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Das Leben - ein Fest?!
Ausgewählte Aspekte der einzelnen Vorträge




 

Hanns Sauter: Prinz und Bettelknabe
Die Entstehungsgeschichte des Faschings und der ihm eigenen Symbolik wurde vom Mitarbeiter der Kategorialen Seelsorge beleuchtet. Elemente wie die Bütte, der Büttenredner oder Faschingsprinz als kritisch-humorvolle Karikaturen der Obrigkeit, das Narrenkostüm als Hinweis auf die durch Sünde beschmutzte Seele oder die Schnabelschuhe als Zeichen für Eitelkeit wurden in ihrer Bedeutung erläutert. Zusätzlich dazu erklärte Sauter das Konzept einer generationsübergreifenden Faschingsfeier, die er für die Zeitschrift Praxis Gemeindepädagogik im Jahr 2009 entwickelt hatte.

 


Hanns Sauter

Heinz Janisch / Helga Bansch: mutig sein
Im zuletzt veröffentlichten Bilderbuch "Die Brücke" wollte Heinz Janisch in Parabelform eine Geschichte über Streit erzählen, der für beide Seiten auf Augenhöhe gelöst werden kann. Helga Bansch bezeichnete dieses Projekt als besonders schwierig zu illustrieren, da die Erzählung eher handlungsarm sei; dies versuchte sie durch abwechslungsreiche Wahl von Perspektiven auszugleichen. Generell hob sie die Sequenzierung eines Bildes in mehrere Einzelbilder als ein von ihr geliebtes Stilmittel hervor, da auf diese Weise Bewegung in die Bilder komme und mehr zu sehen sei. "Es soll viel zu Schauen sein und Empfindungen auslösen." Die bereis zehn Jahre andauernde Zusammenarbeit mit Heinz Janisch beschrieb sie als Glücksfall, da dessen reduzierte Texte ihrer Vorstellungskraft genügend Raum zu Entfaltung geben würden. Der Autor begründete diesen auf das Wesentliche konzentrierten Stil dadurch, dass er selbst nicht möge, wenn Texte nichts offen ließen und zu viel vorwegnähmen. "Man soll eher wenig geben, damit der Andere viel hat."

 


Helga Bansch und
Heinz Janisch

Reinhard Ehgartner: Verwechslungen. Verkleidungen. Verwandlungen.
Als Einstieg in seine Auseinandersetzung mit Entwicklungen und Brüchen in Wolfram von Eschenbachs "Parzival" stellte Reinhard Ehgartner die Frage nach der historischen Bedingtheit von Rezeptionsprozessen. Wie unterscheiden sich Lektüreerfahrungen mit ein und demselben Text von LeserInnen aus dem 13., 19. und 21. Jahrhundert? So erhält jedes Buch durch den zeitlichen und dazu noch personenabhängigen Hintergrund seiner Lektüre eine neue Bedeutung: "Der Text entsteht im Auge des Lesers". Davon ausgehend näherte sich Ehgartner dem "Parzival" und den ihm eingeschriebenen Rollenwechseln an. Die Hauptfigur changiert zwischen Narrenkleid und Ritterrüstung - das Tragen bestimmter Kleidung wird zum Zeichen der Erniedrigung bzw. Erhöhung seines Standes. Jede individuelle Figur und jede soziale Positionierung wird durch Äußerlichkeiten gekennzeichnet. Im Mittelalter gilt: Charakter = Aussehen - Schönheit, kostbare Kleidung steht als äußerliches Anzeichen für Weisheit, Intelligenz und moralische Integrität. Ehgartner stellte Parzival die Titelfigur aus Dostojewskis "Der Idiot" sowie Franz von Assisi gegenüber, die ebenfalls an ihrem Kleidungswechsel nachvollziehbar einen bewussten Entwicklungsschritt von ihrem Stand hinab taten.

 


Reinhard Ehgartner

Marlene Zöhrer: Magischer Mittsommer
Im Zentrum der Auseinandersetzung von Marlene Zöhrer mit drei Bilderbuch-Variante von Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" stand das Konzept der Transformation. Es beschreibt den aus drei Phasen bestehenden Prozess, den ein Klassiker- bzw. Weltliteraturtext bei seiner Umwandlung in ein Werk der Kinder- und Jugendliteratur vollzieht. Diese drei Phasen sind: Gattungswechsel, Textbearbeitung und Illustration. Zöhrer bezeichnete das Bilderbuch als besonders geeignetes Medium für solch einen Transformationsprozess, da die Illustrierung sich zusätzlich unterstützend bei der Vermittlung eines Klassikertextes eingesetzt werden kann. Theater und Bilderbücher ähneln sich sogar in dem Sinne, dass in beiden dramatische Prozesse eingesetzt werden. In der Bilderbuch-Variante von Barbara Kindermann und Almund Kunert (Kindermann-Verlag) liegt sogar eine Verdopplung des Theater-Motivs vor, da hier auf der Text- und Bildebene auf der Bühne des Bilderbuchs eine wirkliche Theaterbühne abgebildet wird, die eine eigene Erzählebene erzeugt.

Mehr über Weltliteratur für Kinder können Sie von Marlene Zöhrer beim STUBE-Freitag im Jänner erfahren. Alle weiteren Informationen dazu finden Sie hier

 


Marlene Zöhrer

Stefanie Harjes: Die Ekstatische
Das Thema Leidenschaft war eines der zentralen Thema im Werkstattgespräch von Heidi Lexe mit Stefanie Harjes. Auf der einen Seite Franz Kafka, der als Mensch der eher unterdrückten Leidenschaften von seiner Illustratorin als "aufgeregt, erregt, verstört" bezeichnet wurde. Auf der anderen Seite Bilder, die von hellen, kräftigen Farben bestimmt werden und oftmals erotische Motive in den Blickpunkt rücken. Harjes selbst beschrieb ihre Verbindung zum tschechischen Autor als rauschhafte Beziehung, der ihr rauschhaft-entgrenztes Arbeiten an diesem Buch in der Nacht entsprach. Sie wollte mit ihren Illustrationen bewusst der gemeinhin mit Kafka assoziierten Schwere etwas entgegensetzen, ihn konsumierbar machen und die leidenschaftliche Seite an ihm zum Vorschein bringen. Dabei sei schon die Wahl der Arbeitsmaterialien wichtig, da diese bereits in sich eine eigene Bedeutungsebene haben. So charakterisiert für sie Transparentpapier automatisch das Leichte und Freie. Als ein Problem bei ihrer Arbeit bezeichnet sie ihre "Farblegasthenie": Nachdem die Schwarz-Weiß-Zeichnung abgeschlossen ist sei sie zumeist vollkommen unschlüssig, welche Farben bei der Kolorierung zum Einsatz kommen sollten.

 


Stefanie Harjes