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Thema: Der Fuchs in der Kinder- und Jugendliteratur

 

 

Kathrin Schärer: Wenn Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen

Ein Hasenkind sitzt mitten in der Nacht an einem Ort, "wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen", weiß den Weg nach Hause nicht mehr und trifft auf einen hungrigen Fuchs – ein Bilderbuchbeginn, der nichts Gutes verheißt. Doch der kleine Hase ist nicht auf den Mund gefallen und lässt sich allerhand einfallen, um das unvermeidlich scheinende Gefressen werden immer wieder aufzuschieben: Denn schließlich braucht er vorher eine Gute Nacht Geschichte, ein Shuttle nach Hause und ein Gute Nacht-Lied. Von soviel nächtlicher Aktivität erschöpft, schläft der Fuchs schließlich ein. Die Hasen wiederum verzichten auf die Rache und finden einen gewaltlosen Weg, den schlafenden Fuchs aus dem Weg zu räumen. Kathrin Schärer inszeniert ihre Geschichte in Text und Bild mit unglaublich viel Humor, insbesondere bei der Umsetzung der köstlichen Mimik der tierischen Protagonisten.

Atlantis 2010. 26 S., € 15,40. ISBN 978-3-7152-0490-1

 


Antonie Schneider / Helga Bansch: Fuchs und Gans

Dieser Fuchs hat nicht die Gans, sondern deren Herz gestohlen: Die das Cover zierende Köstlichkeit aus Lebkuchen zeugt davon. Der Jäger ist trotzdem hinter ihm her: "Und das war gar nicht lustig für den Fuchs." Doch noch bevor seine sorglose und stets ein wenig geschwätzige Liebste die Gefahr zu erkennen vermag, switchen wir vom Kinderlied ins Märchen: Der König fährt vor, um die Schönste abzuholen. "Gone with the wind", heißt es da alsbald, denn die Gans rauscht mit dem goldenen Wagen des Königs davon. Doch wer Wind sät, wird letztlich den Sturm wahrer Treue ernten. Dramaturgisch ein wenig holprig verläuft diese Geschichte vom endgültigen Zueinander-Finden, doch in den von ihrer deutlichen Untergrundstruktur und intensiven Farbigkeit bestimmten Bildern von Helga Bansch eröffnen sich die letztlich leicht begreifbaren Empfindungshorizonte der Figuren und führen vor, dass auch eine Tiergeschichte das Panorama filmreifer Liebe entfalten kann.

Bajazzo 2006. 32 S., € 14,20. ISBN 978-3-907588-71-0

 


 

Christian Duda / Julia Friese: Alle seine Entlein

Eigentlich wollte der Fuchs mit dem bezaubernden Namen Konrad nur kurz mit einer dicken Ente seinen knurrenden Magen zum Schweigen bringen - doch als er Lorenz, das Küken, beim Schlüpfen beobachtet, siegt seine Begeisterung für das wuschelige Etwas über den Hunger. Wie er es anschließend binnen kürzester Zeit zum Familienoberhaupt einer ganzen Entenschar bringt, wird in diesem unkonventionellen Bilderbuch erzählt. Die Geschichte vom Fuchs und dem Geflügel ist alt, neu aber ist die Version der Entengroßfamilie unter der Fürsorge des Fuchses. Einzigartig und äußerst variantenreich in der Ausführung sind auch die farbenprächtigen Illustrationen. Der Wortwitz des kurios-witzigen Textes findet sich in teils collagenhaften, kräftigen Bildern, teils in fast reduziert wirkenden Zeichnungen wieder. Ein Buch, in dem das Andere ganz selbstverständlich wird.

Bajazzo 2007. 60 S., € 17,50. ISBN 978-3-907588-85-7

 


 

Martin Baltscheit: Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor

"Wer alles weiß, kann lange leben, dachte der Fuchs und lebte ein langes Leben voller Abenteuer." Allmählich wird er alt und ein bisschen vergesslich. Geht am falschen Tag in die Kirche, vergisst Geburtstage seiner Freunde oder bringt Geschenke obwohl niemand Geburtstag hat. Seine Vergesslichkeit wird immer schlimmer und zunehmend zu einem Problem für den Fuchs, er hat tatsächlich den Verstand verloren. Dem augenzwinkernd komischen Text stellt Baltscheit lebendig bunte Druckgrafiken zur Seite. Teils sind die Szenen mit viel Weißraum inszeniert, dann wieder bewegen sie sich durch großflächige Farbräume. Auch die Schrift ist in die Gestaltung einbezogen, sie variiert Farbe, Schrifttype und Anordnung, je nach Funktion im Text. Baltscheits Fuchs ist ein im besten Sinn gealterter Bilderbuchheld.

Bloomsbury 2010. 40 S., € 14,30. ISBN 978-3-8270-5397-8

 


 

Margaret Wild / Ron Brooks: Fuchs

Feuer im Wald, flammendes Rot: Bäume, Steine und Tiere sind herausgekratzt aus breitpinselig aufgetragenen Farben. Hund trägt Elster behutsam in seine Höhle. Sie wird nie wieder fliegen können, aber sie lebt. Und wenn Hund mit ihr auf dem Rücken durch den Wald läuft, ist das wie Fliegen. Fast. Und Glücklichsein. Doch dann kommt Fuchs und mit ihm ein Geruch nach Zorn und Neid und Einsamkeit. Die doppelseitigen, farblich stark reduzierten Bilder erzeugen eine unruhige Dynamik; zusammen mit dem in kratzigen Buchstaben geschriebenen Text entsteht eine poetische Dichte, die normative Grenzen sprengt und auf beeindruckende Weise zeigt, was literarisch und künstlerisch im Genre Bilderbuch möglich sein kann.

Aus dem Engl. v. Zoran Drvenkar. Carlsen 2003. 40 S., € 17,00. ISBN 978-3-551-51597-1

 


Franziska Biermann: Herr Fuchs mag Bücher

Herr Fuchs hat Bücher zum Fressen gern: Aus dieser wörtlich genommenen literarischen Zuneigung entsteht ein Buch über die Entstehung eines Buches – denn: Wer Bücher verschlingt, wird Wege und Mittel finden, selbst für Nachschub zu sorgen. In explosiver Bild-Text-Kombination arrangiert Franziska Biermann ihre anspielungsreiche Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Büchernarren. Der plakativ-ironische Blick auf die Buchszene endet naturgemäß in Hollywood, denn wer einst Buchhandlungen überfallen hat, um sich Lese-Futter zu organisieren, hat Stoff genug für filmechte literarische Verdienste. Eine Prise Salz, eine Prise Pfeffer und schon steht dem Buchgenuss nichts mehr im Wege …

Bloomsbury 2008. 64 S., € 13,30. ISBN 978-3-8270-5317-6

 


 

Roald Dahl / Christian Berkel: Der fantastische Mr. Fox

"Fuchs du hast die Gans gestohlen…" An der Bescheidenheit seines Artgenossen aus dem bekannten Kinderlied kann sich Mr. Fox wahrlich ein Beispiel nehmen. Täglich aufs Neue ergaunert er sich und seiner Familie frisches Federvieh von den umliegenden Bauernhöfen und gibt sich dabei nicht mit Gans allein zufrieden. "Ein feistes Hühnchen von Grimm? Eine zarte Ente von Gräulich? Oder vielleicht einen leckeren Puter von Grob?" Die drei Bauern wollen sich das nicht länger gefallen lassen und planen mit obligatorischem Schießgewehr, schrecklichen Schaufeln und teuflischen Traktoren den Dieb in seiner Höhle zur Strecke zu bringen. Die Sympathien werden dabei eindeutig auf den schlauen Ganoven gelenkt – von Roald Dahl durch spitze Zuschreibungen, von Sprecher Christian Berkel (die deutsche Stimme von George Clooney) durch Mut zur Variation: Während die niederträchtigen Bauern schnaufend, lispelnd und keifend wüten, kommt Mr. Fox ganz sophisticated zum Sieg, und die Hörenden zu einer fabel-haften Lesung.
All jenen, die sich dieser klassischen Geschichte Dahlschen Charmes lieber visuell näheren möchten, seien Quentin Blakes schwarz-weiß Illustrationen der Buchausgabe empfohlen – sparsam an Anthropomorphisierungen, reich an Dynamik und Witz.

Der Hörverlag 2010. 2 CD, € 14,95. ISBN 978-3-86717-432-9
Roald Dahl: Der fantastische Mr. Fox. Ill. v. Quentin Blake. Übersetzt v. Charles Schüddekopf. rororo 2009.

 


Wes Anderson: Der fantastische Mr. Fox [Film]

Mr. Fox, einstiger Hühnerdieb, inzwischen Kolumnist, Ehemann und Vater, widmet sich – scheinbar gepackt von der Midlife-Crisis – neuerdings dem Existenzialismus. Wie viel wildes Tier steckt noch im adretten Cordanzug, wie viel Talent zur Gaunerei? Nur ein ausgefuchster Fuchs ist seinen Namen wert und so beschließt der Hallodri einen letzten Coup (in drei Teilen): Die Bauern Bean, Boggis und Bunce sollen um diverses Geflügel erleichtert werden – zu Hilfe kommen ihm dabei das träge Oppossum Kylie und Neffe Kristofferson, der als sensibler Karatekämpfer nicht nur die Aufmerksamkeit von Mr. Fox auf sich zieht, sondern auch den Unmut dessen pubertätsgeplagten Sohnes Ash … In diesem Puppen-Stop-Motion-Film bildet die Geschichte Roald Dahls lediglich den Auftakt für ein fulminantes Heist-Szenario, in dem Teenagerselbstfindung und Familienzwist ebenso Platz finden wie Versatzstücke aus Western und Musikgeschichte. Die Optik des Films lehnt sich an die Original-Illustrationen Donald Chaffins an und nutzt Roald Dahls "Gipsy House" als Bezugsquelle für überbordenden Detailreichtum, der sich auch in der konsequenten Handarbeit der Herstellung zeigt: In den 120 gebastelten Einzelsets kommt bspw. Watte als Nachahmung von Explosionsrauch ebenso zum Einsatz wie bedachte Farbgestaltung: Der weitgehende Verzicht auf kalte Farben schafft eine antiquierte, gemütliche Atmosphäre, in der die Stimmen von George Clooney, Meryl Streep und Bill Murray (unkonventionell aufgenommen beim tatsächlichen Spielen der Szenen) ihr übriges tun, um dieses perfekt getimte, pointenreiche, vor allem aber rührende Spektakel zu vollenden.

Der fantastische Mr. Fox. Film von Wes Anderson. Drehbuch von Wes Anderson und Noah Baubmach. Nach einem Roman von Roald Dahl. In der Originalfassung mit den Stimmen von George Clooney, Meryl Streep, Bill Murray u.a. 83 min. USA 2009.

 


Aesop / Lisbeth Zwerger: 12 Fabeln

Springt er in die Höhe oder hüpft er gerade vor lauter Wut? Lisbeth Zwerger stellt den Fuchs in ihrer Illustration zu "Der Fuchs und die Trauben" mitten in einen Weißraum, auch seine Mimik ist nicht eindeutig zuordenbar und lässt damit Raum für eigene Interpretationen. Bereits 1989 erschien diese Fabelsammlung erstmals, deren Texte von Hans Gärtner bearbeitet wurden. Auf der linken Seite ist jeweils der Fabeltext abgedruckt, am Ende wird die "Moral von der Geschicht" in einem kurzen Sinnspruch zusammengefasst. Lisbeth Zwergers Illustrationen changieren zwischen naturgetreuen Tierdarstellungen und mehr oder weniger stark akzentuierten Anthropomorphisierungen. Eine in Text und Bild gelungene Bearbeitung von Aesops Fabeln, die in ihrer schlichten Aufmachung so zeitlos wie die berühmte Vorlage bleibt.

NordSüd 2006. 32 S., € 12,20. ISBN 978-3-314-01474-1

 


Antonie Schneider / Aljoscha Blau: Kamel bleibt Kamel. Äsops Bilderbogen

Während der Fuchs seinen Frust über die unerreichbaren Trauben in Äsops Fabel bekanntlich mit Überheblichkeit zu überspielen versucht, ist die Füchsin in diesem bibliophil gestalteten Buch als souveräne Person dargestellt: Den Angebereien der arroganten Leopardin entgegnet sie mit einem lässigen: "Ich muss nicht scheinen, was ich bin. Das Pelzchen, meine Liebe, macht's nicht alleine." Antonie Schneider hat eine Auswahl aus bekannten und weniger bekannten Fabeln Äsops getroffen, die sie in prägnanter Sprache nacherzählt. Begleitet sind die kurzen, durchnummerierten Texte von Aljoscha Blaus Bildtafeln: Die ungewöhnliche Farbgestaltung fordert die Sehgewohnheiten heraus, seine Anleihen an die Mode unterschiedlicher historischer Epochen und Stilrichtungen spiegeln die Allgemeingültigkeit der in den anthropomorphisierten Tieren dargestellten menschlichen Eigenschaften.

Residenz 2009. 48 S., € 14,90. ISBN 978-3-7017-2056-9

 


Cornelia Funke / Lionel Wigram: Reckless. Steinernes Fleisch

"'Jacob ist verreist.' Jacob war immer verreist. Manchmal war sie nicht sicher, ob es ihn überhaupt gab." Wenn Clara und Will nach seinem älteren Bruder suchen, finden sie nichts als vorgeschobene Entschuldigungen und mysteriöses Verhalten vor. Denn Jacob weilt keinesfalls Monate lang auf Grund einer Arbeitsreise im Ausland, sondern in der märchenhaften Welt hinter dem Spiegel im Arbeitszimmer des vor Jahren verschollenen Vaters. Eines Tages entdecken Will und seine Freundin den geheimen Übergang und gesellen sich schon bald zu Jacob und dessen Begleiterin Fuchs, die als Gestaltwandlerin zwischen ihrer tierischen und menschlichen Haut hin und her wechselt. Damit ist auch schon das Leitmotiv dieses ersten Bandes der Nachfolge-Reihe zur Tintenwelt-Trilogie eingeführt: Die Wandlungsfähigkeit, Bedeutung und Kostbarkeit von Haut. Denn im Zentrum der Abenteuerhandlung und für fast alle beteiligten Parteien das antreibende Element ist Will, der nach einer Verletzung sich sukzessiv in eine Kreatur aus Jade mit unschätzbarem Wert verwandelt. Auf der Suche nach einer Heilung begegnet das Vierergespann unter anderem dem Knusperhäuschen sowie Dornröschen in ihrem umrankten Schlossgelände, aber auch zahlreichen weiteren Märchenmotiven, die über den deutschsprachigen Raum hinausgehen.

Dressler 2010. 352 S., € 20,60. ISBN 978-3-7915-0485-8

 


Johann Wolfgang von Goethe / Dieter Wiesmüller: Reineke Fuchs

Er ist Dieb, Gauner, Betrüger, Mörder, Ehebrecher und Verräter. Und er ist einer der besonders schlimmen - weil noblen - Sorte. Obwohl von den Tieren verachtet, gejagt und immer wieder bestraft, überlistet und besiegt Reineke Fuchs stets seine Ankläger. Reineke, im Anzug gekleidet und lässig an seinen Schreibtisch gelehnt, lächelt verschmitzt vom Cover des von Dieter Wiesmüller neu illustrierten Tierepos. Der goethesche Originaltext wird durch die ausdrucksstarken Bleistiftzeichnungen des Künstlers neu interpretiert und seiner Zeit enthoben. Die Begebenheiten rund um König Nobel, Isegrim, Grimbart und Reineke werden so in ein aktuelleres Umfeld transportiert; stellvertretend für allgegenwärtige Menschentypen thematisieren die Tiercharaktere symbolisch gesellschaftliche Missstände.

Hanser 2008. 216 S., € 20,50. ISBN 978-3-446-23090-3