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Sheila Och

Kurz vor der Erst-Erscheinung von „Balaban Neumann, der Hund“ im Jahr 1999 erging es uns ähnlich wie dem Ich-Erzähler: Sheila Och ist uns "weggestorben".
Es sind nur vier Bücher, die sie uns hinterlassen hat, doch jedes für sich ist ein Glanzstück an Humor und Erzählkunst.


 

Das Salz der Erde und das dumme Schaf

Unter dem Motto "Einzig die Seele ist der Hort wahrer Eleganz" lebt die 16jährige Jana mit ihrem ungewöhnlichen, leicht verrückten Großvater in bescheidenen Verhältnissen im noch sozialistischem Prag. Eine Geschichte ohne auffälligen Plot, jedoch mit zahlreichen abenteuerlichen Episoden, absurden Begegnungen und witzigen philosophischen Dialogen, erzählt in einer trockenen, lakonischen Sprache: Ein ungewöhnliches Buch, verankert in der literarischen Tradition der Tschechoslowakei.

Lieferbar in der Jungen Bibliothek der Süddeutschen Zeitung



Karel, Jarda und das wahre Leben

Eine Fahrkarte um 6 Kronen zu kaufen und um 7 Kronen zu verkaufen - das ist Kapitalismus, wie Karel und Jarda recht bald begreifen. Wie jedoch den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Reichtum realisieren? Egal, schnell muß es für die beiden ideenreichen Protagonisten mit dem Reichtum gehen, jetzt, nach der Wende, wo der Kapitalismus Einzug hält im von Hochhäusern dominierten Randbezirk von Prag. Vom Zur-Schau-Stellen eines regenwurmessenden Babys bis zum Manegement der blasierten Schwester als Fensterputzerin reichen die episodenhaft aneinandergereihten, skurril und lebensfroh vorgetragenen Ideen der beiden 12jährigen. Miteingebunden werden kleine Familienszenen und Milieubeschreibungen, wobei den genußreichen Gipfel der literarischen Kunst die Beschreibung des schrulligen Urgroßvaters bildet, der schweigend im Schaukelstuhl sitzt und nur an neuralgischen Punkten der Geschichte Lebensweisheiten von sich gibt.

Lieferbar als Arena Taschenbuch

 


Bitte eine neue Welt, Herr Ober!

Karel ist sechs, als er mit seinem Vater von der Tschechei nach Deutschland zieht. Und von da an ist sein Leben geprägt vom Wunsch, kein "Eingeschlichener" zu sein, sondern zu einem echten Karl zu werden. Doch wie ein lebender Beweis für die Unerfüllbarkeit seiner Sehnsucht wird Karl von seinem Vater eine humorvoll-pragmatische Art, das Leben anzupacken, vorgeführt. Er ist einfach "zu bleed" unterstellt Karl seinem Vater; um nach vielen Jahren zu erkennen, daß Zugehörigkeit nichts mit dem Funktionieren nach den Vorstellungen anderer zu tun hat. In kleinen, ebenso ernsthaft wie ironisch beschriebenen Szenerien aus Karls jugendlichem Leben wandelt Sheila Och - erstmals in deutscher Sprache und in den Dialogen gekonnt idiomatisch gefärbt - hart erarbeitete Sozialisation erzählerisch gekonnt in die Zufriedenheit darüber, zuhause zu sein.

Lieferbar als Arena-Taschenbuch

 

Artikel über Sheila Och und ihre Bücher

Franz Lettner: Rezension zu „Das Salz der Erde und das dumme Schaf“. In: 1000 und 1 Buch 4/1994. S. 63.

Inge Cevela: Jung ist der Vater von Alt: Die Beziehung von alten und jungen Menschen in der Darstellung der KJL. In: 1000 und 1 Buch 4/1996, S. 16-31.

Klaus Nowak: Rezension von „Karel, Jarda und das wahre Leben“. In: 1000 und 1 Buch 1/1997, S.61-62.

Franz Lettner: Ein Hund auf einem leeren Stuhl. Sheila Och hat ihr letztes Buch geschrieben. In: 1000 und 1 Buch 4/1999. S. 23.

Katrin Mock: Mit Humor das Leben meistern. Die Jugendliteraturpreisträgerin Sheila Och. In: Eselsohr 5/1999. S.9.

Katrin Mock: Zum Tod von Sheila Och. In: Eselsohr 10/1999. S.39.

Klaus Nowak: „Wir machen eine Bank“: Von Buchhaltern und Hasardeuren. In: 1000 und 1 Buch 1/2002, S. 37-38.

Barbara Angelberger: Kde domov muj:Von Deutschland aus Böhmen - die Tschechoslowakei - Tschechien erschreiben. In: 1000 und 1 Buch 3/2003, S. 23-25.

Ill. von Sabine Wiemers aus "Balabn Neumann, der Hund" - Kröte des Monats im März 2007