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Kröte des Monats

 

Kröte im Juli und August 2010

Dorothea Binder: Das Heidi-Kochbuch. Schweizer Rezepte

Wenn die sommerliche Hitze in den Niederungen drückend wird, lohnen ein paar Tage in den höheren, kühleren Gefilden der Alpen. Man erinnere sich darüber hinaus an die kräftigenden Bergkräuter und die nahrhafte Ziegenmilch, mit denen der Alm-Öhi aus seinem Enkelkind in kurzer Zeit ein gesundes, kräftiges Mädchen gemacht hat. Noch deutlich verheißungsvoller klingen die älpischen Geheimnisse gesunder Ernährung, wenn sie in schweizerdeutschen Outfit auf den Tisch gebracht werden: Allerlei Köstlichkeiten zum Zmittag und zum Znacht, zum Znüni und zum Zvieri werden hier dieserart präsentiert. Mit dabei sind Geduldszeltli – und dieserart gestärkt macht man sich freudig ans Entziffern jener Köstlichkeiten, die Heidi, der Großvater und ab und an auch der Geißenpeter zubereiten. Die würzigen Kräuter, die das von der Stadt geschwächte Heidi einst so rasch wieder zum kernig-gesunden Alpenkind gemacht haben, geben dabei den geschmacklichen Grundton an: Sie sind zum Beispiel in den Härdöpfel-Tätschli eingearbeitet – die übrigens auch Tütschli genannt werden können. Oder in der österreichischen Übersetzung Erdäpfeltascherl. Aber wen interessiert das schon, wenn es gilt, Chrüsimüsi auszuprobieren (über das als letzten Schritt übrigens Wienerli verteilt werden). Zu den nach Suppen, Hauptspeisen, Happen für Zwischendurch und Desserts gruppierten Rezepten werden jeweils die Zutaten genannt und leicht nachvollziehbare Anleitungen gegeben. Gemessen wird angenehm vereinfachend nach Esslöffeln, Teelöffeln und Dezilitern, gekocht mit überschaubarem zeitlichem Aufwand und mit nahrhaften, das "Ursprüngliche" betonenden Zutaten. Als roter Faden ziehen sich kurze Dialoge zwischen dem Großvater und Heidi als Kopf- oder Fußzeilen durch die ohne grafischen Schnickschnack und doch elegant gestalteten Seiten, in deren großzügigen Weißanteil Hannes Binder (der Illustrator der zuletzt erschienenen Neuerzählung von "Heidi" aus der Feder von Peter Stamm) kleine lukullische Alp-Vinetten streut. Wer also braucht Jamie Oliver, wenn er Älpler-Polenta serviert bekommen kann?

Heidi Lexe

 


Illustriert von Hannes Binder
Nagel&Kimche 2010
76 S., € 10,90
ISBN 978-3-312-00987-9

Wer genauer über die Kräuter Bescheid wissen will, die Heidi und der Großvater verwenden, dem sei noch einmal Das Buch gegen das kein Kraut gewachsen ist von Gerda Anger-Schmidt und Renate Habinger empfohlen!
Details dazu hier

Wer Lust auf noch mehr Sommerfrische hat, kann hier noch einmal nachlesen, wie Variantenreich ein Tag im (literarischen) Grün sein kann.

Wer Lust auf mehr Literarisch-Kulinarisches bekommen hat, findet hier weitere Buchtipps unter dem Motto An die Töpfe!

In diesem Sinne: Lassen Sie sich ihre Ferien-Suppe schmecken. Und keine Angst! Das Heu (verwendet wird für die Ferien-Suppe eine Großvaterhand voll frischem Berg-Heu) kratzt gar nicht im Hals. Wenn doch werden ab Herbst wieder literarische Ausgleichssüpplein in der STUBE serviert.

Einen schönen Sommer wünscht
Ihr STUBE-Team

 

 


Ill. Hannes Binder

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