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Von 19. bis 21. Mai 2006 waren die TeilnehmerInnen am 3. Jahrgang des Fernkurs Kinder- und Jugendliteratur der STUBE sowie die TeilnehmerInnen am Aufbaukurs eingeladen, an einer Tagung zum Thema Raum und Raumgestaltung in der KJL teilzunehmen. Tagungsort war in bewährter Weise das Bundesinstitut für Erwachsenenbildung in Strobl am Wolfgangsee.
Programm

In einer multimedialen Collage wurden am Beginn vom STUBE-Team unterschiedliche Assoziationen rund um das Tagungsthema dargestellt. Vom Sprachraum bis zum Leseort, vom Wohnraum bis zum verbotenen Zimmer reichte dabei die Bandbreite, die anhand zahlreicher Beispiele präsentiert wurden.

In den einzelnen Referaten widmeten sich die eingeladenen BeiträgerInnen den unterschiedlichsten Aspekten literarischer Räume:

 


Renate Habinger und Kirsten Boie

Renate Habinger gab einen grundsätzlichen Eindruck vom Buch als Gestaltungsraum: Wann überhaupt spricht man von einem Buch? Kriterien einer Gestaltung des „Außen“ und des „Innen“ wurden nicht nur durch zahlreiche Bildbeispiele vorgestellt, sondern auch am Beispiel kleiner Skizzen erläutert, die Renate Habinger „live“ auf Overheadfolie gezeichnet hat. Wie umfassend die Entscheidungen sind, die man treffen muss wenn Bild und Text zueinander gebracht werden müssen, konnte das Publikum anhand kleiner Übungen sozusagen am eigenen Leib erfahren ...

Kirsten Boie schilderte aus Sicht einer Schreibenden, welche Funktion die Gestaltung von Handlungsräumen hat: Der Raum lässt rückschließen auf die Person, die in ihm lebt, er hat sowohl emotionale als auch symbolische Bedeutung. Theoretische Überlegungen belegte sie anhand zahlreicher Beispiele aus ihren eigenen Büchern – jeweils erweitert durch Reflexionen über die mögliche Rückwirkung der Texte auf die LeserInnen, sowie den Versuch, solche Rückwirkungen auch bewusst herzustellen.

Gundel Mattenklott widmete sich den geheimen Räumen in der KJL, sowie den BewohnerInnen dieser versteckten, zumeist unter der Erde liegenden Orte – insbesondere der „little people“. Sie gab dazu einen Überblick über die Traditionen von Feen- und Elfengeschichten und nahm dabei das Verhältnis der kindlichen ProtagonistInnen zu diesen literarischen Figuren in den Blick. Abschließend unternahm sie einen Streifzug durch kinderliterarische Orte, die zwischen einer „realen“ und einer imaginierten Kinderwelt liegen – wie zum Beispiel das Fensterbrett oder der Spiegel.

Stefan Slupetzky lud ein zu einem in Wort und Bild pointiert angelegten Streifzug durch die Hinterhöfe der Literatur-, aber auch der Film- und Mediengeschichte. Entlang der Handlungsräume seines Bilderbuchs „O Berta!“ präsentierte er die räumlichen Vorbedingungen und deren Varianten in diversen Genres des Trivialen – vom Western bis zur Science Fiction, vom Horrorroman bis zum Krimi.

Nicole Kalteis durchstreifte die Räume des Adoleszenzromans: Ausgehend vom Symbol des Strichpunkts zeigte sie das Zusammenspiel von einer Bewegung der Figuren im Raum und deren Befindlichkeiten. Unter dem Aspekt unterschiedlicher Bewegungsformen (pendeln, kreisen, Haken schlagen, sich linear bewegen) schlug sie den Bogen vom genreprägenden „Der Fänger im Roggen“ bis hin zu jüngst erschienenen Texten und setzte dabei das transitorische Moment der Adoleszenz in Bezug zur dargestellten Bewegung im Raum.

Bernhard Rank schloss den Bogen mit Ausführungen zu Nachdenkräumen in der KJL. Einerseits erläuterte er die Bedeutung, die Literatur selbst als „Übergangsraum“ einnimmt, andererseits widmete er sich philosophischen Aspekten in einzelnen Erzählungen: Im Spannungsfeld zwischen Texten von Jostein Gaarder und Jürg Schubiger wurde deutlich, wie unterschiedlich literarische Gestaltungsformen genutzt werden, um Raum für Fragen nach dem Sein in der Kinderliteratur zu eröffnen.

Ein Nachmittag war unterschiedlichen Buchgesprächen gewidmet, in denen spezifische Räume und Raumaspekte wie der Garten, die Bibliothek, die Großstadt, der geschlossene Raum, die Wand und die Welt unter der Welt zur Sprache kamen.

 

Ein Tagungsband wird im Spätherbst in der Schriftenreihe Fokus erscheinen.

Gundel Mattenklott

Nicole Kalteis

Bernhard Rank und
Kirsten Boie

Franz Lettner beim Buchgespräch