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GRIMMig
STUBE-Freitag zum Thema Märchen
Zu Gast: Sybille Schenker

 



Anlässlich des 200jährigen Jubiläums der Ersterscheinung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm hat die STUBE einen thematisch entsprechenden Schwerpunkt mit einer eigenen Veranstaltungsreihe gesetzt. Der STUBE-Freitag GRIMMig am 19. Oktober 2012 stellte dazu den Auftakt dar.

Höhepunkt des Nachmittags war das Werkstattgespräch mit der Künstlerin Sybille Schenker, die erstmals in Wien zu Gast war und im STUBE-Gespräch Auskunft über ihre Arbeit an ihrer Bilderbuchversion von "Hänsel und Gretel" (minedition 2011) gab. Das Bilderbuch erregte durch seine bemerkenswerte und aufwendige Gestaltung viel Aufsehen und erhielt den erstmals verliehenen Sonderpreis Märchenbilderbuch 2011, gestiftet von der Märchen-Stiftung Walter Kahn. Das Buch ist "eine bibliophile Kostbarkeit von besonderem künstlerischen Rang" – dementsprechend angetan war das Publikum dieses STUBE-Freitags, das sogar die Originalbilder sehen konnte.

Im Rahmen eines Werkstattgespräches erzählte Sybille Schenker von der Entstehung der Scherenschnitte: Trotz der notwendigen Akribie erlaube ihr diese Arbeitsweise gewisse künstlerische Freiheiten, so die gelernte Kommunikations-Designerin. Die filigranen Scherenschnitte der Figuren etwas lassen sich nachträglich mit buntem Papier "ankleiden" und auch Effekte wie lichtender Nebel, der das Hexenhaus Seite für Seite enthüllt, sind durch die Kombination aus Scherenschnitt und Transparentpapier bestmöglich. Die spürbare Lust am Material und der Haptik sei gewissermaßen auch Ausgleich für ihre (computerzentrierte) Tätigkeit als Grafikerin.

Sybille Schenker äußerte sich auch über ihren Umgang mit der dem Märchen ganz eigenen Ikonographie: So habe die Hexe in einer ersten Version noch großmütterliche Züge getragen, bevor sie das bedrohliche Aussehen bekam. Die markante Retro-Optik des Buches wiederum ist nach Sybille Schenker einerseits Resultat ihres Aufenthalts in den USA, während dem das Buch entstand, andererseits Resultat ihrer Faszination für die 20er und 30er Jahre.  

Neben der Ästhetik des Buches kam auch die Genese der tatsächlichen Publikation zur Sprache: Nach Vorstellung bei diversen Verlagen auf der Frankfurter Buchmesse 2010 stieß sie auf die Michael Neugebauer Edition, wo Sybille Schenker ihren letztverbliebenen "Dummy" des Buches vorstellte. Vor allem Gudrun Albertsmeier, deren geplante Teilnahme an diesem Werkstattgespräch leider kurzfristig abgesagt werden musste, sei sehr angetan gewesen und der Verlag entschied sich für die aufwendige Publikation. Eine gute Entscheidung, wie auch die zahlreich erschienenen Gäste des Nachmittags feststellten.




Ein Buch, das aus verschiedensten Perspektiven erschlossen werden will ...

 

Weitere kinder- und jugendliterarische Varianten von "Hänsel und Gretel" stellt die STUBE in einer eigens zusammengestellten Liste vor.



Brüder Grimm / Sybille Schenker: Hänsel und Gretel. Gekürzte deutsche Textfassung von Werner Thuswaldner. minedition 2011. ISBN 9783865660411.


 

Neben Sybille Schenkers Werk präsentierte das STUBE-Team an diesem Nachmittag (multimediale) Neubearbeitungen einzelner Grimm-Märchen. Jede/r STUBE-MitarbeiterIn widmete sich dabei einer konkreten Märchenfigur. Der böse Wolf (Kathrin Wexberg) war leider kurzfristig verhindert und so konnten Prinz (Peter Rinnerthaler) und Prinzessin (Christina Ulm) einen relativ unbeschadeten Streifzug durch ihre Märchen und deren Adaptionen wagen: So wurde die typische Erzählstruktur eines Grimmschen Prinzenmärchens ebenso aufgezeigt wie die Funktion des Stereotyps „Prinzessin“ in der Populärkultur. Ganz im Sinne der Interdisziplinarität wurde hierfür nicht nur Vladimir Propp bemüht, sondern auch die Valenzgrammatik und Alfred Hitchcock.
Dem unausweichlichen Kitsch so manches Bildbeispiels schob schließlich die böse Stiefmutter (Heidi Lexe) einen Riegel vor: Das nefaste Moment des Verschlingens als Gegenteil zum mütterlichen Aspekt des Gebärens wurde in Märchen wie Sneewittchen und seinen filmischen und literarischen Neubearbeitungen aufgedeckt.
Zum Abschluss bot Elisabeth von Leon, freie Mitarbeiterin der STUBE, ein Resümee der gegenwärtigen Trivialisierung, Popularisierung und Sexualisierung von Märchenmotiven und legte eine Analyse aktueller Medienbeispiele wie der Serie "Once Upon a Time" vor.

Eine Literaturliste der vorgestellten Medien
finden Sie
hier

Der Arbeitsschwerpunkt der STUBE zum Thema Märchen wird fortgesetzt mit einer Vorlesung an der Universität Wien und einem "verhexten" STUBE-Freitag. Mehr Informationen dazu finden Sie hier

Die gesamte Veranstaltungsschiene "GRIMMig betrachtet" findet mit Unterstützung der Märchen-Stiftung Walter Kahn statt.

Wir danken unserer Kooperationspartnerin herzlich!