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Jury der jungen Leser 2012


Zwei der Preisbücher




Am Donnerstag, den 22. Juni 2012 fand im Literaturhaus Wien die alljährliche Veranstaltung der PreisträgerInnen der Jury der jungen Leser statt – diesmal unter anderem mit zwei Bilderbuchkünstlern, die im letzten Jahr besonders mit ihren Märchen-Illustrationen aufgefallen sind.

Lorenzo Mattotti, gebürtiger Italiener (Brescia) und inzwischen Wahl-Pariser, begann nach einer kurzen Einführung im Gespräch mit der Juryvorsitzenden Mirjam Morad, seine Karriere nach zu erzählen. Unterstützt wurden seine gesten- und geistreichen Ausführungen von einer Diashow seiner Werke. Mattotti zeigte sich bald als typischer Italiener: Das Bild des liebenden Familienvaters, der diesen Moment aus dem Olivenhain kommt, um einen Teller pasta zuzubereiten, wollte nicht mehr verschwinden!



Lorenzo Mattotti


Lorenzo Mattotti und Mirjam Morad

Erstaunlicherweise berichtete Mattotti anfangs viel von seinen künstlerischen Mode-Arbeiten und überraschte dadurch die großteils jugendlichen ZuhörerInnen. Der Illustrator arbeitete nämlich (aus Geldmangel) einige Jahre für Modemagazine, beispielsweise "Vanity" und illustrierte Modestrecken. Später kamen auch renommierte Magazine, wie der "New Yorker" hinzu, die den Künstler um Coverillustrationen baten. Mattotti plauderte aus dem Nähkästchen, erzählte, dass er ein Bild (über die Feuersbrunst in Kalifornien) lediglich auf dringende Nachfrage des Redakteurs in einer einzigen Nacht angefertigt hatte; zeigte aber auch eine fotografisch anmutende Illustration des jährlich stattfindenden New-York-Marathons, welche aufgrund immer dazwischengeschobener "wichtigerer" Themen erst Jahre nach ihrer Entstehung endlich veröffentlich wurde.

Als Mattotti zu seinem preisgekrönten Werk Hänsel und Gretel (Carlsen) kam, berichtete er, dass die darin abgebildeten Waldsituationen von den patagonischen Wäldern in Südamerika inspiriert sind. Mattotti hatte dort nämliche zahlreiche über 1 Meter große Kunstwerke bzw. Lichtstudien erschaffen und im Zuge derer auch seinen "neuen" Stil, die schwarz-weiße Technik, entdeckt, welche er persönlich momentan favorisiert. Zum Abschluss bat ein Bub aus dem Publikum den Künstler auf einem Flipchart ein kleines Bild zu zeichnen – nachdem Mattotti einwilligte, malte der Bub zwei ineinander verschachtelte Kreise auf das Papier, welche vom Maler höchstpersönlich vollendet und signiert wurden.

 

 


Benjamin Lacombe im Gespräch mit Mirjam Morad

 

 

Im Anschluss an Lorenzo Mattotti betrat Benjamin Lacombe die Bühne, der für sein Bilderbuch Schneewittchen (Jacoby & Stuart) ausgezeichnet wurde.

Auch Lacombe begleitete seine Erzählungen mit einer Diashow seiner Werke – zudem präsentierte er aber auch Originalbilder und sein Skizzenbuch. Dabei blühte der junge Künstler immer mehr auf: Während des Streifzugs durch seine künstlerische Entwicklung betonte er immer wieder, wie wichtig ihm auch die haptischen Elemente seiner Werke sind. Als Beispiel führte er unter anderem das bis jetzt nur im Französischen erschienene Bilderbuch "Ondine" an – auf dem Cover wechselt sich glattes Papier mit mattem und erzeugt so den Eindruck von Flüssigkeit. Überhaupt vermittelte Lacombe den Eindruck, dass ihm immer das Gesamtwerk am Herzen liegt und nicht nur seine Illustrationen. Deshalb, so Lacombe, könne er auch nur mit wenigen Menschen (darunter Sébastien Perez) zusammenarbeiten, die seine Ideen wirklich teilen.

Viele Bücher Lacombes sind aus diesem Grund auch nur von ihm persönlich konzipiert worden: So auch das kleine Bilderbuch "Destins de Chiens" (ebenfalls nur im Französischen erschienen) – hier wollte Lacombe dem Thema des Todes von einer anderen, humoristischeren Seite begegnen. Das Büchlein besteht aus kleinen Einzelgeschichten, die jeweils die Todesumstände eines Hundes bzw. seines Herrchens oder Frauchens auf parodistische Weise auf die Schippe nehmen. Der Mops "Flatule" (deutsch: Pupser), inspiriert von Lacombes eigenem Hund Virgile, wird seinem Namen nämlich nur allzu gerecht. Sein Herrchen, das um diesen sensiblen Umstand weiß, nimmt die ganze Scham und Schuld auf sich, um sein geliebtes Hündchen zu schützen. So lüftet der Junge auch niemals das Zimmer, so lange der Hund noch wach ist; erst wenn dieser schläft, kann endlich frische Luft in den Raum. Eines Tages allerdings verschläft der Junge und vergisst zu lüften. Die starke Methangasentwicklung ist der beiden Tod. Sehr zum Amüsement der anwesenden Kinder ("Können Sie uns alle Geschichten aus diesem Buch erzählen?") lockerte Lacombe mit Anekdoten wie dieser seinen Vortrag immer wieder auf. Und auch er durfte/musste am Schluss seiner "Lesung" ein weiteres Bild des kunstbegeisterten Zuhörers vervollständigen: Aus einem Halbkreis und einer Ecke wurde eine junge Frau, die sich die Ohren zuhielt.

 


Benjamin Lacombe

 


Der Künster im Interview mit Kathrin Wexberg
und Corinna Kramer


 

Das anschließend stattfindende Interview, das in der nächsten Nummer von 1000 und 1 Buch erscheinen wird, fand in einem kleinen Wiener Kaffehaus auf der anderen Straßenseite statt.
Bei einer Tasse Melange und in vertrautem Französisch plauderte Lacombe mit Kathrin Wexberg und Corinna Kramer über seine Arbeit. Dabei zeigte sich auch wieder das Bedürfnis der Illustrators seine Ausführungen mit konkretem Bildmaterial unterstreichen zu können: So kam es auch, dass Kathrin Wexberg das aktuelle Skizzenbuch des in Frankreich ausgesprochen populären Künstlers in die Hand nehmen und durchblättern durfte …


Text und Fotos von Elisabeth von Leon,
STUBE-Praktikantin im Juni