Labor Ateliergemeinschaft: Kinder Künstler Kritzelbuch. Anmalen, Weitermalen, Selbermalen
Innovativ, also neuartig, kreativ, originell. In vielfacher Hinsicht passt diese Bezeichnung auf das erste Gemeinschaftswerk der Ateliergemeinschaft LABOR. Dazu schlossen sich in Frankfurt neun KünstlerInnen zusammen, die sich in den Bereichen Illustration, Grafik und Text betätigen. Und so ist das „Kinder Künstler Kritzelbuch“ alles andere als ein einheitlich, linear konstruiertes Malbuch für Kinder. In den 86 doppelseitigen Beiträgen von KünstlerInnen wie Jörg Mühle, Anke Kuhl oder Philip Waechter spiegelt sich der jeweilige Mal- und Zeichenstil deutlich wider und auch die gebotenen Anregungen zum „Anmalen Weitermalen Selbermalen“ unterscheiden sich je nach Zugangsweise deutlich voneinander, so dass die eigene Kreativität mit jeder umgeblätterten Seite vor eine neue Aufgabe gestellt wird. Die große ästhetische Vielfalt und die betont unverbindlich gehaltenen Malanlässe machen dieses aus 176 Seiten Künstlerpapier bestehende Buch nicht nur zu einem Gewinn für Kinder. Das „Kinder Künstler Kritzelbuch“ richtet sich mit seinem altersübergreifenden Bildwitz und den durch nur wenige Linien evozierten Geschichten an KünstlerInnen aller Altersstufen.
Beltz & Gelberg 2009.
176 S., € 10,20.
ISBN 978-3-407-79396-6
Taro Gomi: Das Große Malbuch. Zeichnen, Kritzeln, kreativ sein
„Hilfe – der Wolf! Tu etwas, damit die Schweinchen nicht gefressen werden!“ Was sich anhört wie ein klassischer Fall von „Leichter gesagt, als getan“, wird mit diesem Buch zum Kinderspiel: Zum Beispiel einen Käfig um den Wolf gezeichnet, und schon sind die kleinen Tiere in Sicherheit. Auf mehr als 360 Seiten bilden solche Aufforderungen den Ausgangspunkt, um die eigene zeichnerische Kreativität zur Anwendung zu bringen. Das erste ins Deutsche übertragene Buch vom japanischen Autor und Illustrator Taro Gomi überzeugt durch den großen Ideenreichtum, der auf fast annähernd jeder Doppelseite für einen neuartigen Anstoß sorgt, Stifte und eventuell auch Schere in die Hand zu nehmen. Mal sollen abstrakte geometrische so ergänzt werden, dass ein wiedererkennbares Objekt daraus wird, mal sollen die Hasenkinder mit Schnee beglückt werden und mal soll die Bastelvorlage einer Schachtel farblich gestaltet werden, um sie in einem zweiten Schritt auszuschneiden und zusammen zu kleben. Die vereinzelten Bildelemente auf den jeweiligen Seiten sind mit dickem, schnellen Strich umrissen, wodurch sie niemals das Gefühl vermitteln, man könne dem zeichnerischen Talent der Vorlage nicht gleichkommen.
Aus dem Japan. v.
Christiane Yamakoshi.
Hanser 2009.
368 S., € 15,40.
ISBN 978-3-446-23373-7
Ole Könnecke: Antons Geheimnis. Ein Fertigmalbuch
Anton, Hauptfigur aus bereits mehreren Bilderbüchern von Ole Könnecke, möchte zum Spielplatz, wo Lukas, Nina und Greta bereits auf ihn warten. Doch plötzlich scheint er sich verlaufen zu haben. So setzt eine abenteuerliche Reise ein, auf der Anton neben Piraten, Ungeheuern, Prinzessinnen auch Krokodilen begegnet, fliegen lernt, tanzt und einen Schatz entdeckt. Das alles erfahren wir aus dem Text dieses Bilderbuches. Denn außer auf den ersten beiden und letzten beiden Doppelseiten bewegt sich der junge Abenteurer durch ein großes, weißes Nichts. An dieser Stelle ist es an den LeserInnen, die eigene Phantasie mit den knappen Textpassagen in Verbindung zu setzen und Anton mit Bunt-, Bleistiften oder Collage-Elementen eine eigene Welt zu kreieren. Und damit der eigene kreative Verdienst an diesem Bilderbuch auch nicht übersehen werden kann, heißt es auf dem Cover einladend: "Ole Könnecke & ".
Hanser 2007.
32 S., € 5,10.
ISBN 978-3-446-20857-5
Antje von Stemm: Die Pop-up-Girls. Abenteuer im Papierland. Ein Pop-up-Buch zum Selberbasteln
Frau Pop ist verärgert. Alle sind auf Urlaub gefahren, nur sie muss unbewegt zu Hause herumliegen. Doch ist sie immer noch eingeschlossen zwischen den Rändern des Papiers, auf das sie gezeichnet wurde. Denn Frau Pop ist ein zweidimensionales Bild auf einem Blatt und versucht darauf die nahe liegende Schere zu becircen, sie aus ihrer Gefangenschaft freizuschneiden. Und so übernehmen die LeserInnen die Rolle der Schere und der zusammenbastelnden Finger und konstruieren so neben Frau Pop und ihrer Freundin Mrs Up all jene dreidimensionalen Objekte, die den beiden auf ihrer Reise begegnen. So wird ein Urwald aus spiralförmigen Bäumen gebastelt, ein Drachen als fliegendes Transportmittel der beiden Damen konstruiert oder die Tür zur Rückkehr nach Hause zur Hälfte ausgeschnitten, um sie so auf der Seite öffnen (aufklappen) zu können. Dieses Pop-up-Buch zum Selberbasteln verlangt durchaus eine ordentlich Portion an Ruhe und kreativem Fingerspitzengefühl, was aber durch umso verblüffendere Resultat der eigenen Arbeit reich belohnt wird.
Gerstenberg 2009.
112 S., € 15,40.
ISBN 978-3-8369-5265-1
KeinBuch. 86 Dinge, die du schon immer mit einem Buch tun wolltest, aber nie durftest
Ein Buch ist nicht zum Lesen da. So in etwa könnte das Motto von "KeinBuch" lauten. Denn auf knapp 180 Seiten können, nicht zuletzt die bibliophilen LeserInnen einmal nach allen Richtungen über die Stränge schlagen und werden dazu angehalten, Dinge mit diesem Taschenbuch durchzuführen, bei denen man normalerweise nur beim Gedanken daran die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde. Einige Beispiele: "Lass dein Haustier am Buch knabbern.", "Wie viele Buntstifte kannst du in eine Hand nehmen? Male etwas mit allen gleichzeitig" oder "Benutze das Buch als Sitzunterlage im Gras". So wird, Doppelseite für Doppelseite, das zu Beginn noch relativ unbefleckte Buch verunstaltet – das aber nicht ohne Ziel, denn: "Das fertige Buch kann Spuren von Kunst enthalten." Und so verwandelt sich das Buch vom respektvoll und sorgsam gepflegten Schatz zur Spielwiese für lustvolle Zerstörung und ungezügelte Auswüchse der eigenen Kreativität. Resultate anderer tätig gewordener LeserInnen können im Internet unter http://www.keinbuch.com/ begutachtet werden.
Grafik und Gestaltung v.
Stephanie Rothmeier.
mixtvision 2009
176 S., € 10,30.
ISBN 978-3-939435-18-1
Jutta Götze / Eva-Lotta Fast: Auf Reisen mit Pablo Picasso. Mein Kunstkoffer - Picassos Leben, seine Kunst und spannende Künstleraufträge zum Selbermachen
Auf zwei mal 60 Seiten werden die biografische und künstlerische Entwicklung von Pablo Picasso sowie seine kreativen Techniken und zentralen Bildmotive aufgezeigt und nachvollziehbar gemacht. Im ersten Teil wird entlang des Lebenswegs von der Wiege bis zur Bahre die Geschichte des spanischen Künstlers erzählt. Von seinen familiären Beeinflussungen über erste Gehversuche in der Welt der Zeichnung und Malerei bis hin zu konkreten Gestaltungselementen wie dem verstärkten Einsatz der Farbe Blau, seinen Skulpturen oder dem Motiv des Stieres werden die maßgeblichsten Eckpunkte seines Lebens geschildert und dabei stets durch direkte Fragen an die LeserInnen zur eingehenden Beschäftigung mit seinen Werken eingeladen. Dabei verweisen immer wieder kleine Symbole auf den praktischen Teil in der zweiten Hälfte des Buches. Dabei werden Techniken wie die Collage oder der Abklatschdruck erklärt und zum eigenen Ausprobieren angeleitet. Ebenso geht es um das nachempfinden von bestimmten Farbakzenten, wenn z.B. einzelne Bildelemente experimentell mal in blau und mal rosa angemalt werden. Glossar, Bibliografie sowie ein genauer Bild- und Fotonachweis runden dieses Angebot ab, das Leben und Wirken eines Künstlers nicht nur lesend, sondern auch selbst nachvollziehend zu begreifen.
Coppenrath 2009.
128 S., € 20,50.
ISBN 978-3-8157-9525-5
Georg Maag: Nachts, im Mondschein, lag auf einem Blatt. Eine Schreibwerkstatt für Kinder
Was ist eigentlich eine Idee, wie kann man sie festhalten und wie soll daraus eine ganze Geschichte mit Figuren, Spannungsverlauf und einem geglückten Ende werden? Die Schreibwerkstatt von Georg Maag widmet sich unter anderem diesen Fragen und verwebt dabei immer wieder eigene Textbeispiele sowie Ausschnitte populärer Kinder- und Jugendliteratur beispielhaft mit ein. Schreibaufgaben, die zuerst noch kleinteilig gehalten sind und im Verlauf des Buches nach und nach im Grad der Komplexität ansteigen, leiten dazu an, sich schrittweise dem Endprodukt der fertigen Geschichte sukzessive anzunähern. Durch Anleitungen zu möglichen Gruppenarbeiten mit FreundInnen oder Familienmitgliedern kommt der "Werkstatt"-Aspekt dieses Buches zum Tragen. Denn trotz aller Erklärungen und Hilfestellungen zu einzelnen Teilbereichen des literarischen Schreibens wird am Ende doch immer verwiesen auf die effektivste Hilfe durch das Vorlesen der eigenen Texte vor Anderen und die gemeinsam Diskussion darüber.
dtv 2009.
240 S., € 8,20.
ISBN 978-3-423-62414-5
Sean Stewart / John Weisman: Cathy's Book
In den meisten Fällen existieren Geschichten nur auf dem Papier und werden in der Fantasie der LeserInnen weitergesponnen. Um "Cathy's Book" herum wurde jedoch eine eigene Welt geschaffen: Man kann Websites besuchen, Telefonnummern anrufen und ein ganzes Sackerl voller "Beweismaterial" durchforsten. Zu finden gibt es Visitenkarten, Papierservietten mit Lippenstiftabdruck, zerrissene Fotos, alte Briefe und vieles mehr. Die Geschichte selbst wird dabei fast zur Nebensache: Sie dreht sich um die 17-jährige, zeichnerisch begabte Cathy, die in einen Strudel höchst mysteriöser Geheimnisse gezogen wird. Auf deren Spur gelangt man nur durch konventionelles Lesen; die Faszination des Buches jedoch liegt im Aufwand seiner Gestaltung.
Aus dem Amerikan. v.
Barbara Lehnerer.
Baumhaus 2007.
192 S., € 17,40.
ISBN 978-3-8339-3800-9