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Kinder- und Jugendbuchpreise der Stadt Wien 2012


PreisträgerInnen


Heinz Janisch / Helga Bansch: Die Brücke

Mächtige, von Helga Bansch collagierte Berge aus kariertem Papier, Stoffresten und Landkarten türmen sich links und rechts des smaragdgrünen Flusses. Nur eine schmale Brücke führt hinüber und eines Tages wollen ein Bär und ein Riese aus entgegengesetzten Richtungen, aber gleichzeitig die Brücke queren. So beginnt das Bilderbuch des bewährten Künstlerduos, das wie ein fernöstliches Märchen anmutet. In der Mitte der Brücke zeigen sich beide Figuren unnachgiebig. Erste Lösungsversuche scheitern, weil dabei immer einer der beiden den Kürzeren ziehen würde. Erst als sie begreifen, dass sie aufeinander angewiesen sind, kann eine Lösung gefunden werden - umgesetzt in bildliche Einzelsequenzen mutet diese an wie ein gemeinsamer Tanz. Ein zeitloses Lehrstück, illustratorisch geradlinig und auf die, der Geschichte entsprechenden Perspektivenwechsel konzentriert umgesetzt.

Mehr über die Arbeit des ausgezeichneten Künstler-Duos können Sie in den STUBE-Berichten von Projekt Buchstart und des Studientags "Das Leben - ein Fest?!" nachlesen.

 


Jungbrunnen 2010


Elisabeth Schawerda / Helga Bansch: Das Geheimnis ist blau

Lyrik, die sich zuallererst mit Zwischentönen befasst: "Zwischen Blau und Grün / schwebt es her und hin, / das leuchtende Türkis." Diesem Schwebezustand wird mit der Erprobung des Wortklanges nachgespürt: "Von schönstem Gelb sind, wenn das Wetter kühl im Herbst wird, Ahornblätter. / Wie ein Zauberteppich liegen sie / herb duftend auf den Wegen in der Früh." Die Leerstellen dieser sprachlichen Askese greift Helga Bansch in ihren Illustrationen auf. Doch auch sie schafft nie Klarheit, sondern formuliert bildlich ein Dazwischen, indem sie Papiere übereinanderlegt und Transparenteffekte kreiert. Somit verleiht sie dem höchst zeitgemäßen Bilderbuch jene Zeitlosigkeit, für die auch das titelgebende Geheimnis steht: "Das Geheimnis ist blau / und hat einen lila Rand. / Keinem einzigen Menschen / ist es bekannt."

"Das Geheimnis ist blau" kürte die STUBE zum Lektorix des Monats April 2011. Vielfältige Einblicke in das Schaffen von Helga Bansch bietet der ausführliche Bericht zum STUBE-Freitag "Zahlen", dessen Höhepunkt ein Werkstattgespräch mit der Künstlerin war.

 


Wiener Dom-Verlag 2011

Kathrin Steinberger: Die Brüder von Solferino

Die politischen Verwicklungen von 1859, die zur Schlacht von Solferino und in weiterer Folge zur Gründung des Roten Kreuzes führten, sind nicht leicht zu durchschauen. Die Autorin setzt dafür drei Hauptfiguren ein: Den Tiroler Bauernsohn Karl, der sich freiwillig zur Armee gemeldet hat, um seine Heimat zu verteidigen; den lombardischen Burschen Ricardo, der um seinen durch die Österreicher gefallenen älteren Bruder trauert und schließlich Henri Dunant, der eigentlich dem französischen Kaiser nachreisen will, um Unterstützung in einer geschäftlichen Angelegenheit zu erwirken. In der Kirche einer lombardischen Stadt treffen die drei nach der Schlacht von Solferino aufeinander - die Situation wirft eine ethische Grundsatzfrage auf, die heute nicht weniger aktuell ist als damals: Zählt Menschlichkeit mehr als politische Feindschaft?

Die Fernkursabsolventin und -autorin Kathrin Steinberger hat mit "Die Brüder von Solferino" bereits den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2011 bekommen.

 


Jungbrunnen 2010

Illustrationspreis
Robert Göschl: Die Geschichte vom Zyphius

Cineasten ist das Fantasiewesen Zyphius vielleicht nicht namentlich, vermutlich aber als Bild ein Begriff: Die Künstlerin Gertie Fröhlich entdeckte es in einem Text aus dem 16. Jahrhundert über Fabelwesen. Fasziniert von seiner kuriosen Hässlichkeit und seiner besonderen anatomischen Eigenschaften wählte sie es als Logo für das Wiener Filmmuseum, wird auf der Webseite erzählt. Der Künstler Robert Göschl widmet sich in seinem Bilderbuchdebüt diesem sagenumwobenen Wesen: All die schrecklichen Eigenschaften, die der Zyphius angeblich haben soll, werden in gereimten, im Duktus ein wenig an die beliebte Geschichte vom "Grüffelo" erinnernden Versen aufgezählt.
Die Tiefen des Meeres werden dabei nicht in den üblichen Blauvarianten, sondern vielmehr einer Fülle an knalligen Schattierungen aller Farbfamilien inszeniert bzw. auf modern anmutende Weise interpretiert: Die Behausung des Tieres leuchtet in futuristischem Orange, seine Glühbirnenaugen werden von einer Batterie gespeist, seinen Rücken zieren Palmen. Der Text folgt dabei jeweils dem Verlauf der Bilder: So ist er manchmal schneckenförmig eingerollt, um sich dann wieder an der langen Zunge des Zyphius zu orientieren. Während letzten Endes durchaus erwartbar aufgeklärt wird, dass es sich bei dem vermeintlichen Ungeheuer eigentlich um ein harmlos Meeressäugetier (Ziphius cavirostris, Cuvier-Schnabelwal) handelt, stecken die Bilder, vor allem aber die Buchgestaltung voller witziger Überraschungen und Anspielungen. Mit dem bedeutungsschwangeren Eröffnungsstatement eines kleinen Fischers "We gonna need a bigger boat" kommen auch die Cineasten auf ihre Kosten. (Kathrin Wexberg)

"Die Geschichte vom Zyphius" war Buchtipp des Monats April 2011 in DIE FURCHE.

 


Luftschacht 2011

Anerkennungsdiplom
Renate Habinger: Lin, die Elfte aus der Feuerbohne

Der Garten ist ein Ort zum Träumen und Werkeln – Renate Habinger versteht es, ihn dementsprechend zu inszenieren und bindet Impressionen aus dem Schneiderhäusl in eine märchenhafte Geschichte: Lin, eine unfreiwillige, aber grandiose Elfe, erobert sich ein Stück Natur. Mit einem Heupferdchen und dem Erdgeist Mirko, der nur in Alliterationen spricht, belebt sie Garten und Phantasie. Die bibliophile Buchgestaltung setzt den Handlungsort variantenreich in Szene: Über florale Fotos legen sich ungeordnet ornamentale Illustrationen und in die Prosaskizzen betten sich abgeschlossene Erzählungen der fabulierlustigen Lin – denn "Mirko mag Märchen!"

Wer den Schauplatz des Buches selbst erkunden möchte, kann dies bei der jährlichen Sommerschule im Schneiderhäusl von Renate Habinger tun. Einen ausführlichen Bericht des letzten Jahres finden Sie hier. Den Garten ins Haus holte sich die STUBE beim STUBE-Freitag im literarischen Grün, bei dem "Lin" mit dem Geschichtenteppich der Illustratorin Barbara Schwarz präsentiert wurde.

 


Wiener Dom-Verlag 2011

Preisverleihung