
Die Preisbücher
Der deutsche Erfinder Artur Fischer, Erfinder der Fischer-Technik, der erfolgreichen Konstruktionsbaukastensysteme für Kinder, holt sich z.B. immer wieder Kinder in sein Atelier, um ihnen beim Spielen zuzuschauen. Das intuitive Wissen von kleinen Kindern um Zusammenhänge, um Abläufe, um variable Spiel-Möglichkeiten habe ihn schon oft zu neuen Erfindungen inspiriert, sagt Artur Fischer. Er habe von den Kindern mehr gelernt als von den so genannten Experten.
Von der "strahlenden Intelligenz der Kinder im Vorschulalter" sprach Sigmund Freud.
Da haben wir es wieder, das Strahlen, Leuchten, das Licht, das durch die Anfänge hindurchstrahlt.
Und diese Anfänge gehören nicht nur den Kindern…
Wissen Sie, wie Robert Musils berühmter Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" endet? Er endet mit einem Komma. Der Roman hat ein "offenes Ende", da kommt noch etwas, das ist noch vieles möglich… So lässt sich auch jedes Ende gut als Anfang begreifen.
In Japan werden Kinder und alte Menschen hoch geschätzt.
Beide erfahren das Leben – auf ihre Weise – als besonders kostbar.
Kindheit und Alter gelten als privilegierte Lebensphasen. Der Kontakt zwischen den Kindern und den Großeltern, der Dialog zwischen den Jungen und den Alten, er ist deshalb auch von enormer Bedeutung. Die Großeltern geben ihr Wissen an die Enkelkinder weiter – und bleiben dabei selbst Lernende...
Die Lehrer-Schüler-Beziehung, sie ist eine Beziehung, die in Japan auch im hohen Alter immer wieder hergestellt wird, Das Lernen hört also nie auf. Und – es beginnt früh.
Kindergärtnerinnen haben in Japan den Status von Universitätsprofessoren. Zu Recht – sind sie doch die ersten wichtigen Lehrerinnen, die Kindern etwas vermitteln sollen.
Auch aktive Großeltern haben für mich den Status von Universitätsprofessorinnen und Professoren. Sie geben Wissen weiter.
Sie sind es, die Kinder begleiten – durch die "Universität der Kindheit", durch eine Vielzahl von intensiven Anfängen.
Von einer wirklichen Wertschätzung für alle, die helfen, kleinen Kindern die Welt begreifbar zu machen ist man bei uns leider immer noch Lichtjahre entfernt.
Ich glaube, dass wir unsere Kinder immer noch unterschätzen.
Und zwar in vielen Bereichen.
Darauf schauen, dass nix passiert, wird – für die Zukunft – zu wenig sein. Zum Glück spielt die Welt der Bücher an vielen Orten eine wichtige Rolle.
Es gibt, wir wissen es, auch bei uns in vielen Schulen und Bibliotheken Buchtage, Buchstunden und Leseprojekte, in denen die Welt der Bücher entdeckt wird. Viele engagierte Menschen leisten hier eine über alle Maßen beeindruckende Arbeit.
Ich komme zurück zu Lillis Formulierung "besser gut".
"Besser gut" – so sollte unser Umgang mit allem sein, was für Kinder angeboten wird – ob es nun die Betreuung in der Kindergruppe ist oder der Versuch besondere und besonders schöne, anspruchsvolle Bücher für Kinder zu machen.
"Besser gut" sollte auch unser Selbstverständnis als so genannte Kinderbuchautorinnen und Autoren, als Kinderbuch-Illustratorinnen oder Illustratoren, als Verlegerinnen und Verleger sein. Wir machen Bücher – auch für Kinder. Kann es eine schönere und wertvollere Arbeit geben?
"Besser gut" sollte unsere Freude und unser Erstaunen darüber sein, wie Kinder mit den Worten und Bildern umgehen, die wir ihnen anvertrauen. Wir geben ihnen Proviant mit auf den Weg, so wie wir von anderen Künstlerinnen und Künstlern mit Proviant versorgt wurden, und viele von uns sind ein Leben lang froh über diese Stärkung.
Tomas Tranströmer hat die sehr frühe Kindheit als den "lichtstärksten Teil" seines Lebens bezeichnet.
Wir haben die Chance, mit unseren Büchern dieses Licht der frühen Jahre zu verstärken, wir haben die Chance Kindern Lebenslust, Neugier, Mut und Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben, und das ist wahrhaftig eine schöne, verantwortungsvolle Aufgabe.
Wir müssen nicht vor jedes Scheinwerferlicht springen, für Kinderbuchleute wird die Anzahl der Schweinwerfer ohnehin gering gehalten, aber wir sollten unser Licht auch nicht unter den Scheffel stellen. Und das sollte niemand, der für kleine und große Kinder engagiert tätig ist, in welchem Bereich auch immer.
Als "besser gut" werden heute einige Bücher ausgezeichnet.
Im Namen der ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstler und im Namen der ausgezeichneten Verlage möchte ich mich bei der Jury und bei der Stadt Wien sehr herzlich für die Zuerkennung der Preise bedanken.
Danke auch Ihnen dafür, dass Sie diese Freude mit uns teilen.
Wertschätzung ist immer "besser gut".
Danke!
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