Thema: Romeo und Julia eine bühnenreife Liebesgeschichte
Barbara Kindermann / Christa Unzner: Romeo und Julia
"Da erblickte Romeo inmitten der Festgesellschaft plötzlich Julia." Die Welt bleibt stehen und in einem Raum voller Menschen sehen die beiden nur noch einander: Die wohl berühmteste und traurigste Liebesgeschichte aller Zeiten beginnt. Barbara Kindermann erzählt sie nach wobei sich deutlich der wesentlichste Unterschied zwischen Prosa und Drama zeigt: Der Erzähler nimmt, auch dann, wenn er nicht personifiziert wird, Einordnungen des Geschehens vor, die das Drama in seiner Unmittelbarkeit nicht kennt. Bis hin zum tragischen Ende wird die Geschichte der beiden jugendlichen Liebenden zügig ausgebreitet, wobei kurze Passagen aus dem Original in die Dialoggestaltung mit einfließen. Begleitet wird der Text von farbig verhalten unterlegten Zeichnungen, die an Skizzen für eine Bühneninszenierung erinnern und damit die Verbindung zwischen Original und Nacherzählung klug aufrechterhalten.
Nach William Shakespeare.
Kindermann 2003.
36 S.
Romeo und Julia. Film von Baz Luhrmann
Auch wenn die Franco Zeffirelli-Fans das sicher nicht gerne hören, handelt es sich bei Baz Luhrmanns Kultfilm sicher um die gültigste der vorliegenden cineastischen Varianten von Shakespeares Liebesdrama: Angesiedelt im abgegammelten, mit dem Flair südamerikanischer Einwandererkultur unterlegten Verona Beach, wird die berühmte Liebesgeschichte im jugendkulturellen Milieu erzählt. Aus dem Kontrast der Originalverse und einer symbolisch nachhaltig überfrachteten Bildsprache entwickelt sich zwischen Bandenkrieg und Drogenrausch eine umso berührendere erste Liebe. Einander auf einem Maskenball (als Ritter und Engel verkleidet) treffend, zelebrieren Leonardo di Caprio und Claire Danes ihren verzweifelten Versuch, das Unbekannte, Klare und aus sich heraus Leuchtende in ihrer düsteren und doch grell blinkenden Welt zu leben und zu bewahren vergebens wie man weiß ...
20th Century Fox 2009.
113 Minuten.
USA 1996. [DVD]
Katarina von Bredow: Verliebt um drei Ecken
Er heißt Adam, soll aber nicht seine Eva, sondern seine Julia finden. Neu in der Klasse wird er dazu verdonnert, in einer Schultheaterinszenierung den Romeo zu geben, um Frida vulgo Julia als seine wahre Liebe zu erkennen. Nur, wie das nun Mal so ist bei so wunderschön komponierten Liebesgeschichten, sehnt Adams Herz sich nicht nach Frida, sondern nach dem von deren bester Freundin Katrin. Aus ihrer Sicht wird der Kampf zwischen Pflicht und Neigung geschildert: Katrin möchte die extrovertierte Freundin nicht vor den Kopf stoßen und doch haben sie und Adam sich fernab von dem Theater in der Schule ineinander verliebt. Hineinverwoben in diese verschlungene Dreiecksbeziehung ist Katrins familiäre Situation, die einer Neuordnung und Neuorientierung auch von Seiten der Protagonistin bedarf. Katarina von Bredow gelingt dabei ein von leichter Hand erzählter und doch herausfordernder Roman, in dem Figuren in all ihrer Sympathie und Fehlerhaftigkeit wahrgenommen werden.
Aus dem Schwed. v.
Maike Dörries.
Beltz&Gelberg 2008.
360 S.

Ron Koertge: Monsterwochen
Man gibt Monster-Wochen in den Rialto-Lichtspielen und Ben Bancroft hat vor, sich in aller Ruhe einem Monsterfilm nach dem anderen hinzugeben. Doch die Ruhe des Außenseiters wird jäh gestört, als die ausgeflippte Colleen sich neben ihn setzt und in Folge gleich auch sein Leben aufzumischen beginnt. Es entwickelt sich eine eigenwillige, spröde Freundschaft zwischen dem Bürgerschreck und dem Halbspastiker: Provoziert von Colleens offensiver Art beginnt Ben, sich aus der sicheren Abgeschiedenheit abgedunkelter Kinosäle herauszuwagen und seine Umwelt neu zu entdecken. An der Seite eines ständig nach dem Kick suchenden Mädchens währen die Dinge jedoch nicht lange gerade dann nicht, wenn es sich um eine so wunderbar direkt erzählte Geschichte handelt.
Aus dem Engl. v.
Heike Brandt.
dtv junior 2005.
160 S.
Manfred Theisen: Checkpoint Jerusalem. Eine Liebe in Zeiten des Terrors
Es ist ein Zufall, der die Jüdin Maja und den Palästinenser Amer zusammenführt. Aus ihrer anfänglich zurückhaltenden Sympathie für einander entwickelt sich inmitten eines aufgehetzten, von Misstrauen und Hass geprägten Klimas eine zerbrechliche Beziehung, die jedoch letztlich scheitert. Am Ende des Buches hat Maja bereits einen neuen Freund, Amer und seine Familie beschließen, zermürbt von den Schikanen gegen die palästinensische Bevölkerung, nach Amerika zu emigrieren. In knappen, drehbuchartigen Sequenzen erzählt, erfahren die Leser_innen neben der geschilderten Liebesgeschichte einiges über die komplexe politische Realität im Nahen Osten; zentrale Begriffe werden in einem Glossar erklärt.
cbt 2004.
224 S.
Warm Bodies
Romantasy trifft Horror: In dem auf Marion Isaacs Roman "Mein fahler Freund" basierenden Film wird die Erde nach einer apokalyptischen Zäsur in der Menschheitsgeschichte von Zombies heimgesucht. Erzählt wird dabei aus der Innensicht eines Zombies, der als jugendlicher Ich-Erzähler auftritt und dessen äußerst eloquente Gedanken einen reizvollen Kontrast zu seiner Unfähigkeit, sich nach Außen hin auszudrücken, bilden. Wie der Zufall es will, trifft er auf die taffe Julie, die Tochter des Anführers der verbliebenen Menschen. Und – wie könnte es bei einer an "Romeo und Julia" angelehnten Geschichte anders sein – die beiden verlieben sich. Jedoch nicht etwa aus einer romantisch kitschigen Situation heraus, sondern weil R. – den Julie im Darauffolgenden so nennen wird, weil dieser Laut, so wortgewandt R. in seinen Gedanken auch sein mag, in seiner Zombie-Existenz das einzige ist, das er äußerlich artikulieren kann – das Gehirn ihres Freundes verspeist hat. Und so nehmen die Geschehnisse ihren Lauf, mit viel Witz und Schlagfertigkeit.
Film v. Jonathan Levine.
Concorde.
95 Minuten.
USA 2013. [DVD]
Marion Isaac: Mein fahler Freund.
Aus dem Engl. v. Daniel Sundermann.
Klett-Cotta 2011.
298 S.
