Christiane Benthin, Dozentin der Fachschule für Sozialpädagogik in Darmstadt, griff den Faden der Lesesozialisation am Beginn des zweiten Tages wieder auf und sponn ihn weiter Richtung einer geschlechtsspezifischen Lesesozialisation. Wird Sprachkompetenz an Mädchen und Buben bereits unterschiedlich vermittelt? Welche Bedeutung haben emotional besetzte Wörter im Lernprozess des sinnerfassenden Lesens, das ein assoziierendes Lesen ist? Und ist die Frage nach der väterlichen, ja überhaupt männlichen Beteiligung am Leselernprozess zu stellen?
Die Frage nach Rollenmustern in der Kinderliteratur, die Christiane Benthin abschließend an Bilderbuchbeispielen aufzeigte, war dann auch für die Kinderbuchfigur Lola relevant. Auch ihre Geschichte wird von einem abwesenden Vater und einer Freundschaft zu einem gleichaltrigen Buben geprägt. Annette Mierswa las am Abend des zweiten Tages aus ihrem Kinderbuch "Lola auf der Erbse" und erzählte von ihrer Zusammenarbeit mit Stefanie Harjes.
Den Abschluss der Tagung bildete am Vormittag des letzten Tages eine weitere Autorenbegegnung: Alois Prinz, zuallererst bekannt für seine im Verlag Beltz&Gelberg erschienenen Biografien von Franz Kafka, Hermann Hesse, Hannah Arendt, Ulrike Meinhof und des Apostels Paulus, stellte in seinem Werkstatt-Referat den hohen Anteil des eigenen Ich in der Erarbeitung von Biografien heraus. Eine Biografie zu verfassen inkludiert den Umweg, etwas über sich selbst im Spiegel einer anderen Person zu sagen. Dabei jedoch soll der langwierige Prozess des Recherchierens und Schreibens einer Biografie kein "Glaubensbekenntnis" enthalten: das dargestellte Leben soll nicht (ideologisch) von dessen Ende her gewertet werden. Gerade mit einer Person wie Ulrike Meinhof muss mitgegangen werden, sodass Lebensumbrüche und die Vielfalt an Möglichkeiten, aus denen sich einzelne Entscheidungen ergeben, mitvollzogen werden können. In seiner Arbeit pflegt Alois Prinz das – wie er es nennt – poetische Gedächtnis, ruft nach umfangreicher Recherche Kleinigkeiten ab, die für ein ganzes Leben wichtig sind. Und bleibt dabei, wie er es formuliert, "auf unverschämte Weise subjektiv".
Als Frieder nach seinen Erlebnissen "In finsterschwarzer Nacht" (in einem Guss von Dorothée de Monfreid) im Haus des Kaninchens endlich Ruhe findet, labt er sich an einer Tasse Kakao – die er auf das Wohl des vermeintlichen Ungeheuer trinkt. So rasch kanns gehen vom GRROOAAAHHUU! zur postabenteuerlichen Wohligkeit …
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