die Art von Fakten, welche den Lesenden geboten werden, über ein weites Spektrum und folgt keiner eindeutigen Systematik, welcher es aber auch nicht zwingend bedarf. So werden teilweise allgemeine Fakten vermittelt, aber auch Rekordhaltende herausgestrichen, wie dass das Opossum, hält den Rekord für die kürzeste Tragezeit hält.
Einen großen Stellenwert nimmt dabei auch die Interaktion und Geschichte zwischen Mensch und Tier ein. So wird immer wieder ihre Rolle in der griechischen Mythologie erwähnt oder vom Aberglaube und Einfluss auf die heutige Populärkultur erzählt: Als Steven Spielberg den Außerirdischen E.T. erschuf, ließ er sich angeblich vom Koboldmaki inspirieren. Auch werden die kuriosen Geschichten der Reise der exotischen Tiere nach Europa erzählt. So musste die erste Giraffe in Europa die letzten 800 Kilometer nach Paris zu Fuß zurücklegen, damit man sie dort dem König präsentieren konnte. Im Zuge dessen kommt das Buch auch auf das potentielle Aussterben von Tieren und Tierarten zu sprechen.

Die Tierillustrationen sind zu diesen Informationsteppichen an Text groß und meist realistisch gehalten. Sie erinnern an Abbildungen aus wissenschaftlichen Büchern, jedoch haben diese hier meist mehr Persönlichkeit. Manche Tiere und im Besonderen ausschnitthafte Körperteile von Tieren sind auch einfarbig illustriert. Dies erweckt durch die Farbwahl und Stil etwas Skizzenhaftes, als wäre der Lesende gerade selbst der Forschende, der diese Hornauswahl oder diesen Bären nun festgehalten hat, um es nicht zu vergessen. Zusätzlich werden durch die Einfarbigkeit bei den nebeneinandergestellten ausschnitthaften Illustrationen von einzelnen Körperteilen Unterschiede und Gemeinsamkeiten schneller und leichter erkennbar.

„Was guckst du denn so?“ wirkt in seiner Gestaltung zeitlos und ist ein würdiger zweiter Band zu „Wie siehst du denn aus?“, der jedoch auch ohne Frage auf eigenen Beinen steht und keine Kopie seines Vorgängers ist. Ein Herzstück sind die liebevollen Illustrationen. Es ist ein Band, der die Neugier an Tieren weckt und auf grelle Farben oder Faktenkästen verzichtet.


LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Das Auge wandert auf einer Seite zuerst zur Illustration, der Text ist leicht verständlich und eignet sich gut zum Vorlesen. Die Nummerierung der Tiere hat zur Folge, dass Tiere gemeinsam aus dem Text erkannt oder gefunden werden können, sollten mehrere abgebildet werden. Dadurch, dass eine Doppelseite eine in sich geschlossene Einheit bildet kann das Buch sowohl als Ganzes als auch Stück für Stück gelesen werden.

SPRECHEN – Der Band könnte als ein Anstoß, eine Einladung gesehen werden um dann in einem Gespräch über Tiere zu elaborieren. So könnte beispielsweise davon ausgehend auf das Zusammenspiel dieser kuriosen Säugetiere in einem Ökosystem eingegangen werden, oder wie weit verbreitet genau eine Art ist. Zusätzlich klingen viele diese Fakten nach Informationshappen, welche Kinder in Gesprächen zum Besten geben können.

TUN – Immer wieder geht das Sachbuch auf die Bedrohung der Artenvielfalt und deren Gründe ein. Dies kann als Anlass genommen werden, um sich genauer mit der Diversität der regionalen Tierwelt auseinanderzusetzen, diese selbst zu beobachten oder bei einer geführten Tour zum Beispiel zu erfahren, wie viele unterschiedlichen Huftiere es in der Umgebung gibt.


Lena Haiden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ill. Vitalie Konstantinov.
Peter Hammer, 2019. € 20,60.

Jens Soentgen: Die Nebelspur. Wie Charles Wilson den Weg zu den Atomen fand.

„Wir leben in einer Welt der Dinge: der Stühle, der Tische, der Smartphones, der Kochlöffel und Kochtöpfe“, heißt es zu Beginn dieses besonderen Hybrids zwischen erzählendem Text und Sachbuch, das sich an Jugendliche ab 14 Jahren richtet. Wir leben aber auch in einer Welt, die voll ist von mikroskopisch kleinen Teilchen, alles, was der Mensch kennt, ausmachen und die mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbar sind: in einer Welt voller Atome.
Auf leicht verständliche Weise führt der deutsche Chemiker und Philosoph Jens Soentgen in diese Welt ein. Entlang der realen Biographie von Charles Wilson, ein schottischer Wissenschaftler, der schon in jungen Jahren eine Faszination für Wolken, den Nebel und das Wetter in den schottischen Highlands entwickelt hat, werden naturwissenschaftliche Phänomene erläutert und ganz nebenbei eine kleine Geschichte Schottlands inklusive des sagenumwobenen Ungeheuers von Loch Ness und die Entwicklung in der Naturwissenschaft bis zum Teilchenbeschleuniger im Cern in der Schweiz umrissen. Der Text ist dabei gespickt mit naturwissenschaftlichen Hard Facts, die dem Leser oder der Leserin wohl das eine oder andere Aha-Erlebnis bescheren werden, ohne dabei aus dem Blick zu verlieren, dass es sich um jugendliche Rezipient*innen handelt, die an die Welt der Atome herangeführt werden sollen. Gekonnt werden Analogien gefunden, um die unvorstellbar kleine Größe negativ, positiv oder neutral geladener Teilchen nachvollziehbar zu machen: „Aber selbst die Spitze eines Nähgarns, das vielleicht einen Durchmesser von einem hundertstel Millimeter hat, ist immer noch riesengroß im Vergleich zu den Atomen.“
Das Herzstück des Texts bildet die von Charles Wilson entwickelte Wolkenkammer, in der künstliches Wetter erzeugt werden kann. Getrieben durch seine Liebe zum Nebel entwickelte er nach einem Bauplan von John Aitken einen Apparat, mit dessen Hilfe es gelang, künstlichen Nebel zu erzeugen und bislang unbekannte Phänomene zu erforschen. Durch Weiterentwicklung und Präzisierungen des Verfahrens gelang es Wilson, das Verständnis über die Atome zu revolutionieren und einen Blick auf bislang Unbekanntes zu werfen.
Illustratorisch wird der Text von witzigen und detailgetreuen Bildern von Vitali Konstantinov begleitet, der als Farbleitsystem variantenreiche blau und schwarz Schattierungen wählt. Comichafte Panels und Skizzen finden sich dabei ebenso wie humoristische Darstellungen von schottischen Gepflogenheiten und Resultaten aus Wilsons Versuchen.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Altersentsprechend werden in diesem Buch viele, zum Teil sehr komplexe Vorgänge aus der Physik und Chemie sowie die Zusammensetzung unserer Welt geschildert. Die recht kurz gehaltenen Kapitel werden durch die Illustrationen immer wieder aufgelockert oder noch verständlicher gemacht.

SPRECHEN – Die unterschiedlichen Wissenschaftler*innen und deren Experimente und Forschungen laden ein, sich näher mit einzelnen von ihnen auseinanderzusetzen. In einem Gespräch kann beispielsweise näher auf Persönlichkeiten wie Marie Curie oder Henri Becquerel eingegangen und Jugendliche dazu animiert werden, sich mit einzelnen Aspekten aus Leben und Werk, die besonders interessant erscheinen, näher auseinanderzusetzen.

TUN – Den letzten Teil des Buches bilden sogenannte „Wolkenexperimente“, bei denen Jugendliche dazu eingeladen werden, das zuvor Gelesene ganz praktisch auszuprobieren. Mithilfe von haushaltsüblichen Dingen wie Salz, Spülmittel und Kaffee oder einfach der Natur können Wolken(formen) oder die eigenen Blutkörperchen ganz ohne Mikroskop beobachtet werden. Besonders praktikabel: Die Erklärung zu den jeweiligen Experimenten wird am Ende jedes Versuchs gleich mitgeliefert.


Alexandra Hofer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Ill. Julia Neuhaus.
Nilpferd 2019. € 16,95.

Till Penzek: Als die Großen klein waren
Ein Album verschwundener Dinge!

Die Digitalisierung, was auch immer konkret darunter verstanden wird, ist in aller Munde. Doch wie sehr sich unser aller Alltag in den letzten 20 Jahren verändert hat, wird erst so richtig deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele alltägliche Handlungen vor gar nicht so langer Zeit noch völlig anders abgelaufen sind. Eine Autofahrt etwa, auf der man den Weg nicht kennt. Einen Film aussuchen und anschauen. Die Klassenkolleg*innen darüber informieren, dass die Turnstunde ausfällt. Diesem Phänomen widmet sich das Hamburger Duo Till Penzek und Julia Neuhaus in ihrem „Album verschwundener Dinge“. Referenzpunkt ist dabei ihre eigene Kindheit in den 1980er Jahren. In ihrem Vorwort grenzen sich die beiden explizit von einer Glorifizierung jener Zeit ab und formulieren, dass sie gerne einen möglichst neutralen Standpunkt einnehmen, dabei aber auch nostalgisch-sentimentalen Gefühlen Platz lassen möchten. Begleitet wird das Vorwort, wie jede der folgenden Doppelseiten, von einem anthropomorphisierten Wesen, das sowohl in seinem Outfit (neonfarbene Sportkleidung mit Legwarmers, Rollschuhe) als auch mit dem Songtext, der in einer Sprechblase abgedruckt ist (Girls just wanna have fa-han), bereits umfassend Assoziationen zu den 1980er Jahren weckt.

Anschließend werden Phänomene von Alltags- und Populärkultur gezeigt, die sich vorrangig im Bereich von Kommunikation und Medien bewegen, aber auch weit darüber hinaus gehen: Als die Großen klein waren, durften die Erwachsenen überall rauchen. Und das taten sie auch! Diese Alltäglichkeit wird zunächst wertfrei beschrieben, um dann aber auch auf problematische Aspekte einzugehen: Es war noch nicht so bekannt wie heute, dass auch Passivrauchen (also von anderen vollgequalmt zu werden) ungesund ist. Am Ende jedes Abschnitts werden Fragen, Kommentare oder Anregungen formuliert und optisch ansprechend in Sprechblasen oder Extra-Kästchen gesetzt, die sich manchmal ausschließlich an die Großen richten (Wann habt ihr früher eine Telefonkette gestartet?), oder Hinweise an alle geben (Probiert doch mal gemeinsam ein Pen & Paper-Rollenspiel aus!). Zu guter Letzt wird festgehalten, wie viele der vorher dargestellten Tätigkeiten mittlerweile von einem einzigen Gerät übernommen werden, dem Smartphone. Um es nicht bei der Beschäftigung mit der Vergangenheit zu belassen, wird schließlich auf der allerletzten Doppelseite der Bogen in die Zukunft gespannt und Fragen aufgeworfen. Gesammelte Antworten dazu können per Mail eingeschickt werden und werden auf www.alsdiegrossenkleinwaren.de, einer Website zum Buch, veröffentlicht.

„Als die Großen klein waren“ mag auf den ersten Blick „nur“ wie ein peppig aufgemachtes Bilderbuch über Alltagsphänomene wirken, zeigt sich bei genauerer Betrachtung aber als MINT-Buch in einem sehr differenzierten Sinn: Durch das Aufzeigen der technologischen Entwicklungen von den 1980er Jahren bis in die Gegenwart wird sehr klug und ohne dabei je den moralischen Zeigefinger zu erheben, zu einer Reflexion des eigenen Umgangs mit Technik angeregt.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Durch seinen Aufbau in einzelne Abschnitte, die jeweils als Doppelseite gestaltet sind, kann das Buch auch gut „häppchenweise“ bzw. in Fortsetzungen gelesen und/oder betrachtet werden.

SPRECHEN – Am Ende einiger Abschnitte werden Fragen „an die Großen“ formuliert, wie das damals war. Darüber kann miteinander generationenübergreifend gesprochen werden.

TUN – Das Buch macht neugierig auf Alltagsgegenstände, die nicht mehr in Gebrauch sind und nach denen man sich auf die Suche machen könnte – wer kann z.B. im Keller oder im Abstellkammerl noch eine Musikkassette oder ein Telefonbuch auftreiben? Diese Gegenstände können bewundert und ausprobiert, aber natürlich auch im Sinne von Upcycling kreativ zu Kunstwerken gestaltet werden.


Kathrin Wexberg