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Bühne frei! hieß es von 23. – 25. März, als im Rahmen einer in Kooperation mit dem DSCHUNGEL WIEN entstandenen STUBE-Tagung die Frage nach Literatur und Theater für Kinder und Jugendliche im kreativen Dialog gestellt wurde.
60 TeilnehmerInnen fanden – zum Teil trotz widriger Umstände (Sommerzeitumstellung! Bildungshausessen!!) – den Weg ins Don Bosco Haus in Wien, um der Frage nach den Spielformen des Theaters für Kinder und Jugendliche nachzugehen.

Programm



 

In ihrem Eröffnungsreferat hat Marianne Artmann, Dramaturgin des DSCHUNGEL WIEN, diese Spielformen in deren historischen Kontext gestellt und einige Varianten zeitgenössischer Inszenierungen vorgestellt, die ihren Ursprung in kinderliterarischen Texten haben (wie zum Beispiel eine Inszenierung von Paul Shiptons „Die Wanze“) oder in Zusammenarbeit mit KünstlerInnen entstanden sind, die auch im Bereich der Kinderliteratur arbeiten (wie zum Beispiel das Stück „Giftige Flügel“, das der Kinderbuchautor Heinz Janisch gemeinsam mit der Choreografin Karin Steinbrugger und dem Tanztheater Homunculus erarbeitet hat).

Die Wanze – der neueste Fall und Giftige Flügel werden Im Mai (wieder) im DSCHUNGEL WIEN zu sehen sein.

 


STUBE-Mitarbeiterin Nicole Kalteis (li) im Gespräch mit MarianneArtmann

Am Freitag Abend hatten die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich im DSCHUNGEL WIEN das Stück FSK 16 von Kristo Šagor in einer Inszenierung von Volker Schmidt anzusehen und danach mit dem Regisseur und den SchauspielerInnen Özlem Demirci, Julia Schranz und Sebastian Brummer ins Gespräch zu kommen. Sebastian Brummer verabschiedete die TeilnehmerInnengruppe mit den Worten: „Es war eine interessante Erfahrung, das Stück einmal vor so vielen volljährigen ZuseherInnen zu spielen.“


Szenenbild aus "FSK 16"

Der Samstag blieb den so genannten Workshops vorbehalten – für die es der STUBE gelungen ist, namhafte VertreterInnen der Theaterszene (für Kinder und Jugendliche) zu gewinnen:

Zeno Stanek, Leiter des Bühnenverlages Kaiser, und Vivien Bronner, Leiterin der dreh.buch.scheibe und Autorin des Bandes „Schreiben fürs Fernsehen“ gaben in ihrem Schreibworkshop eine Einführung in den Unterschied des dramatischen Schreibens im Vergleich zum epischen Schreiben;

Karin Steinbrugger, Choreografin und Tänzerin bei der Company homunculus, ging der Frage nach, wie sich Sprache in Bewegung umsetzen lässt;

die renommierte Regisseurin Lilly Axster, Mitbegründerin des TheaterFoxfire, die für ihr Bilderbuch „Wenn ich groß bin, will ich fraulenzen“ den Österreichischen Kinder- und Jugendliteraturpreis bekommen hat, stellte in ihrem Regie-Workshop die Frage, wie Bilderbuchräume und Bühnenräume in Beziehung zueinander gestellt werden können, ohne in die „Kitschfalle“ zu geraten;

Gudrun Rathke, Literaturvermittlerin und Geschichtenerzählerin, ging in ihrem Kreativ-Workshop der Frage nach, in welcher Form Bilderbüchern in der Kindergruppe Spielraum eingeräumt werden kann;

Tina Reiter, im Bereich Film und Fernsehen für Ausstattung tätig, stellte in ihrem Workshop rund um das Szenenbild die Frage, welche Bühnenräume Figuren als angemessenes Umfeld geboten werden müssen;

die unter anderem für Burgtheaterinszenierungen von Andrea Breth tätige Kostümbildnerin Anna Pollak ging der Frage nach, wie sich Kostümideen im Theater für Kinder und Jugendliche entwickeln und auch umsetzen lassen.

 


Wegweiser durch ein tolles Workshop-Angebot und die freien Mitarbeiterinnen der STUBE (Martina Rényi, Tina Reiter und Lisa Kollmer (v.li.) beim Pausengespräch


 


Brigitte Schär



Das dieserart entfachte Feuerwerk an Kreativität fand dann am Abend seinen Höhepunkt in der performativen Lesung der auf so vielfältige Weise faszinierenden Künstlerin Brigitte Schär. Zwischen Lesung und Gesang angesiedelt präsentierte die viel-talentierte Schweizerin Texte für Kinder wie auch für Erwachsene – im Mittelpunkt die in 15 Szenen erzählten „Geschichten vom Roll und vom Ruh“, die 2006 auch in Bilderbuchform bei Bajazzo (Illustration Verena Ballhaus) erschienen sind.

 

 

Der Sonntag-Vormittag schließlich blieb drei Wissenschafterinnen vorbehalten, die in Einzelreferaten ihre Untersuchungen zu theatralen Inhalten und Darstellungsformen in der Kinderliteratur präsentierten.

Marlene Zöhrer, Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Rezensentin der Fachzeitschrift Eselsohr, stellte ausgehend von ihrer Beschäftigung mit kinderliterarischen Bearbeitungen von Klassikern der Weltliteratur drei Bilderbuchbeispiele von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ vor und lenkte den Blick dabei auf die zielgruppenspezifischen Textversionen ebenso wie auf die Frage, in welcher Form Inszenierungspraktiken Eingang in die Illustration gefunden haben.

Beate Hochholdinger-Reiterer, Assistenz-Professorin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien, setzte eine solche Auseinandersetzung mit illustratorischen „Bühnenpraktiken“ fort und stellte unter dem Aspekt der Bühne als Gestaltungselement Bilderbücher vor, die eine Bühne in wörtlichen wie auch übertragenen Sinn als Aktionsort nutzen.

Birgit Peter, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien, rundete diese Zusammenschau wortwörtlich ab, indem sie in die Manege lud: Aspekte der historischen Entwicklungen und Variationsbreite des Zirkus wurden am Beispiel ausgewählter Bilderbücher vorgestellt.

Eine Literaturliste zu den drei Referaten finden Sie hier


Marlene Zöhrer


Beate Hochholdinger-Reiterer


Birgit Peter


Ill. Jacky Gleich

 

Nun gute Nacht! Das Spiel zu enden,
Begrüßt uns mit gewogen Händen!

(William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum)