Unter Verdacht. Die Geschichte von Big Mouth und Ugly Girl. Aus dem amerikanischen Englisch von Birgitt Kollmann. dtv (Reihe Hanser) 2003.
Eine große Klappe zu haben, hat Matt Donaghy bisher nicht weiter geschadet: Er ist beliebt und integriert, arbeitet an der Schülerzeitung mit und engagiert sich in der Theater-AG. Als er jedoch in der Schulcafeteria eine unbedachte ironische Bemerkung vom Stapel lässt, in der die Worte „Schule“ und „in die Luft jagen“ vorkommen, steht wenig später die Polizei im Klassenzimmer und lässt die Handschellen klicken. Vor dem Hintergrund von Spießbürgertum und Terror-Hysterie erzählt die amerikanische Erfolgsautorin die Geschichte eines Jugendlichen, der in Verdacht gerät und von einer Sekunde auf die andere isoliert dasteht. Freunde bestätigen, an seine Unschuld zu glauben – entziehen sich jedoch einer Stellungnahme, um nichts mit der Polizei oder gar dem FBI zu tun haben zu müssen. Und selbst als klar wird, dass Big Mouth denunziert wurde, gibt es kein zurück ins Miteinander: Rechtliche Schritte gegen die Schule und die Verräterinnen bringen Matt und seiner Familie den Vorwurf ein, die Dinge nicht ruhen lassen zu wollen. Einzig Ursula Riggs, die sich selbst zum Ugly Girl und zur Kriegerin stilisiert, tritt für Matt ein. Von Beginn wechselt ihre Ich-Perspektive mit dem Blick auf den immer verzweifelter agierenden Matt ab. Aus dem Email-Kontakt der beiden entwickelt sich eine zögerliche Freundschaft zwischen zwei AußenseiterInnen – ein optisch ungleich präsentes (weil korpulentes) Paar, dass sich seinen inneren Einsamkeitsgefühlen und Zweifeln zu stellen hat. Der Versuch der beiden Jugendlichen, sich im Klima der gesellschaftlicher Konventionen, Vorurteile und vorgefasster Meinungen zurecht zu finden, wird dabei literarisch gespiegelt im Mit- und Gegeneinander unterschiedlicher Stile und Textsorten.
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