Astrid Lindgren. Bilder ihres Lebens. Hg. v. Jacob Forsell, Johan Erséus und Margareta Strömstedt
Ein leuchtend rotes Kopftuch umfasst das Haar der milde in die Kamera lächelnden Autorin. Sogleich steigt das Bild ihrer wohl berühmtesten, ebenso rotköpfigen Figur vor Augen und schon eröffnet sich das Spiel zwischen literarischer Fiktion und biografischer Realität, zwischen fantastischen Wesen und wichtigen Menschen ihres Lebens. Der großformatige und mit hohem Aufwand kommentierte Bildband zeichnet auf seinen über 270 Seiten das Leben von Astrid Lindgren nach und ermöglicht einen Einblick in die Vermischung von Leben und Schaffen jenseits der Klappentexte und offiziellen Verlagsfotos. Die zahlreichen Abbildungen entstammen unter anderem den privaten Familienalben sowie unzähligen Zeitungsarchiven, die für die Zusammenstellung dieses Buches ihre Bestände frei gaben. Das Ergebnis der Arbeit ist ein lebendiges, umfassendes Portrait, dessen intelligente und ansprechend verfassten Kommentare Lindgrens Geschichte zwischen Familie und Öffentlichkeit, zwischen Privatem und ihrer Arbeit aufspannen. Bilder der Kindheit, Bilder eines Menschen, für den das Kind-sein alles andere als ein Übergangsstadium war.
Aus dem Schwed. v. Angelika Kutsch. Oetinger 2007. 272 S.,
€ 40,10. ISBN 978-3-7891-3516-3
Maren Gottschalk: Jenseits von Bullerbü. Die Lebensgeschichte der Astrid Lindgren
Viele bedeutende Persönlichkeiten aus Geschichte, Literatur und Politik, darunter auch viele Frauen, wurden in der Biographien-Reihe des Verlages Beltz & Gelberg bereits dargestellt; von Hildegard von Bingen über Hannah Arendt bis hin zu Ulrike Meinhof. Im vorliegenden Band ist es nun eine Autorin, deren Bedeutung für die Kinderliteratur nach 1945 wohl einzigartig ist – Astrid Lindgren. Sorgfältig recherchiert und solide aufbereitet erzählt Maren Gottschalk die Geschichte eines Lebens: Von der glücklichen Kindheit auf dem Land, den Schwierigkeiten, Mutter eines unehelichen Kindes zu sein, von politischem Engagement und privaten Schicksalsschlägen. Immer wieder werden Bezüge zwischen Handlungsorten, Motiven und Themen ihrer Bücher sowie dem Leben der Autorin hergestellt, die meistens stimmig erscheinen, manchmal jedoch etwas aufgesetzt wirken. Dennoch ist es eine große Stärke dieser Biografie, nicht nur einen Überblick über Astrid Lindgrens Leben, sondern auch über ihr Gesamtwerk zu ermöglichen – immer wieder wird man als LeserIn an eigene Lektüreerfahrungen erinnert und zum Wieder-Lesen animiert.
Beltz & Gelberg 2009. 216 S., € 9,20. ISBN 978-3-407-74165-3
Peter Karlsson und Johan Erséus: Von Pippi, Michel, Karlsson & Co. Astrid Lindgrens Filmwelt
Einige von Astrid Lindgrens literarischen Werken über so einprägsame Figuren wie Ronja Räubertochter, Karlsson vom Dach und allen voran natürlich Pippi Langstrumpf wurden auch verfilmt – der vorliegende Band zeichnet die Entstehungsgeschichte dieser Verfilmungen nach. Dabei finden sich neben Informationen über die Einbeziehung der Autorin in die jeweiligen Filmprojekte und jeder Menge ansprechendem Bildmaterial auch nette Anekdoten: So etwa die Tatsache, dass die Rumpelwichte in "Ronja Räubertochter" nur mittels übergroßer Requisiten so klein erscheinen oder für "Madita" jeweils kurze Einstellungen gedreht wurden, um den schauspielenden Kindern, die in fast jeder Szene dabei waren, das Text Lernen zu ersparen. Kein Kinderbuch im engeren Sinn, aber ein schön gestaltetes Buch zum Schmökern für Filmfans verschiedener Altersstufen.
Aus dem Schwed. v. Dagmar Brunow. Oetinger 2006. 224 S.,
€ 28,80. ISBN 978-3-7891-3405-0
Schönfeldt, Sybil: Bei Astrid Lindgren zu Tisch
"Es wäre fast ein Verbrechen zu schreiben, dass die Bullerbü-Kinder bei einem Ausflug Esse dabeihatten, und dann nicht aufzuzählen, dass ihr Korb Eierpfannkuchen mit Marmelade und Milch und Saft und Wurstbrote und Kuchen und sechs Fischklöße enthielt." Das Erzählen vom Essen findet sich bei Astrid Lindgren als ein sich durch alle Werke ziehendes Motiv. Das gemeinsame Mahl als vereinendes Element der Familie, das stibitzte Essen als Ausdruck von Lebenslust und großem Willen nach Genuss und viele weitere Funktionen, die das Essen in ihrem Werk einnimmt. Sybil Gräfin Schönfeldt hat dazu ein Buch geschaffen, welches sich in zwei große Überkapitel unterteilen lässt: In der ersten Hälfte erläutert sie anschaulich die sozialen, landwirtschaftlichen und auch politischen Verhältnisse im Verlauf des Aufwachsens von Astrid Lindgren und zieht darin auch Querverweise zu vergleichbaren Situationen in ihrem Werk. Auf diese Weise entsteht ein eindringliches Bild davon, wie im Schweden des noch jungen 20. Jahrhunderts in ländlichen Gegenden mit Nahrung umgegangen und wie vor allem das gemeinsame Essen als grundlegender Bestandteil des Zusammenlebens aller Mitglieder eines Hauses bzw. Hofes funktionierte. Dabei überkreuzen und unterstützen sowohl Zitate und Verweise aus der Biografie der schwedischen Autorin als auch die Bezüge auf den Einfluss auf ihr Werk die dargestellten Verhältnisse. Den zweiten Teil bildet eine thematisch untergliederte Rezeptsammlung, die neben den eigentlichen Kochanleitungen schwedischer National- und einigen von Lindgrens Lieblingsgerichte jeweils eine passende Textpassage aus einem von Lindgrens Kinderbüchern stellt. Daraus als Abschluss ein Zitat aus "Madita": "Ganz Birkenlund duftet lieblich nach Pfefferkuchen und Sahnebonbons und Schmalzgebackenem. Madita zieht den Duft durch die Nase ein und schließt die Augen. ‚Weihnachten, es riecht schon nach Weihnachten!’".
Arche 2007. 208 S., € 20,50. ISBN 978-3-7160-2374-7
du - Zeitschrift für Kultur. Astrid Lindgren. So ein Leben! Heft 9 (2007).
Die Schweizer Kulturzeitschrift „du“ beschäftigt sich in ihrer September-Ausgabe auf 50 Seiten mit dem Phänomen Astrid Lindgren. Mit hoher ästhetischer Qualität werden interessante, von Lexikoninformationen fast vollständig freie Artikel mit großformatigen Fotografien ansprechend kombiniert – ein Großteil davon aus dem Bildband „Astrid Lindgren. Bilder ihres Lebens“.
Aus einer begeisternd herzlichen Hommage von Kirsten Boie erhebt sich das Bild einer über die maßen liebenswerten und engagierten Schriftstellerin, von deren Wille zur politischen Einmischung Gerhard Fischer im folgenden Beitrag berichtet. Das (Nach-)Wirken ihres literarischen Schaffens und persönlicher Einflussnahme wird vor dem Hintergrund zentraler Thematiken ihres Lebens erzählt und bietet gemeinsam mit der abschließenden Werk- und Lebensgeschichte der Lindgren-Forscherin Ulla Lundqvist einen Ein- und Überblick vermittels ausgewählter Einzelaspekte. Die inhaltliche wie auch sprachliche Qualität und grafische Gestaltung der Zeitschrift machen sie zu einem lesenswerten Beitrag im Reigen der diesjährigen Jubiläumspublikationen.
Astrid Lindgren-DVDs im oetinger kinderkino
In der Reihe "Oetinger kinderkino" erscheinen DVD-Ausgaben von Bilderbuch- und Spielfilmen. Seit September 2007 wurden darin bis dato 24 Werke veröffentlicht, die auf Buchvorlagen von Astrid Lindgren basieren. Von "Die Brüder Löwenherz", über "Madita" bis hin zu den Kinderfilmklassikern zu Pippi, Karlsson, Michel oder Kalle Blomquist reicht die Palette. Die Filme sind größtenteils im alten Kino-Format 1,66:1 und bieten neben der deutschen Sprachausgabe auch Untertitel für Hörgeschädigte an.
Die beigelegte DVD-Broschüre enthält Informationen zur Autorin sowie Wissenswertes rund um den jeweiligen Film und seine prominentesten DarstellerInnen. Ein besondere Empfehlung: "Mio, mein Mio" von 1987 mit Christopher Lee und "Batman" Christian Bale.
Geschichten von Pippi Langstrumpf
"Als kleines Mädchen hab ich immer gedacht, so wär ich gern, so ein Lächeln hätte ich gern, solche Sommersprossen, so dünne, staksige Beine." Wenn Heike Makatsch drei Episoden aus "Pippi Langstrumpf geht an Bord" und "Pippi in Taka-Tuka-Land" liest, hört man immer noch die kindliche Begeisterung über ihr Vorbild mitschwingen. Es ist vor allem der Klang der Neugier und des Abenteuers, welchen die deutsche Schauspielerin aus den Zeilen erklingen lässt. Zusätzlich zu den knapp 50 Minuten der drei Erzählungen bietet dieses Hörbuch neben drei klassischen Pippi-Liedern Ausschnitte einer schwedischen Originallesung von Astrid Lindgren sowie eines deutschsprachigen Interviews mit der Autorin. Zeitgleich wurden drei weitere Hör-CDs herausgebracht, bei denen bekannte SchauspielerInnen (Anna Thalbach, Oliver Korittke und Robert Stadlober) aus den beliebtesten Büchern der Schwedin vorlesen.
Gelesen von
Heike Makatsch.
Oetinger 2007
59 Min., € 10,10
ISBN 978-3-7891-0344-5
Adventskalender Villa Kunterbunt
Ein verschneites Haus mit violettem Dach, gelben Wänden, grüner Veranda und roter Eingangstür. Im Garten ein gelb-blauer Weihnachtsbaum, ein Pferd, ein Affe und ein Mädchen. Der Adventskalender der Villa Kunterbunt kommt als zusammenbau- und aufstellbares Haus mit 24 selbst zu befüllenden Laden daher. Auf diese Weise lässt sich Pippis Heimat jedes Jahr aufs Neue bestücken und erspart die Frage, was man am ersten Weihnachtstag mit dem verwaisten Wandkalender anstellt.
Oetinger 2007
Linksammlung
Die Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg hat unter der Leitung von Frau Prof. Birgit Dankert eine Datenbank aller Werke der Primär- und Sekundärliteratur von und zu Astrid Lindgren begründet. Mit Hilfe einer unkomplizierten Suchfunktion lassen sich einzelne Texte nach bestimmten Kritierien heraus filtern. Da selbst Zeitschriftenartikel individuell ausgewertet werden, kann diese kontinuierlich aktualisierte Datenbank ein wichtiges Hilfsmittel zur Literaturrecherche darstellen. http://www.bui.haw-hamburg.de/lindgren/index.php?id=3
Eine ausführliche, illustrierte Lebenschronik, gestaltet vom Oetinger Verlags: Auf zahlreichen Unterseiten finden sich darin Textauszüge und Selbstzeugnisse von Astrid Lindgren. Darunter auch der vollständige Text von "Pomperipossa in Monismanien", einem allegorischen Märchen gegen die sozialdemokratische Steuergesetzgebung, dem eine spürbare Auswirkung auf den nachfolgenden Regierungswechsel in Schweden zugeschrieben wurde. http://www.astrid-lindgren.de/omastrid
Listen mit Pippis Namen in annähernd allen Sprachen der Lindgren-bedachten Welt, Hörbeispiele ihres berühmten Titellieds in acht internationalen Versionen, ausführliche Vorstellungen aller Spielfilme und Serienteile, eine Möglichkeit, sich beim „Neues von Pippi“-Info-Rundschreiben kostenfrei anzumelden und und und… Wie man vielleicht aus diesen Zeilen erahnen kann, diese Homepage lässt keine Fragen und rotbezopften Wünsche offen. Außerdem gibt es eine Unterseite mit zahlreichen Informationen, Interviews, Auszeichnungen und Fotos aus der Welt der Astrid Lindgren. Wer sich also wahrlich in den Untiefen der Villa Kunterbunt verlieren möchte, der Suche sein Glück umgehend auf http://efraimstochter.de/index.shtml
Quelle: Astrid Lindgren. Bilder ihres Lebens. Oetinger 2007.