Christine Schulz-Reiss: Marie Curie – eine Frau verändert die Welt.
Mit Bildern von Regina Kehn.
Kindermann Verlag 2022.
40 S.; 21,50 €.

Ein Frauenleben für die Wissenschaft

Immer noch sind jene Berufsbranchen mit hohem Zukunftspotential, wie etwa Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT), männerdominiert.

So formuliert es die Initiative LEA, Lets empower Austria, auf ihrer Homepage. Eine bedauerliche Realität, obwohl es schon im (vor)letzten Jahrhundert bemerkenswerte Frauen gab, die sich gegen alle Widrigkeiten einen Platz in jenen heute unter MINT subsummierten Sparten erkämpften. Und dafür, auf unterschiedlichen Ebenen, einen hohen Preis zahlten: so wie Marie Curie, die letztlich an den Folgen jener radioaktiven Strahlen starb, die sie jahrelang akribisch erforscht beziehungsweise entdeckt hatte. Ihr Leben wurde nun in der Reihe „Kinder entdecken berühmte Leute“ im Berliner Kindermann Verlag von der Autorin und Journalistin Christine Schulz-Reiss nacherzählt. Eingestiegen wird jedoch mit einem Bild, beziehungsweise mehreren: Illustratorin Regina Kehn empfindet auf einer Seite, die der Einleitung vorangestellt ist, Briefmarken aus unterschiedlichen Ländern nach, auf denen Marie Curie abgebildet ist. Damit wird klug und subtil auf zwei Dimensionen verwiesen, die beim Betrachten und Lesen des Buches eine Rolle spielen: Künstlerisch gestaltete Briefmarken sind für Kinder der Gegenwart wohl etwas Fremdes, wie auch einige Aspekte des Lebens von Curie aus heutiger Perspektive fremd bzw. befremdend wirken – etwa dass sie als Frau erst dann an der Sorbonne lehren durfte, als die Universität nach dem plötzlichen Unfalltod ihres Mannes ihre Expertise dringend brauchte. Und wie jede Briefmarke Curie ein wenig anders zeigt, ist ihre Biographie oft von stereotypen Bildern überlagert. Bevor Curies Leben chronologisch nacherzählt wird, strukturiert durch knappe Zwischenüberschriften, fasst eine kurze Einleitung zentrale Aspekte daraus zusammen. In Regina Kehns Illustrationen dominieren zwei Farben: Ein dunkles Blau, in dem sie etwa die Dunkelheit der Hörsäle oder des Forschungslabors darstellt, und ein knalliges Gelb, das für die radioaktive Strahlung steht. Mit Blick auf das junge Lesepublikum (der Verlag empfiehlt das Buch ab 8 Jahren) werden prägende Aspekte wie der Skandal um Curies Liebesbeziehung zu einem verheirateten Kollegen ausgespart – dennoch gelingt es eindrücklich herauszuarbeiten, wie bahnbrechend die Forschungsarbeiten von Marie Curie waren und wie sehr es ihr ein Anliegen war, deren Ergebnisse zum Wohl der Menschen und nicht zu ihrem Schaden einzusetzen.

Kathrin Wexberg


 

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