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Lektorix des Monats
Ein Buchtipp von STUBE, Institut für Jugendliteratur und DIE FURCHE

 

Lektorix in DIE FURCHE 22/2. Juni 2010

Birnenhaus, Haus mit Stacheln

Gemeinsam mit der Zeit zählt der Raum zu den wesentlichen Konstruktionsmerkmalen von Literatur. Das gilt, selbstverständlich, auch für das Bilderbuch. Gerade das aus dem unmittelbaren kindlichen Alltag heraus erzählende Bilderbuch vergisst jedoch oft auf die bauliche Vielfalt, die Kinder umgibt, und spiegelt damit durchaus das oft mangelnde allgemeingesellschaftliche Bewusstsein für Raumgestaltung, Architektur und Design. Wenn Kinder erstmals Häuser zeichnen, dann zumeist in quadratischer Form mit Giebeldach.
Warum also nicht einmal ein Zickzackhaus zeichnen, ein Birnenhaus, ein Schmetterlingshaus? Ein Haus in Halbmondform, ein Haus auf dünnen Beinen oder ein Haus mit Stacheln? Überbordende Fantasie und Realitätsanspruch wären gleichermaßen gewahrt, denn: All diese Häuser gibt es. Fünfunddreißig der interessantesten auf der ganzen Welt werden von den beiden polnischen Grafikdesignern farbstark im quadratischen Format präsentiert: Die Häuser werden in unterschiedlichen Ansichten skizziert, Grundrisse und Aufrisse je nach Bedarf mit Details der Innenansichten, Vergleichen der Bauteile oder klimatischen Bedingungen.
Die dominanten Farbflächen erhalten dem Buch dessen humorvollen Unterton; hier wird der Sachbuchcharakter nicht durch trockene, statische und geometrische Exaktheit gewahrt, hier wird ein Panoptikum architektonischer Möglichkeiten aufgeblättert und mit umfassender Sachinformation ergänzt, die Materialienkunde ebenso umfasst wie die jeweilige geografische Verortung und Funktionsaspekte der Häuser.
Die Originalnamen werden ebenso genannt wie die Architekten, deren Grundüberlegungen in die spielerische Aufbereitung der Sachinformation einfließt. Wer also schon immer einmal wissen wollte, wie viele Arten von Wassertürmen es gibt und in welchem Kontext diese Wasserturmarten zu dem Haus unter dem Dach (Woning Moereels) in Brasschaat, Belgien, stehen, der hat sein Bildersachbuchparadies gefunden – und landet dann auch folgerichtig beim Haus am Ende der Welt, dem Casa Poli auf der Halbinsel Coliumo, Chile. Hier scheitert ohne exakte Ortskenntnis sogar Google Earth. Womit einer der reizvollen Aspekte dieses Buches bereits genannt ist: Mit Kindern lassen sich zahlreiche Möglichkeiten finden, sich von den fünfunddreißig außergewöhnlichen Exemplaren zu eigenem Hausbau auf Mal- und Klebeunterlagen oder mit Karton und allen anderen nur erdenklichen Materialien anregen zu lassen – und dabei Fotos und Verortungen der Häuser aus Reiseführern, Atlanten oder natürlich dem Internet mit einzubeziehen.

Heidi Lexe

 


Alexsandra Machowiak / Daniel Mizielinski:
Treppe Fenster Klo. Die ungewöhnlichsten Häuser der Welt.
Aus dem Poln. v.
Dorota Stroinska.
Moritz 2010.
ISBN 978-3-89565-217-2

Wie war das damals?

Von Kathrin Wexberg

Kirsten Boie: Ringel, Rangel, Rosen. Oetinger 2010. ISBN 978-3-7891-3182-0

"Die Vertreibung aus dem Paradies – ein alttestamentarisches Motiv, das in der Literatur vielfach variiert wurde. In der Jugendliteratur bietet sich die Verschränkung mit dem Ende der Kindheit an:" Lesen die vollständige Rezension hier

 



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