Thema: Geschichten vom Klöchen
Werner Holzwarth / Wolf Erlbruch: Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat
Der Klassiker unter den Bilderbüchern zum Thema - auch wenn hier nicht im engeren Sinn ein Klo vorkommt. Vielmehr wird scheinbar willkürlich durch die Gegend gegackt, zumindest muss das aus der Tatsache geschlossen werden, dass dem kleinen Maulwurf als er eines Tages seinen Kopf aus der Erde streckte ein Würstchen auf ebendiesen plumpst. Unerschrocken macht sich das vom Illustrator Wolf Erlbruch als ein wenig soigniert dargestellte Tier auf den Weg, den Übeltäter auszuforschen. Er wandert von Tier zu Tier und lässt sich Beweisstück für Beweisstück vorführen, bis er mit Sicherheit weiß, von wem der Haufen auf seinem Kopf stammt. In der außerordentlich köstlichen Musical-Version der Geschichte (auf CD erschienen bei Patmos) wird den Tieren nicht nur fäkaler, sondern auch musikalischer Variantenreichtum zugeschrieben: Bis der kleine Maulwurf also Gerechtigkeit am Metzgershund Hans-Heinrich üben darf, swingt man sich von der Eliza Doolittel-Ziege über das Hilly-Billy-Pferd bis hin zu den Hasen, die ihre Bohnen seit fünfhundert Jahrmillionen mit flockigem Rata-tata-tata in die Gegend schleudern.
Peter Hammer 2001.
24 S.
Meyer/Lehmann/Schulze/Susanne Gröhlich: Mara muss mal
Klett Kinderbuch 2009.
32 S.
Nele Moost / Michael Schober: Welcher Po passt auf dieses Klo?
Esslinger 2009.
26 S.

Manuela Olten: Muss mal Pipi
Klopapier, so darf festgestellt werden, ist ein im Bilderbuch viel zu wenig beachtetes Requisit - machen uns doch werbetechnisch charmante Braunbären und allerlei andere seltsame Wesen glauben, es gebe hier deutliche Unterschiede. Ein wenig weiß sich Manuela Olten in diesen Diskurs einzuschreiben - zumindest den Vorsatz ihrer Geschichte zieren allerlei einschlägige Rollen. Die werden in der Folge auch gebraucht, geht es in den großflächig ausgemalten Bildseiten doch ausschließlich darum, wer unter welchen Voraussetzungen wann wie und wohin pinkeln darf, soll, oder muss. Und wenn man da zum Beispiel ein öffentliches Klo benutzt, fordert Mama immer den umfangreichen Gebrauch von Klopapaier, um sich nicht direkt auf die verdreckte Brille setzen zu müssen. Zu bedenken ist im Zusammenhang mit mannigfach abgelassenen Pipiladungen - und das darf in Manuela Oltens humorigen Bilderbüchern mittlerweile als Spezialthema gelten - der geschlechtsspezifische Aspekt, denn schließlich gibt es hier entscheidende Unterschiede
Carlsen 2005.
32 S.
Benoît Charlat: Fertig!!! Lustige Klo-Geschichten
Aus dem Französ. v.
Uli Blume.
Boje 2008.
18 S.

Marie Thérèse Schins / Wiebke Oeser: In Afrika war ich nie allein.
Kulturelle Unterschiede zeigen sich oftmals in Details - doch gerade Tabu- oder Intimbereiche werden in kinderliterarischen Fremdheitserfahrungen oftmals ausgespart. Nicht so, wenn Doro mit ihrem Vater zu Freunden nach Togo (Westafrika) reist und dort die Erfahrung macht, immer und überall von Menschen umgeben zu sein: Das Haus, das den Gästen aus Europa zur Verfügung gestellt wird, verfügt über die Kuriosität von Fließwasser und Toilettenraum, also sind die zahlreichen Kinder unter den Gastgebern außerordentlich interessiert daran teilzuhaben, wenn es benutzt wird. Noch ungewöhnlicher wird die Situation für Doro als sie im Land unterwegs sind Unterhaltsam und kurzweilig wird vom kindlichen Blick auf eine unvertraute Umgebung erzählt, indem elementare Alltagserfahrungen von Doro selbst festgehalten werden.
dtv junior 2003.
128 S.
Joanne K. Rowling: Harry Potter und die Kammer des Schreckens
Mit Band 6 (die deutschsprachige Ausgabe
erschien am 1. Oktober 2005) und der sich daraus ergebenden Erkenntnis, dass
es in Lord Voldemorts Welt so genannte Horcruxes gibt, gewann auch Band 2 wieder
neue Aufmerksamkeit. Wir erinnern uns: In der Zauberschule Hogwarts herrscht Angst
und Schrecken: Die Kammer des Schreckens wurde geöffnet und in blutigen Lettern
an der Wand ergeht die Warnung an SchülerInnen und LehrerInnen: Feinde des
Erben, nehmt Euch in Acht.
Ein Gutteil des Bandes spielt im Mädchenklo
im ersten Stock - in jenem Klo, in dem Maulende Myrthe (Moaning Myrtle) jammernd
und ewig depressiv herumspukt. Harry, Ron und Hermine ziehen sich hierher zurück,
um ungestört den Vielsaft-Trank zu brauen; hier finden sie auch den geheimnisvollen
Taschenkalender des T. M. Riddle. Und in diesem Raum eröffnet sich - im wörtlichen
wie übertragenen Sinn - auch die Wahrheit über die Kammer des Schreckens
Wer eine Vorstellung davon bekommen will, wie dieser Handlungsort aussehen könnte,
der erhält in der Verfilmung (Ausstattung: Stephanie McMillan) von Chris
Columbus Einblick in einen Licht durchfluteten Raum, in dessen Mitte die Waschbecken
an einen riesigen steinernen Brunnen erinnernd angeordnet sind.
Aus dem Engl. v.
Klaus Fritz.
Carlsen 1999.
336 S.
Tamara Bach: Marsmädchen
"This small town hasn't got room for my big feelings." Dieses Zitat aus einem Song von Björk stellt Tamara Bach ihrem Adoleszenzroman leitmotivisch voran. Ein anderes Songzitat ist an das Ende der Ich-Erzählung gestellt: "I still remember you girl from mars. I still love you girl from mars." Dazwischen liegt eine Liebesgeschichte, die es der Ich-Erzählerin Miriam ermöglicht hat, die Enge ihres eigenen Lebens endlich einmal zu überwinden - im wörtlichen und übertragenen Sinn hinaus zu gehen. Bis dahin erschien alles wie eingefroren - nicht nur die Kleinstadt selbst, sondern auch das Leben in ihr. Als beispielhafte Szene dafür schildert Tamara Bach Miriam und ihre beiden Freundinnen am Schulko. Sie sitzen da in der Pause, in der größten der Kabinen, dem Behindertenklo. So wie sie jeden Tag da sitzen: Suse auf dem Klo und Ines unter dem Waschbecken und wenn es läutet, raucht Miriam noch eine und kommt dann nach. "So ist das alles. Das ist Freundschaft." Dynamik bringt Laura in diese Konstellation, die Neue - und Tamara Bach zeigt im Wechsel ihrer Stilmittel und ihrer Erzählgeschwindigkeit was es heißt, endlich das Gefühl zu haben, vom Leben da draußen zu kosten.
dtv pocket 2005.
192 S.

